Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1844)
- Date
- 1844-07-29
- Page
- Seite 431 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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431 Denkweise herausstellte, die sich hier z. B. damit zufrieden giebt, daß der Jude auf sein Aushängeschild „jüdischer Schneidermeister" rc. zu setzen habe. Ermahnt das Einen nicht an die schöne Zeit der gelben Läppchen? und doch sind es solche Dinge womit man die höchsten Stellen alarmirt, und es wagt, gegen die bestehenden sanktionirten Gesetze sich aufzulehnen. Und in der That, wenn so die Sachen stehen, ist es dann nicht, als tönte cs aus einem Tollhause heraus, wenn sie fortan rufen, daß die Juden lauter Schacherseclen sind, und Keiner ein „gutes ehrliches" Handwerk lernen will? aber cs thut nichts, daß weiß ein Jeder selbst, man macht als merkte man nichts, und Alles bleibt beim Alten. — Wahrhaft niederschlagend ist es zu sehen, wie im Argen noch die menschliche Natur sich befindet, wie noch wenig abgeklärt und veredelt überhaupt sich der Gedanke und die Meinung bei der Masse sowol wie bei den Einzelnen hat; blicken wir nach vielen Seiten hin, so zeigt sich da nirgends eine Spur von einem Prinzip, von einer zu wahrem Bewußtsein gekommenen Erkenntniß; denn wenn dies umgekehrt der Fall, und nicht Alles nur Antrieb eigensichtiger Empfindungen wäre, wie ist es zu begreifen, daß gerade die Reformirten, die selbst noch in so vielfältiger Beziehung einer Emanzipation in Ungarn entgegenharren, in einer so krassen verabscheuungswürdigen Gestalt und Art gegen uns die verbrecherische Waffe erhoben? Gegen uns! die wir mit ihnen siegen oder fallen müssen. Der Bürger in Ungarn, der auf Europens ziviiisirte Staaten hinweist, und dem feudalen Ungar ein Ancrkenntniß seiner Rechte abfordert, wie gebraucht er die Idee des Fortschrittes, die ihn hier unterstützt, in Beziehung auf uns? er möchte sich in dem Strahl einer neuen Aera sonnen, während er uns in die Finsterniß untergegangener Tage hinabzudrücken sich bestrebt. Wenn der jüngst von mir erwähnte Herr Fabian Gabor gegen eine (allzu-) scharf gehaltene Replik des vortrefflichen kanischauer Rabbiners Löw sich wehren zu müssen glaubt, und mit der Klage beginnt, daß es ihm, der durch seinen Artikel für einen Judenfreund ausgeschrieen zuwerden befürchtete, unerwartet kömmt, von uns Undankbaren selbst das Gegentheil zu vernehmen, so zeigt das ebenfalls, daß selbst die Intelligenten, die Schriftsteller unter uns noch die reine Ansicht nicht haben erlangt, die reine im Geist und im Gemüth gepflegte und veredelte, die allein die Liebe und Achtung beansprechen darf, die wir ihn immer gerne, und nur ihr allein, angedeihen lassen. — A<1 vocem Schriftsteller: da ist der Knoten: die Herren Autoren bei uns sind eigens auf die armen Juden versessen; es wird keine Novelle fabrizirt, worin nicht ein Jude so gewissermaßen die Staffage hervorheben muß, kein Stück kommt auf die Bühne, wo nicht ein köstliches Judenröllchen zur Verletzung eines ganzen Aktes hineingcflickt wird; ein ungarischer Romanschreiber ahmt Sue's „Geheimnisse" nach, bas! so springt Euch aus der ersten Seite, wie Ihr das Buch aufschlagt, das Wörtchen Jsid,- in die Augen; sobald ihnen ihr kurzer Verstand ausgeht, und sie nichts mehr erfinden können, wird so eine armselige Judensigur aus dem Reseroewinkel hervorgezogen, und siehe da! die Sache wird sogleich über alle Erwartung pikant; man spricht davon, daß Szigligeti's Drama „der Jude" welches nächstens aufgesührt wird „die Lichtseiten des Judenthums hervorheben wird" da fletscht ein sich witzig druckender Feuilletvnist die Zahne, und meint, er kenne Jemand, der sich schon vorbercite „dessen Schattenseiten" herauszustellen, und kokettirt da freilich nur mit sich selbst; manche Redakteurs, die ihrem zweiten Gewerbe nach freilich in eifersüchtiger Konnaiffanoe mit manchen Juden stehen, brachten gern in letzter Zeit Uebertragungen aus der „Augsburger," weil das in ihren Antiemanzipationskram paßte, wie sich aber solche Dinge in's Ungarische — in die Sprache der Humanität — übersetzt ausnehmen, das läßt sich nicht beschreiben. Sal. Rothschild kömmt nach Pcsth, und es sprechen die Kleinstädter weniger von dem weltberühmten Banquier, als sie bei dieser Gelegenheit von Juden und Judenthum salbadern; und so geht das in's Ekelhaste fort. — Seit J. Juli erscheint die „uem/wti (National), das Organ der klerikalen Partei unter Redaktion des Grafen Joh. v. Mailüth, des bekannten Geschichrsschreibers und deutschen Schriftstellers; der Herr Graf verspricht in seinem bestimmt und scharf ausgesprochenem Programm seinen Wirkungskreis, der darin besteht, die Rechte und Würden der Kirche gegen jedwede Eingriffe von außen zu schützen, auch auf den Glauben des Volkes Israel auszudehnen; so schön dies klingt, und so lieb es uns ist, läßt sich doch nicht absehn, ob und wie dies, nach den Verhältnissen zu urtheilen,