Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1844)
- Date
- 1844-07-15
- Page
- Seite 403 (sequence 3)
- Language
- German
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403 Staaten Europa's großmüthige Ideen sich den Weg bahnen zu Gunsten der Emanzipation der Juden, wo im Gegentheil in anderen Staaten, die Verfolgungen und Vorurtheile des Mittelalters gegen sie wieder geboren zu werden scheinen, sind die gesund liberale Organisation des israelitischen Kultus in Frankreich und das offizielle Versprechen seiner nahen Konstituirung in Algerien, ein gutes Vorbild, gegeben der Welt durch eine Regierung, deren Ehre es ist, an der Spitze der Zivilisation zu gehen. Wir haben die Ehre ff. Folgen die Unterschriften. Paris, I. Juli. (Arch. isr. de Fr.) Auf dem Budget für 1645 verlangt der Minister abermals eine Vermehrung von 10,000 Fr. für den israelitischen Kultus, so daß die Tvtalsumme jetzt 110,000 Fr. (29,333 lja Lhlr.) beträgt; und zwar 8000 Fr. für sechs Rabbiner mehr zu 1000 Fr., 2000 Fr. Mielhe für den Grvßrabbinen, 2000 Fr. zu Unterstützungen für israelit. Kultusbeamte. Die Budgetkommiffion hat diese Vermehrung empfohlen. —. Die Lotterie zu Gunsten des israelitischen maison de secours ist sehr glänzend ausgefallen. Die Königin, Mad. Adelaive, die Herzoginnen von Orleans, Nemours, Joinville, die Herzogin von Albufera, die Gräfin Montjoie, die Damen Rothschild, Halphen, Cremieur, Cersberr ff. hatten prächtige Geschenke gesandt.' 10,000 Loose wurden verkauft, die 17,000 Fr. einbrachten, so wie A. M. v. Rothschild noch 5000 Fr., Heine 1000 Fr. sandten. Großbritannien. London, im Juni. (V. of J.) Am 28. Mai wurde in der jüdischen Freischule ein Meeting gehalten, zur Gründung einer „Jewish and general Literary and scientific Institution, zu welchem die jüdischen Nvtabilitäten Londons sich eingefunden. Da sich bereits 150 Mitglieder zu dieser Gesellschaft gefunden, wurde sie konstituirt. In der Debatte wurde zuerst der Name der Gesellschaft besprochen, und, nachdem auf das Weglassen von jewish angetragen, dagegen aber heftig opponirt wurde, ward der obige Titel beliebt. Auf Antrag des Dr. Benisch wurde als ein besonders zu pflegender Gegenstand die hebräische Sprache und Literatur bestimmt. Auf Antrag des H. Angel wurde die Subskription für Glieder aller Glaubensparteien geöffnet. Hananel de Castro Esq. wurde zum Präsidenten gewählt, so wie ein Konnte kreirt. Geld- und Büchergeschenke wurden angenommen. — Bei der Freigebigkeit der Londoner Israeliten kann dieses Institut eine sehr hohe Bedeutung gewinnen. —. In Bristol zirkulirt eine Petition von Seiten der Christen an das Oberhaus für die Emanzipation der Juden. —. In 6anton in China haben sich mehre angesehne englische Israeliten niedergelassen. Türkei. Konftantinopel, 12. Juni. Auf seiner Reise durch die Provinz hat der Sultan sich auch gegen jüdische und christliche Rajah's sehr freigebig gezeigt. Deutschland. Aus dem Meiningenschen, 28. Juni. (F. I.) Sie haben eine Nachricht aus der Dorfzeitung ausgenommen, nach welcher aus fast allen Städten des Herzogthums Deputationen nach Meiningen gekommen sein sollen, um gegen ein von der Staatsregierung den Standen proponirtes und von diesen berathenes Gesetz über die Verhältnisse der jüdischen Unterthanen Vorstellungen zu thun, und man mag sich wol fragen, was denn eigentlich diese Deputationen gewollt haben. Diese Frage hat man auch hier aufgeworfen und eben so an die von einigen Städten abgesendetcn Deputationen selbst gerichtet, aber weder im Allgemeinen, noch auch von den Deputationen konnte man einen genügenden Aufschluß erhalten, weil letztere, ihrem eigenen Bekenntnisse nach, den proponirten und bcrathenen Gesetzentwurf nicht einmal kannten, und den ständischen Verhandlungen nicht gefolgt waren, also selbst sich nicht klar sein konnten, gegen was sie Vorstellung thun wollten. Die Worte „Juden und Emanzipation" hatten einige ängstliche Krämerseelen in Allarm gesetzt; Egoismus und Vorurtheil hatten Wurzel geschlagen und eine Art Aufregung von der Residenz über einige Provinzialstädte verbreitet, die man ihrer Quelle und der ihr zum Grund liegenden Unkenntniß wegen nur eine blinde nennen konnte