Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1844)
- Date
- 1844-07-29
- Page
- Seite 437 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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437 durch die Reichhaltigkeit solcher Vortrage erbaut und belehrt zu werden. Dies war ganz besonders am Sabbat nb« 's der Fall, wo derselbe die erste Konfirmation, und zwar was um so mehr sagen will — nur mit einem einzigen Knaben abgehalten hatte. Wenn schon Alles, selbst Gottes gerechteste Sache zuweilen von dem Parteigeist angefeindet und bestritten wird, und der Eine tadelt wahrend der Andere lobt, so war es um so erfreulicher, wie die ganze Gemeinde, Einheimische und Fremde, Polen wie Deutsche, Alles, von der körnigen und kräftigen, mit der Parascha in den schönsten Einklang gebrachte Predigt, erbaut und über die von dem Konfirmanden erstandene Prüfung, die über anderthalb Stunden währte, in der Lhat erstaunt war. Alles war überrascht, Keiner verließ unbefriedigt, vielmehr unter Dank und Anerkennung, nach beendigtem Gottesdienste, die Synagoge. Auch unser hochwürdiger greise Rabbiner, Herr Aron Elkan, einer der größten Lalmudisten Rußlands, von ungeheuchelter wahrer Frömmigkeit, äußerte unter den herzlichsten Ausdrücken seine Freude über diesen Gott verherrlichenden Akt; denn cs war nicht dresfirtes Hersagen von Sittensprüchen, sondern die heilige Lehre Gottes, die das Herz erfreute und die Seele labte. — Herrn Dr. Neumann ward cs aufbewahrt, dieser heiligen Feier eine solche Weihe zu geben, daß selbst die härtesten Gegner aller Neuerungen, diesen Akt als einen heiligen und nothwendigen erkannten und nicht nur gebilliget, sondern als wünschenswerth, für ganz Israel eingeführt zu sehen, offen erklärten; — denn sie giebt der Jugend Stärke und Gott — die Ehre. Die Schul-Kommission. Von der russischen Grenze, im Juli. (Privatmitth.) Man geht jetzt mit dem Plane um, die russischen Gebete in's Jüdische zu übersetzen, und russische Kirchen mit jüdischen Gebeten in allen, von Juden bewohnten Gouvernements zu errichten. Literarische Nachrichten. Leipzig, im Juli. (Privatmitth.) (Notizen über Allerlei.) Wieder ist ein Buch vom Stapel gelaufen, oder vielmehr von den Gelegenheitsmacherinnen „Noth und Verlockung" herbeigezogen worden, das, an und für sich ganz werthlos, dennoch von sich sprechen macht. Die Art aber, wie davon gesprochen wird, nöthigt mich, so gern ich auch mich und Ihr Blatt von jedem Schmutze fern halte, es auch hier nicht ganz unerwähnt zu lassen, und gegen die bereits laut werdenden Folgerungen der deutschen Journalistik zu protestiren. Das Buch ist betitelt: „Oesterreich und Rußland. Leipzig 1844. Druck und Verlag von Phil. Reclam zun." Um nun ein für alle Mal dieses Buch und seinen ungenannten, namenlosen Verfasser in ein, für alle Thcile wohlthätiges Vergessen versenkt zu sehen, dürfte, dem Anschein nach, kaum mehr nöthig sein, als darauf aufmerksam zu machen, wie dieses zumeist aus andern schönen Büchern — z. B. die europäische Pentarchic! — und Zeitungsberichten — vergleiche A. D. Z. Ro. 86 und Seite 129, 30, 31 dieser Schrift u. dgl. — zusammengestoppelte, 15 Bogen starke Machwerk llf-i Thlr. kostet; oder höchstens nur noch einige Pröbchen des säubern Inhaltes mitzutheilen. Etwa Seite 177. „Saphir ist im Leben wie in der Literatur, in ge- „scllschastlichem Verkehr wie in der Journalistik der „Ofener Trödeljude, der mit Witz und Wortspielen statt „mit alten Kleidern Handel treibt. Er wird bissig und „belfert und beschwört den Gott Abrahams, Isaaks und „Jakobs, worunter er freilich aus purer Bescheidenheit „seine eigene Feder versteht, wenn ihm Jemand einen „abgestandenen Witz von Abraham ü Lniita Clara, den „ec wie ein altes Erbstück behandelt, wegkapert, oder „wenn man sich gar erdreistct, ihm sein vollgültiges, „von seinen Ahnen vererbtes Recht, ein Tcödclgeschast „zu treiben, streitig zu machen" oder Seite 204 „Ju- „denhaß hat der eigentliche Russe nie gekannt und er „redet den Juden immer mit dem historischen Namen „Hebräer" und nicht mit dem Schimpfnamen „Jude" an;" (Eine schöne Logik!) „doch wird man es hoffenr- „lich selbst einem Kosmopoliten nicht verargen, wenn er „vor den schmuzigcn, ungelenken, mit allen möglichen „Unarten ausgerüsteten, zudringlichen, in einer besonders „auffallenden Tonart, ihre Worte ableiernde Schreckge- „stalt zurückschaudert und kaum glauben will, daß diese „Person geistige Eigenschaften besitze, menschlich denke 3t«