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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-07-22 · Heft 30 (22.7.1844) · p. Seite 422

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 30 (22.7.1844)
Date
1844-07-22
Page
Seite 422 (sequence 6)
Language
German
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422 daß — ein viertes Beispiel! -- jedes sogenannte Zeremom'algesetz, auch das strengste und heiligste, in den Hintergrund trete und wie nicht existirend anzusehen sei, sobald bei der etwaigen Ausübung die Gesundheit oder gar das Leben des Menschen von einer Gefahr bedrohet ist*). — Das ist eine Folge der Fortentwickelung des Mosaischen Gesetzes — das Werk des Talmuds, der allerdings gerade auf diesem Wege „eine kräftige und belebende Entwickelung gegeben," (S. 27), der — ohne die Form der Alten geradezu zerbrechen zu wollen — allerdings „dem geistigen Inhalte Luft zu verschaffen" suchte; (das.) und bei weitem etwas anders ist, als „eine Sammlung von Scherben und Splittern, die die Rabbinen aufgelesen, nachdem eine geschichtliche Revolution das Alte zertrümmert hatte" (das.). Daher bleibt die Fortbildung des A. T. im Talmud" nicht nur — gegen Bauer's Behauptung — ein „Akt der Freiheit" der damaligen Zeit, sondern sie zeigt auch dem gegenwärtigen, wie jedem kommenden Geschleckte, auf welche Weise der Mosaismus fortwährend zu entwickeln sei; wie er seine Perfektibilität in sich trage; wie wir uns voy dem Buchsiaben des Gesetzes frei zu erhalten haben und über dem Buchstaben stehen können. Gerade der Talmud — „als Fortentwickelung des Mosaischen Gesetzes" hat den Lehrern Israels den Weg gezeigt und gebahnt, auf welchem sie das mündig gewordene Volk von Allem, was irn Rabbinismus starr, tobt und geistlos geworden ist, befreien und nach dem Ausdruck unsrer Alten „zerstören, um aufzubauen, aufheben, um zu erhalten!" *°j. Es ist bereits in diesem Sinne Vieles geschehen: die Zeit, so wie ein großer Theil der wahrhaft weisen und gottesfürchtigen Lehrer der Zeit ist reif genug, an die Arbeit zu gehen und das Werk einer besonnenen Kritik zu vollenden.- Ter Talmud ist demnach keinesweges der „bodenlos gewordene Mosaismus" und der Mosaismus keinesweges „ein Ding der Unmöglichkeit." (Das.) Wie kann Bauer gegen einen Zeitraum von neunzehn hundert Jahren Auge und Ohr verschließen?!■*) Maimonides Hilchoth Sctabitath Esor. Abschn. 2. § 8—9. **) Tract. Jebamolh, Bl. 90, S. 2. Tosephoth a. d. St. Sanhedrin, Bl. 45. Maimonides Hilcboth Mamriiu, Abschn. 1. H. 2. Das. Abschn. 2. 9. Welche andere Lehre als eben dieser Mosaismus mit seiner Fortentwickelung" hat denn das Leben der Juden während dieses Zeitraums erhalten? Welche andere Lehre hat die Juden durch Verwirrungen und Verfolgungen, wie sie keine Gesammthett in der alten und neuen Geschichte erfahren, so unversehrt hindurch getragen? Welche andere Lehre hat den Juden Schutz und Trost, Waffen und Muth verliehen, immer wieder auf's Reue zu kämpfen; bei aller Bedrückung nicht unterdrückt, bei allen Verfolgungen nicht erreicht, bei allen Anfeindungen nicht vernichtet zu werden? Ist es ein anderer Geist als der Geist ihrer Lehre, der sie jetzt bei ihrer politischen und sittlich-religiösen Wiedergeburt leitet nnd — wie einstmals (Jecheskel 37) ihre Gräber öffnet? — Wie? mein gelehrter Herr! sollte ein Nichts, ein „unmöglich gewordenes bodenloses Ding," solcher Wunder fähig sein, solche Wunder Hervorrufen können?" Auf diese Weise folgt Satomon den Jrrgängen B.'s bis zu Ende. Wir glauben, daß somit von jüdischer Seite genug geschehen, um dm Widersprüchen, Jrrthümern und Uebertreibungen B.'s ihr Recht angedeihen zu lassen. Auch hier ist auf würdige und genügende Weise geantwortet worden. Bauer's Büchlein war nothwendig. Es mußte ausgesprochen werden, was die, welche in aller positiven Religion den Todfeind der Menschheit erblicken, gegen die Juden zu sagen haben. Es ist geschehen, wir haben nun genug. Auch diese Phase der Gegnerschaft ist durckgemacht, wir haben sie überstanden. Zeitrmgsnachvichten. Deutschland. Aus Mittelfranken, 10. Juli. (Privatmitth.) Das k. Jntelligenzblatt No. 53 vom 3. Juli 1844 enthält folgendes Ministerial-Reskript, aus welchem auf's neue die schon oft gemachte traurige Erfahrung hervorleuchtet, daß man bei uns nicht nur nicht darauf bedacht ist, die Rechte der Israeliten zu erweitern, sondern wie man im Gegentheile gewisse Milderungen und Erleichterungen, welche die Praxis oder die vorurtheilsfreie Gesinnung vieler Distriktsbehörden eingeräumt, allmälig beschränkt und wieder aufhebt. Bisher wurden allerhöchst genehmigte Kollekten im Kreisintelligenzblatte ausgeschrieben, die Gemeinden hierauf von den ihnen vor-

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