Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1844)
- Date
- 1844-07-22
- Page
- Seite 426 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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426 zu einem Banquet vereinigten, wo Juden und Christen in den herrlichsten Reden und edelsten Toasts wetteiferten. Dieses Gebäude welches etwa 1800 L Sterl. (circa 12500 Thlr.) kostet, ist am 29. v. M. von Sir Moses eröffnet worden. Ich schicke Ihnen inneliegend einen Auszug von the Birmingham Journal vom 31. Mai, woraus Sie die Feierlichkeiten beim und die Reden beim Banquet ersehen werden. Auch sende ich Ihnen Auszüge aus The Birmingham Gazette vom 20. und 27. Mai, woraus Sie sehen werden, wie kräftig diese Gemeinde den verleumderischen Angriff eines Geistlichen der anglikanischen Kirche zurückgewiesen hat. In religiöser Hinsicht sind wir hier, obgleich mit dem Geist der Zeit bekannt und verwandt, dennoch orthodox, und haben uns keine Neuerungen erlaubt. Denn daß bei unsrem Gottesdienst die höchste Ordnung und feierliche Stille herrscht, betrachten wir als keine Innovation, sondern als praktischen Kommentar des '121 va i:sb i'n, welches wir vor Augen haben. Und daß wir den Verkauf von Mizwoth so wie auch “i'-ssa ra abgeschafft haben, ist wol auch keine Neuerung, sondern blos Abstellung eines Uebels, welches im Drang der Zeiten sich eingeschlichen. Unsre Weiber und Töchter besuchen unser sr» 'ü-ip-a jeden m*jj und aia tm und letztere verstehen die hebräischen Gebete. — Und während rings um uns alles Zwist und Ungewißheit ist, hoffen wir unser Schiffchen dennoch zu bergen. Dr. R. Preuße«. Danzig, 26. Juni. Die D. A. Z. enthält folgenden Artikel: Es ist seit längerer Zeit häufig vorgekommen, daß, wenn jüdische Proselyten die Eintragung des Königs als Taufzeugen in das Kirchenbuch nachsuchen, sie die Gewährung dieses Gesuchs und zugleich ein allerhöchstes Pathengeschenk in Gold erhalten haben. Durch eine vor einiger Zeit ergangene Verfügung wird bestimmt, daß zwar die Eintragung des königlichen Namens in das Kirchenbuch, wo dies ausdrücklich gewünscht wird, und vorausgesetzr, daß der Täufling eine würdige und achtungswerche Person ist, und über die Reinheit der Beweggründe zum Uebertritt kein Zweifel obwaltet, auch noch fernerhin erfolgen möge; von dem bisher üblich gewesenen allerhöchsten Pathengeschenke soll dagegen wegen des, das Zartgefühl verletzenden nahen Zusammentreffens der heiligen Handlung mir einem weltlichen Interesse in Zukunft Abstand genommen werden. Doch hat der König sich Vorbehalten, in einzelnen Fällen, wo nach Ablauf eines Jahres nach der Taufe von den Geistlichen Umstände aufgeführt würden, die eine Unterstützung des Täuflings nothwendig erscheinen lassen, eine solche alsdann zu bewilligen. Oesterreich. Prag, 12. Juli. (Privatmitth.) Glaubeir Sie es nicht, wenn Sie in den öffentlichen Blat tern lesen, daß die hiesigen Arbeiterunruhen zunächst gegen die Juden gerichtet seien. Das Uebel lieg! tiefer, aber man will es gern den Juden in die Schuhe schieben, um somit die allgemeinere Anlage und Richtung der Vorgänge unter der Maske des alten Religionshasses zu verbergen. Es ist aber dem nicht so. Weil es hier jüdische Fabrikanten giebt, richten sich die Demonstrationen auch gegen Juden; weil es Pöbelexzesse sind, treiben sie ihre Wuth auch gegen Juden, die Nicht-Fabrikanten sind, um so mehr da das Volk überall der Meinung ist, daß gegen Juden verübte Gräuel weniger hart bestraft werden. Doch erlauben Sie mir hierbei einige allgemeine Betrachtungen. Mag das Zusammentreffen verschiedenartiger Vorgänge wol auch vielfach Zufall sein, bei öferer Wiederholung müssen wir doch einen geistigen Zusammenhang erkennen. Seit 1820 har man von einem allgemeinen Volksexzeß gegen Juden Nichts gewußt. Wie hat es sich aber seit dem berüchtigten Damasker Prozeß geändert! In Rhodus, Marmor«, Karlsruh, Gesecke, Tarnow, Prag dieselbe Erscheinung! Den geringfügigsten äußern Umstand benutzt man um die alte Rohheit gegen die Juden auszuüben! Welche Schande, welche Betrüb niß! Von oben Beschränkungen, von unten Exzesse— der Geist des Friedens ist weit gewichen. Es ist ein Glück zu nennen, daß die Arbeiterunruhen in Schlesien vorangegangen sind, die nicht jüdische Fabrikanten betrafen, sonst hätten es die Juden ganz allein ausbaden müssen. Es ist überhaupt betrübend, daß die Juden vornehmen können, was sie wollen, sie bleiben, wie