Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1844)
- Date
- 1844-07-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 31. vni. Zahrg->»g. Allgemeine Zeitung -es Zudknthums. Ein uupartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Verlag von Dr. Ludwig Philippson, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. (Mit Königl. Sächsischer allergnadigster Konzession.) Leipzig, den 29. Juli 1844. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22i Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungserpeditionen nehmen Bestellungen an; der Häuptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs, wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Der Indifferentismus. (Fortsetzung). Zeitungsnachrichten: Oester re ich: Pesth, Prag. Preußen: Magdeburg. Deutschland: aus Würtemberg, Speyer, Braunschwlig. Frankreich: Frankfurt am Main, Paris. Großbritannien: Birmingham. Rußland: Riga, von der ruff. Grenze. Literar. Nachrichten: Leipzig l Notizen über Allerlei). Korrespondenz: Wanderung durch Krakau, Galizien, Bukowina, Moldau und Wallachei. (Forlsetzung.) Leitender Artikel. Magdeburg, den 22. Juli. Der I n d i f f e r e n t i s rn u s. (Fortsetzung aus No. 24.) Wir haben bis jetzt das Dasein und die verschiedenartige Erscheinung des religiösen Indifferentismus betrachtet, alsdann die ursächlichen Momente desselben näher in's Auge gefaßt. Wir haben nun noch zwei Fragen möglichst zu beantworten: wie findet sich gegenwärtig das Judenthum mit ihm ab'S und: wie ist ihm endlich zu begegnend Es ist nicht ausgeblieben, daß sich die verschiedenen Parteien im Judenthume den herrschenden Jndifferentismus in die Schuhe schoben. Tie Orthodoxen sahen in ihm nur die Wirkung, das Produkt derer, welche eine Reform des Judenthums anstreben, ohne zu bedenken, daß die ganze jetzige Beschaffenheit und Sachlage aus ih-! ren eigenen Händen hervorgegangen sind. Wessen Söhne! waren es, die alle religiösen Vorschriften hintenansetzten,! alle Gebräuche verlachten, alles Positive zurückwiesen und sich einem Zustande überließen, der — mit einem Worte > — Richtreligion, Menschenthum ohne alle Religion — ist? Die Söhne der Orthodoxen, die Schüler der Orthodoxen. Es ist eine bekannte Erfahrung, daß die Jugend, die ganz ohne zeremonielles Moment erzogen wird, im Gefühle der Entbehrung, Unbefriedigung, Mangelhaftigkeit leichter wieder zn religiöser Form znrückgeführt wird, während die streng orthodox erzogenen Kinder zn nichts schneller schreiten, als — das Kind mit dem Bade auszllschütten. Es ist ein Sprüchwort: der Pole, der sein Kleid auszieht, ist schon so gut, wie wenn er seine Religion verlassen hat. So erwiederte man in der französischen Kammer den Vorwürfen der Priesterpartei, daß die Universität die Jugend irreligiös erziehe: „wessen Zöglinge waren die Atheisten des vorigen Jahrhunderts? die Zöglinge der Jesuiten." So pflegen die Schüler, die in Klöstern unterrichtet werden, am leichtesten auszuarten, weil sie, zu streng gehalten, die ihnen nun gewordene Freiheit nicht recht auzuwenden verstehen. Der zu gebunden erzogenen Jugend fehlt die Befähigung, das mittlere Gebiet sich anzueignen, wo die Bedürfnisse und Richtungen der Zeit und die Forderungen der Religion sich begegnen und absinden. Gerade im Gegentheil sprechen die Reformer den Orthodoxen den Indifferentismus zu: Ihr lasset den Gottesdienst verfallen, sagen sie; ihr stellet euch schroff den,