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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-07-22 · Heft 30 (22.7.1844) · p. Seite 418

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 30 (22.7.1844)
Date
1844-07-22
Page
Seite 418 (sequence 2)
Language
German
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41S Aufträge, noch im Dienste der ersten Rabbinerversammlung, sondern ich spreche lediglich meine eigene Ansicht aus. Eine Diskussion über den Ausdruck „Fortbildung des Judenrhums" fand, so viel ich mich erinnre, und wie das Protokoll bestätigt, gar nicht statt, so daß also der Sinn dieser Worte durchaus nicht zweideutig zu sein geschienen. In diesem Sinne kann ich mich auch nur anssprechen. Es ist eine, bisweilen an's Lächerliche streifende Furcht, die man vor den Worten „Fortbildung des Iudenthums" hat. Es giebt Männer, denen beim Aussprechen dieser Worte sogleich ein Schreck in alle Glieder fährt. Ich glaube, diese Furcht ist eine blinde, dieser Schreck ein grundloser. Warum aber besteht diese Furcht dennoch? Weil allerdings eS schon Biele versucht haben, mit den gedachten Worten den Umsturz alles Positiven zu bekleiden, zu bemänteln, cinzuschmuggelu. Niemals aber darf der Mißbrauch, der mit einem Gegenstände getrieben worden, von dem Gebrauche desselben, sobald er ein richtiger ist, zurückhalten. Ist anderweitig der Zweck, den Jemand vor Augen hat, klar, unverholen, so darf er auf ein richtiges Bcrständniß rechnen, wenigstens bei den Vcrnünstigen — auf die Unvernünftigen kommt es aber überbaupt nicht an. Ob aber in dem ersten Paragraph der Statuten der ersten Rabbinerversammlung die Umgebung „Erhaltung des Judenthums" und „Belebung des religiösen Sinnes" den Worten „Fortbildung des Iudenthums" den rechten Sinn verleibt, kann wol keine Frage sein. Ferner: die Worte eines Statuts sind stets nur allgemein. Allgemeine Worte erhalten erst von der Ausführung im Speziellen ihren bestimmten Inhalt. Es konnten daher noch so unschuldige Worte in einem allgemeinen Statute ausgesprochen worden sein, denen später in der Wirklichkeit die gefährlichste Auslegung gegeben werden könnte; und umgekehrt. Es ist also stets das Zeugniß für die Lauterkeit der Absichten, wenn diese geradezu und ohne Umschweif ausgesprochen werden. Tech zur Sache. Alles, was da ist, muß sich fortbilden, eine Nichtsortbilduug ist gar nicht möglich. So in der Natur, so in der Menschenwelt. Zahlen machen dabei Nichts aus. Ob die Fortbildung eines Wesens so schnell geschieht, daß alle Phasen seines Daseins in vierundzwanzig Stunden erschöpft, durchlaufen sind, oder ob Jahrhunderte, Jahrtausende dazu gehören, um eine neue Stufe seiner Gestaltung zu erreichen, das ist in der großen Oekonomie der Natur und Weltgeschichte ganz gleichgültig. Was ist aber Fortbildung? Die Umgestaltung, welche ein und dasselbe Wesen unter dem Konflikt der inneren und äußeren Bedingungen au sich selbst erschafft und erleidet. — Man merke wohl auf: 1) ein und dasselbe Wesen; dies ist die erste Bedingung der Fortbildung. Denn wenn das Wesen selbst in seiner ganzen Anlage, in seinen Elementen und seiner Organisation verändert wird, so ist es keine Fortbildung, sondern eine neue Schöpfung, man mag ihm einen Namen geben, welchen man wolle, man mag es unter dem alten Namen der Welt anbietcn, oder nicht. Dies ist es, wo sich Fortbildung und Schöpfung trennen: wie gesagt, die ursprüngliche Anlage, die ursprünglichen Elemente und die ursprüngliche Organisation müssen bleiben. Es ist der Konflikt der inneren und äußeren Bedingungen, durch welchen die Umgestaltung bewirkt wird. Das Leben eines jeden Wesens erschafft Bedingungen aus sich heraus. Das Sein selbst und die organische Entwickelung desselben bringt Produkte hervor, die vorher nicht waren, und die nun wieder auf das Sein selbst zurück- und einwirkeu. Dazu kommen die äußeren Bedingungen, die sich verändernden Verhältnisse der Außenwelt, mit der das Wesen in Verbindung und Wechselwirkung sieht. So wie selbst der Granitfels von Wind und Wetter, so wie selbst das Erz von den Veränderungen der Atmosphäre die bedeutendsten Einwirkungen und Umgestaltungen erleidet, so wie aber auch jedes Ding aus sich heraus auf die Außenwelt verändernd wirkt, daß der Athem des thierischeu Körpers die Atmosphäre affizirt, die Ausrottung der Forste das Klima ganzer Länder umgestaltet: also und noch schneller und einflußreicher wirkt dasselbe Gesetz in der Geisteswelt. — Wie wir aber oben bemerkt, daß das Maaß der Zeit hierbei gar nicht in Betracht kommt: so fragt es sich auch hier nicht, wie tief die Umgestaltung dringt, ob sie auf die Oberfläche des Gegenstandes sich beschränkt, oder ob sie in die innerste Textur eingeht? Da kommt es auf die Kraft der ursächlichen Momente, auf die Menge der der Veränderung befähigt gewordenen Theile ff. an. Immer aber versteht es sich, daß das Wesen, daß die Anlage, die Elemente und Organisation des Wesens selbst unangetastet bleiben müssen, weil sonst es nicht eine Fortbildung, sondern eine Auflösung, ein Tod, und, was aber meist fraglich ist, eine neue Schöpfung ist. Auf diese Weise müssen wir von vorn herein schon zugeben, daß auch das Judenthum eine Fort-

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