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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-07-29 · Heft 31 (29.7.1844) · p. Seite 430

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 31 (29.7.1844)
Date
1844-07-29
Page
Seite 430 (sequence 2)
Language
German
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430 die Gegenwart beherrschenden Ideen gegenüber; ihr erdrücket den Geist durch die Form und den Buchstaben; ihr verlanget blinde Nachfolge, die aber die jetzige Menschheit zu leisten nicht den Beruf fühlt ff. Jndeß weisen die Orthodoxen wieder darauf hin, daß die Reformen bis jetzt wenig geholfen, daß trotz den Neuerungen und Umgestaltungen die religiösen Institutionen, welche Alle als wesentlich erkennen, Sabbat, Versöhnungstag, Peßach ff., dennoch immer mehr Ln Verfall gerathen, daß also die Verstärkung des Geistes, des Bewußtseins, die Hervorhebung der Lehre noch wenig Früchte getragen u. s. w. Cs geht aber hieraus nichts Anderes hervor, als daß allseitig das Ergebnis; noch ein unsicheres ist; es liegt in allem Dem eine Wahrheit, die sich nicht gegenseitig aufl ebt, sondern die zusammengenommen das Ganze ausmacht. Trotz allen Kämpfen und Versuchen ist das bestehende Judenthum wesentlich noch dasselbe, was es war. Mag der Geist noch so bewegt sein: die äußere Erscheinung des Judenthums ist noch dieselbe, wenn sie auch in den Synagogenordttnngen ff. Aenderungen und Ausbesserungen erhalten hat; irgend ein wesentliches Element und Charakteristikum dieser äußern Erscheinung ist noch nicht in Wegfall gekommen und noch durch kein anderes ersetzt worden. Hier kommt es durchaus nicht darauf an, wie groß oder klein die Zahl derer ist, die streng nach den Forderungen der Synagoge leben: diese Forderungen selbst stehen anerkannt da. Was also bis jetzt geleistet worden, besteht in ästhetischerer Gestaltung des Gottesdienstes, in der Belebung durch Predigt und Muttersprache, und im theoretischen Herumfahren an dem bestehenden Körper, ohne bis jetzt zur praktischen Geltung die Kraft erlangt zu haben. In diesem Sinne verfahren sowol die Gemeinde- Vorstände, die, und wenn sie selbst noch so reformistisch gesinnt sind, bei allen Gemeindeeinrichtungen nach den bisher gültigen Vorschriften, so weit es nur irgend möglich, sich richten; in diesem Sinne werden die Geistlichen angefiellt, die alle ihnen vorznlegenden Fragen nach dem jüdisch-kanonischen Gesetze beantworten sollen, und, wenn ihnen auch in der Lehre freie Hand gegeben wird zu eigener Entwickelung, doch in xraxi dem Buchstaben des Gesetzes zu folgen verpflichtet werden. Wenn also der Jndifferentismus theils in gänzlicher Abspannung gegen alles Jüdisch-Religiöse, theils in leerem, nur durch Gewohnheit, nicht aus Grundsatz und lebendigem Erfassen entspringendem Ausfuhren der religiösen Formen besteht: so hat bis jetzt das Judenthum als Ganzes sich begnügt, sich mit ihm dadurch abzufinden, daß es seine Formen gefälliger und durch die Predigt inhaltsreicher machte. Ein Weiteres geschah noch nicht. Etwas Neues nnd Allgemeines, um aus dem Jndifferentismus herauszukommen, und von ihm einen bedcutendern Raum wieder zurückzugewinnen, ist noch bislang weder gefunden, noch irr's Werk gesetzt. Wir erkennen das, was wir als bis jetzt geschehen bezcichneten, durchaus nicht für geringfügig an; wir wissen auch, daß Vieles bereits dadurch gewirkt worden. Allein bereitwillig wird man mit uns anerkennen, daß dies gegen den großen Truck, den die Zeitrichtungen und Verhältnisse ausüben, lange kein ausreichendes, genügendes Mittel ist, daß cs durchaus nicht Kraft und Mächtigkeit genug besitzt, um auf die Dauer und mit Nachhaltigkeit der Strömung einen Damm zu setzen. Darum sind wir allerdings noch nicht in der Wiedererobekung des verlorenen Terrains begriffen, sondern wir dürften uns schon freuen, wenn wir vorerst einen gewissen Stillstand hervorgebracht hätten, der in dem schnöden Wegwenden von unsrer heiligen Angelegenheit bewirkt wäre. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Oesterreich. Pesth, 16. Juli. (Privatmitth.) Einen neuen Beweis erbärmlicher Intoleranz haben soeben die Bürger der Stadt Weißenburg geliefert; diese Herren, die im verflossenen Winter, — als gerade in Preßburg die Judensache diSkutirt wurde — durch Schnee und Sturm sich die Reise nicht ersparten, um noch zu guter Zeit in Gemeinschaft mit der hochlöbl. Bürgerschaft unseres großstädtischen intelligenten Pesth einem Akte beizuwohnen, der freilich gleich damals seine Würdigung fand, haben nur jetzt die Konsequenz ihres Wvllens bekundet, indem von ihnen eine Deputation nach Wien abging, die um die Aufhebung des Ansiedlungsrechtes jüdischer Handwerker in den Städten petitionirte. Es ist aber dieser Gesandtschaft eine abschlägige Antwort, ja, wie man hört, ein Verweis zuertheilt worden, der in seiner Ausdrucksweise an ein ähnliches Wort Franzi, erinnert.— Das Empörendste an der Sache ist, daß sich da weniger ein noch halb zu entschuldigendes Motiv des Eigennutzes, als eine rein mittelalterliche

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