Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1844)
- Date
- 1844-07-29
- Page
- Seite 436 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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436 dauern, ja mit Unwillen die nicht hervorgerufenen Angriffe in der Stadthalle von Birmingham wahrnahmen, falsche und grausame Beschuldigungen, die die Gerechtigkeit und Menschlichkeit der Britten längst -er Vergessenheit übergeben haben. Daß es eine Beleidigung für den Verstand und das Gefühl ihrer christlichen Brüder wäre, wenn sie in eine lange Widerlegung jener falschen Beschuldigungen sich cinlaffen wollten, die ihre vollkommenste Widerlegung nicht allein durch den Buchstaben und Geist der jüdischen Religion erhalten, sondern auch durch die allgemeine Aufführung der Juden selbst ff. ff. Endlich antwortete Herr Marsh, und der Dr. Raphall ließ diese Antwort selbst, zugleich mit seiner Erwiderung abdrucken. Herr Marsh giebt zuerst zu verstehen, daß der Bericht über seine Rede in der Zeitung nicht ganz richtig sei —ohne zu sagen, worin das Unrichtige besteht — beruft sich in Bezug auf seine Anschuldigungen auf die bekannten Pamphlets The Old Paths etc. von M'Caul, und führt nun mehre Stellen aus diesem Buche an. Zuletzt schließt er, indem er den englischen Juden Komplimente macht, und sie freilich als solche Vorschriften nicht ausübend anerkennt. In seiner ausführlichen Widerlegung trennt der Dr. Raphall die Antwort des Herrn M. in drei Abtheilungen: Läugnung, Rechtfertigung und Vorbehalt. In der „Läugnung" zeigt Dr. R., daß der Bericht allerdings richtig war, und daß seine „Rechtfertigung" zeigt, daß er richtig sei. In letztererweist er besonders nach, daß Herr M'Caul sehr häufig mit dialektischer Kunst die Meinungen einzelner Rabbinen als gültig aufstellt, aber verschweigt, daß die geltenden Autoritäten ganz das Entgegengesetzte, was auch das Rezipirte ist, festsetzen. Er geht nun jede einzelne Beschuldigung durch, und widerlegt sie vollständig und glänzend mit den Worten des Schulchan Aruchs selbst, zeigt aber auch, wie Herr Marsh die Worte des H. M'Caul wieder selbst verdreht und Beschuldigungen daraus gezogen hat, die gar nicht darin liegen. In dem „Vorbehalt" weist der De. R. die Komplimente für die britischen Juden gänzlich ab, indem er dieselben für alle Juden aller Länder in Anspruch nimmt, unter denen sich nicht minder rechtliche und hochherzige Männer finden. Zuletzt erklärt er die Erwiderung des Herrn Marsh für eben so falsch, wie seine Behauptungen, und deutet darauf hin, daß er (Dr. R.) sich streng auf der Vertheidigungslinie gehalten, so gut er auch in's entgegengesetzte Lager hätte hinübergehen können, wovon er Herrn M'Caul selbst schon einmal eine Probe gegeben. — Herr Marsh hat nicht geantwortet. (Wenn man die neuesten Akten der Polemik in unsren Angelegenheiten durchliest, so freut man sich über die Fortschritte, welche die Juden in der Kunst der Widerlegung gemacht haben. Die Grünbergerund Birminghamer Gemeinden erweisen dies. Redakt.^j Rußland. Riga, 6. Juli. (Privatmitth.) Aus unseren früheren Mittheilungen wissen Sie bereits, wie traurig unsere Schulangelegenhciten bestellt waren; denn bei der langen Abwesenheit des Herrn Dr. Lilienthal hielten wir es endlich für angemessener, die Schule gänzlich zu schließen, als sie ohne direkte Leitung und Führung wieder eingehen und in sich zerfallen zu sehen. Dadurch aber geriethen Viele wieder in eine solche Gleichgültigkeit gegen den Unterricht, daß selbst nach der Wiedereröffnung der Schule viele Hindernisse und Unannehmlichkeiten zu beseitigen waren. Indessen schon nach einem halben Jahre ist es dem unermüderen Bestreben unseres Dr. Neumann, durch die Kraft seiner Beredsamkeit, durch die Tüchtigkeit im Lehrfache, vor Allem aber durch sein musterhaftes Leben und Beispiel gelungen, die Gemüther für sich zu gewinnen und der Schule wieder Leben und Gehalt zu verleihen. Die Zahl der Schüler in der untern Klasse hat sich um das Doppelte verstärkt und die Leistungen desselben sind nicht mehr zu verkennen. Davon wurden wir unter Anderm auch am 22. v. M. auf das Freudigste überzeugt. Denn Seine Exzellenz der Herr Kurator des Dörptschen Lehrbezirks Generallieutcnant von Kraftström, der auch unsre Schule mit seinem Besuche beehrte, gab, nachdem er lange dem Unterrichte beigewohnt und selbst mehrere Fragen an die Schüler der obern Klasse gestellt hatte, unter den geneigtesten Ausdrükken seine volle Zufriedenheit zu erkennen. Nicht minder ist es erfreulich für uns, daß wir, nunmehr wieder so glücklich sind, das Wort Gottes in seiner Lauterkeit und Reinheit zu vernehmen und