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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-07-08 · Heft 28 (8.7.1844) · p. Seite 392

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 28 (8.7.1844)
Date
1844-07-08
Page
Seite 392 (sequence 8)
Language
German
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392 die Empfindungen, die sie in der Seele zurückgelassen, sind erhebender als der Eindruck moderner Einladungskarten, auf welchen die Beschneidung in ein Frühstück übersetzt wird. Moses Mendelssohn hatte von einem Auftreten gegen den Bund am Fleische, aus der Mitte des Zudmthums, noch keine Ahnung. Als ein Rezensent in den Göttingschen Anzeigen das Problem stellte, was zu thun, wenn einem jüdischen Beamten, der die Beschneidungen verrichtet, Bedenklichkeiten über dieses Gesetz beikommen, bediente der Verfasser des Jerusalem (S. 92) in seiner Beantwortung sich folgender Worte: „Ich will die Möglichkeit des Falls zugeben, der sich hoffentlich nie zutragen wird." Wenn heute Beispiele Vorkommen, daß die Beschneidung geringschätzig behandelt wird, so darf es uns schon weniger auffallen. Man hatte den Zeremonialgesetzen einen geringen positiven Werth beigelegt, aus der Erziehung, dem Unterrichte und dem Leben das Jüdische ziemlich beseitigt, dafür aber in manchem Lehrbuche schon den Kindern die Pflicht des Abschaffens eingeprägt. Fast alle Zeremonialgesetze sind in ihrer Form und in den lebendigen Ideen, die sie begleiten, ein Ergebniß der Geschichte, und das große Fundament dieses, uns mit der heiligen Schrift verbindenden, historischen Baues heißt Talmud. Allein der Talmud, lehrte man die Jugend, ist nicht heilig, ist kein Gesetzbuch, keine Volksschrift, kein Unterrichtsmittel; der Nutzen, den ein Theil desselben für den Gelehrten hat, beschränkt sich auf einen solchen, wie ihn die Kirchenvater haben, wobei nicht außer Acht zu lassen, wie sehr heut zu Tage die Umstände verändert sind. Einen weiten Abstand bildete folglich die Geltung der Vernunftgesetze; sie wurden eins mit Wissen, Ethik und Moral, waren natürlich auch außerhalb des Judenthums, an das sie nur ein schwacher Faden knüpfte, und zwar dort im eigentlichen Glanze zu schauen. So wurden denn einander gegenübergestellt: A) Zeremonien, d. i. das isolirte und verachtete Jüdische, mit seinen Geschichten und seinen Denkmälern; ß) Sittenlehren, an Macht und an eine Fülle des Lebens anschlagend, nur nicht von einem Interesse für das Judenthum beseelt. In der Gegenwart wie in der Geschichte angegriffen, mußte letzteres vielmehr sich gefallen lassen, daß innere und äußere Widersacher seine religiösen Vorschriften in Vergängliches und Bleibendes theilten, d. h. in Unhaltbares, was wegsallen muß, und in Leidliches, was bleiben mag. Mußte nun nicht die Negirung des Jüdischen zuerst Hand an die Bundessymbole legen? Es ist aber die Beschneidung, wie der Sabbat, eine Institution, keine bloße Zeremonie; nicht das Beschneiden, welches man Zeremonie nennen mag, sondern das vom achten Tage an Beschnittensein ist der Kern des Gebotes. Alle anderen Zermonial-Handlungen kehren im Leben vielfach wieder, und eine einzelne Unterlassung, eine Uebertretung entscheidet nicht; sie ertragen ein Mehr oder Minder, ein Nachholen, und lassen eine die Mangelhaftigkeit der Handlung ergänzende Energie der Gesinnung zu. Alles das ist unstatthaft beider Beschneidung, die von dem Augenblick an, wo sie widergesetzlich unterbleibt, eine fortwährende Uebertretung bildet. Als Zeichen der Einheit und ewigen Dauer Israels, ein sichtbarer Akt der Uebertragung und Vererbung des göttlichen Gesetzes,— entscheidet die Unterlassung desselben für das kommende Geschlecht: der aus Prinzip unbeschnitten gebliebene Sohn wird schwerlich aus Prinzip im Judenthum bleiben. Eine mit der Verläugnung des Talmud und des Messias, d. i. mit dem Ausgeben von Vergangenheit und Zukunft verbundene Abschaffung der Beschneidung schneidet das Leben des Judenthums mitten entzwei; ein Selbstmord ist keine Reform. Eben so wenig gebührt dieser Name einem Vorschläge vom neuesten Datum"), nämlich die gesammte geistige Thatigkeit des Judenthums zu verläugnen, indem das reformatorische Bestreben der Rabbinen durchaus verfehlt sei, und uns, um die Bibel für die Praxis zu erklären, auf den Standpunkt nach der Zerstörung des zweiten Tempels zurückzuversetzen; die Gesetze bestünden aus politischen und aus religiösen, und nur die letzteren dürften bleiben. Aber vor der Göttin der Geschichte, die dieser Reformator über den Gott Abraham's setzt, dürften die jüdischen Symbole nicht lange mehr Gnade finden. 3. Die jüdische Kirche. In dem alten jüdischen Staate ist kein Jude geduldet worden, der die Beschneidung muthwillig un- ®) S. Zur Judenftage, Breslau 1844, S. 165 u. ff- Z.

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