Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1844)
- Date
- 1844-07-08
- Page
- Seite 396 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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396 meinen Weltgeschichte erhalten. Den Gymnasiasten, israelit. Konfession, ist es freigestellt, ob sie an dem Unterrichte des katholischen oder protestantischen Geistlichen Antheil nehmen wollen. M. Hamburg, 12. Juni. (Privatmitth.) sUeber das jüdische Familienleben; erster Artikels *). Unter den alten Schätzen der Juden, ist ihr Familienleben, aus der gedeihlichen Stufe wie es sich in den germanischen Ländern durchschnittlich ausgebildet hat, bei dem Umschwung der Ideen und Verhältnisse am meisten gefährdet. Wenn auch Mann und Weib bei den veränderten Eigenthumsgcsctzen eine edlere, gleichberechtigtere Stellung gegen einander annehmen, indem die Frau nicht mehr als Wechselinhaberin, sondern als intimster Associö dem Manne gegenübersteht, so kompensirt dies nicht das, was das häusliche Leben durch das allmäliche Eingehen des rituellen Lebens, welches in der zugleich pricsterlichen Würde eines Hausvaters alles Streben und Wirken des Mannes konzentrirt, verloren geht. Wenn der Sabbat den Charakter. eines Haupt-Erholungstages immer mehr einbüßt, wenn die schöneren aber künstlicheren und vornehmeren Formen des Kultus dem alten häuslichen Gottesdienste allmälig die Bedingungen der Existenz abschneiden, wenn die Berusswege der Kinder desselben Hauses immer mehr auseinanderlaufen, wenn dann verschiedenartige Anschauungsweisen, verschiedenartige Wünsche und Bestrebungen sich in das früher überall gleiche Leben drängen, wenn der Frohndienst des Erwerbs immer mehr alle unsere Zeit verschlingt, wenn die Ehelosigkeit immer mehr um sich greift, so braucht man nicht an das „Gift der Leihbibliotheken", nicht an den „üppigen Materialismus des Zeitalters" zu denken, um das Verschwinden des Letzten Restes patriarchalischer Sitten zu begründen. Und doch: wer konnte wol mit kaltem Blute diesen unfern Reichthum untergehen sehen! Ich spreche nicht von den höheren, gebildeteren Klassen; diese theilen Tugenden und Laster mit ihren Genossen in anderen Religionen; aber das Volk, das Volk! Gemeiner-Mann gegen Gemeinen-Mann, Proletarier *) Wir bitten den Abfasser dringend um Fortsetzung dieser Besprechung. Redakt. gegen Proletarier! Fern sei der Gedanke, daß das bessere Familienleben eine Eigenthümlichkeit der jüdischen Nation sei.- Weder die biblischen noch die späteren historischen Bücher, weder die Mysterien der Jeschiboth noch die der polnischen Chassidäer ermangeln der Schilderung von Ausschweifungen, die denen keiner Zeit etwas nachgaben: aber die Umstände, das enge Zusammenleben und allerdings auch eine glücklicherweise in Deutschland vorzüglich beachtete Portion der Religionsgebräuche haben uns diese Schätze verschafft, von denen wir noch jetzt zehren. Noch genießt der Ehestand bei uns eine hohe Achtung und wir scheuen uns noch nicht mit unseren Verlöbnissen, Hochzeiten, Gratulationen selbst in den untersten Klassen, und da zumeist, ein Lärmen zu erheben, als wäre dergleichen noch nie passirt. Noch kennen unsere meisten Männer keinen ehren- und freudenvolleren Platz als den an ihrem Familientische. Noch gilt bei uns als heiliger Eid der Wunsch, unsere Kinder unter die Chuppa zu führen. Aber es wird, es kann nicht so bleiben, wenn wir nicht mitten im Strom der Geschichte ein Wehr gegen das Abschwemmen dieser Schätze errichten. Worin soll dieser Schatz bestehen? Das wollen wir weiterhin untersuchen. Die Materialien dazu müssen wir wol zumeist in einzelnen Quadern unseres alten Gebäudes suchen. Aus Baiern, 18. Juni. Zufolge Allerhöchster Entschließung können, wie bisher bei den Schullehrer- Seminarien zu Kaiserslautern, Würzburgund Bamberg, auch bei dem neu errichteten Schullehrer- Seminar zu Schwabach israelitische Schullehrlinge zur Theilnahme am Seminar-Unterricht zugelassen werden. Italien. Aus Oberitalien, im Juni. (Privatmitth.) Es ist nicht ohne Wichtigkeit, die Fälle aus der Neuzeit zu sammeln, welche seit der berüchtigten Damasker Geschichte in allen Theilen Europa's Vorkommen, um die Juden durch ähnliche boshafte Beschuldigungen und Anzettelungen in's Unglück, in's Verderben zu stürzen. Welches Licht werden diese Begebenheiten einst auf dasneunzehnte Jahrhundert werfen! Ich theile Folgendes aus einem Privatschrekben aus