Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1844)
- Date
- 1844-07-08
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225335-3225364--06159-3314958- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
387 thodoxen Standpunkte anstrebt, welche die kleinen Schäden der Form verbessern will, ohne irgend das bestehende Gebäude anzutasten. Allerdings war die Zahl ihrer Vertreter nur gering, man zahlte drei. Tech ersetzten diese durch Entschiedenheit und Energie, was ihnen an Menge fehlte. Ihr gegenüber 2) die reformistische Partei, die ich am Liebsten die logische Partei nennen mochte, weil sie ohne Berücksichtigung der Vergangenheit, ohne Berücksichtigung der im Herzen des Volkes für die bestehenden Formen noch vorhandenen gemüthlichen Momente, ohne Berücksichtigung des Charakteristischen, nur die Idee der positiven Religion im Auge hat. Was Kritik und Vernunft bestimmen, das allein will sie gellen lasten, das allein gewinnt ihre Beachtung. Diese Partei war unstreitig die überwiegend zahlreiche in der Rabbinerversammlung. Ihr gehörten die Kritiker, ihr die Theoretiker, ihr die jüngeren an, die, ohne bedeutende praktische Erfahrung, mit Hast gegen die Wirklichkeit erfüllt sind, weil diese sich der Idee nicht fügen will. Inmitten beider befand sich in völliger Minorität das Prinzip der Vermittelung, die auf dem Boden des Geschichtlich- Entwickelten weiter bauen will, die, anerkennend das Recht des Bestehenden so wie das Recht der Idee, für die Zukunft arbeiten, aber die Vergangenheit nicht aufgeben will, die die jüdisch-religiöse Sitte, nicht, weil sie durch den Buchstaben geheiligt, sondern weil sie durch das Leben zum Boden des positiven Judenthums geworden, ehrt, und an ihre Ueberreste nicht eher Hand aulegen will, als bis ein neues Positives sich herausgearbeitet hat. Dieses Prinzip konnte sich in der ersten Rabbinerversammlung gar keine Geltung verschaffen, es sprach sich aus, aber sein Wort verhallte. Hie und da schlugen sich bei Einzelnem Einzelne zu ihm, ohne dadurch ein größeres Gewicht zu erlangen. Und das war schade, weil, wenn wir uns nicht irren, dieses das Prinzip der jüdischen Masse gegenwärtig ist, der Wunsch derer, welcbe es aufrichtig mit dem Bestände des Judenthums meinen, die da von der Auflösung aller bis jetzt gültigen Form die Auflösung der ganzen Konfession fürchten, um so mehr, da in der allgemeinen Menschheit die Partei, welche allem Positiven abgeneigt ist, immer mehr Raum gewinnt, und in diese sich leicht alle Juden verstecken können, welche nur zum christlichen Dogma sich nicht verstehen wollen. Indem es nun für die Rabbinerversammlungen noch nicht entscheidend war, welche Schattirungen in der ersten überhaupt sich überwiegend darstellten: so können wir für die folgenden aus Obigem nur den Schluß ziehen— daß nothwendiger Weise das konservative Element in den zukünftigen Rabbiner-Versammlungen verstärkt werden müsse. Von diesem Umstande allein hängt die Wirksamkeit, bängt die Autorität, hängt der Segen der Versammlungen für die nächste Zukunft ab. Es muß dies, von welcher Seite es auch sei, aller aufrichtigen Freunde des Judenthums, selbst der entgegengesetzten Partei Wunsch und Streben sein. Daß dies richtig sei, kann man daraus erkennen, daß die logische Partei selbst die Mitglieder der orthodoxen in alle Kommissionen mitgewählt hat, wodurch sie selbst zugesiand, daß für 'die Resultate der Versammlung sie allein sich nicht trauet, sondern die Mitwirkung der Gegner verlangt. Jedenfalls ist dies ein ehrenvoller Beweis für die Lauterkeit der Absichten der logischen Partei. Wir schließen hiermit unfern Bericht, indem wir bemerken, daß, sobald uns die Protokolle zugekommen sein werden, wir das Wichtigste daraus in diesen Blättern nachträglich mittheilen werden. Es ist dies uns um so nöthiger, als die Protokolle immer nur ein schwaches Abbild der Diskussion, wie sie der Sekretär iw Fluge ausgezeichnet, geben können, wir daher manchen Gegenstand weitläufiger ausführcn werden. Zeitungsnachrichten. Frankreich. Etraßburg. (Fortsetzung und Schluß des neuen Gesetzes). §. 4. Von den Notabeln. Art. 25. Es besteht für jeden Konsistorialbezirk ein Körper der Notabeln, der zu wählen hat: I) ben Konsistorialgroßrabbinen, 2) die Laienglieder des Departementalkonsiftoriums, 3) ein Lai'enmitglied des Zentralkonsistoriums, 4) zwei Abgeordnete zur Wahl des Großrabbinen des Zentralkonsistoriums, wie es Art. 42 vorgeschrieben ist. Art. 26. Zu dem Körper der Notabeln gehören die Israeliten, die 25 Jahre voll sind, und einer der folgenden Kategorien angchören: 1) die öffentlichen Beamten von der Admmiftrativabtheilung; 2) die Beamten von der Justizabtheilung; 3) die Mitglieder der Generalkonsuls, der Arrondissementskonseils und der Munizipalkonseils;