Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1844)
- Date
- 1844-07-01
- Page
- Seite 377 (sequence 9)
- Language
- German
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377 von mrs bewunderte nicht, daß der Selige, wie der ehrwürdige Redner vor mir bezeugte, die Läuterung des Gottesdienstes durch die neue Agende freiwillig unterstützte und genehmigte? Und dies Alles that der Mann, der im Schooße des strengsten Rabbinismus aufgewachsen, dessen ganze Zugendbildung noch im dritten Viertel des vorigen Jahrhunderts wurzelte, der im Meere des Talmuds bis auf den Grund gedrungen war, und wir sollten nicht ermuntert werden von seinem Beispiele? O lasset uns nicht vergebens betreten die Ruhestätte des Seligen, der bei seiner Altersschwäche noch seinen jüngeren Amtsgenoffen kräftig vorgearbeitet, — der bei dem Mangel am Lichte seines leiblichen Auges doch mit Hellem Geistesblick erkannte, was zu unsrer Zeit noth rhut. Nein! mm vhqid nistr; pan spricht die hiesige Gemeinde, „dieser Stein, den ich setze zum Grabmal, sei ein Gotteshaus," hier sei eine Statte, wo Alle, welche sie besuchen, sich von höherem Geiste angewehet fühlen; wo Allen vom stummen Grabhügel laut und mächtig gepredigt wird, für das Höhere zu arbeiten und zu kämpfen, für das Göttliche und Ewige zu leben und zu sterben. Heil darum dieser Gemeinde, die so gleichsam ein Gotteshaus hier errichtet; dieser Gemeinde, die ihre Pietät gegen den treuen Seelen Hirten so herrlich bewährt, die, wie sie aufopfernd unsre Zusammenkunft gefördert, uns auch heute hierhergeführt, zur Ehre für den Todten, zur Erweckung für die Lebendigen. Solchen Sinn aber hast du, Verklärter! dieser Gemeinde durch deine herzlichen Predigten, durch dein treues Wirken, durch dein frommes Leben, durch dein edles Beispiel eingepflanzt. Heil darum auch dir! der Segen deiner Pflanzungen, von deinem Jünger und Nachfolger treu gepflegt, wird länger als dieser Stein für dich zeugen vor dem Allmächtigen, dessen heiligen Willen du verherrlicht und geehrt hast in deinem Wirken, in deinem Dulden. Er droben, der da sprach: -ns« ■nME "O „die mich ehren, will ich ehren," ehrt dicb auch heute, daß eine so seltene Anzahl deiner Amtsbrüder verehrungsvoü bei deinen Gebeinen sich vereint. Das ahntest du nicht in deinem Leben. Nicht ahntest du auch damals, als Lu mich einsegnetest Ln's eheliche Leben, daß ich dir heute hier Worte des Segens nachseuden werde in's ewige Leben; nicht ahntest du, als du mir die Krone geistlicher Würde auf's Haupt gesetzt, daß ich an deinem Grabe die Krone geistiger Verherrlichung auf dein Haupt vor Gott erflehen werde; das aber ahntest, das hofftest du mit Zuversicht, daß groß sein werde jene Seligkeit, die der Herr aufbewahrt Allen, die ihn verehren, die ihm vertrauen (Ps. 31, 20). Deine Hoffnung wird nicht getäuscht. Seligkeit, Wonne und Frieden mit dir! Amen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Braunschweig, 23. Juni. Der „Israelit" vom 2. d. M. theilt ein Schreiben des Herrn R. Kirchheim in Frankfurt am Main mit, in welchem dieser Herr über die Unterschlagung des Grünebaumschen Gutachtens spricht und hinzufügt: „Ich finde „mich in Folge eben dieses Vorgangs zu der weitern „Erklärung genöthigt, daß mir außer den veröffent- „lichten und den in der Einleitung erwähnten Gut- „achten kein anderes zu Gesicht kam/das wir aus „irgend einem Grund ignorirt hätten." Unterzeichneter kennt nicht die geheime Geschichte dieser Gutachten-Sammlung, fühlt aber der Wahrheit zu Liebe sich gedrungen zu erklären, daß auch er auf Ansuchen des hochwürdigen Rabbinats zu Frankfurt am Main ein Gutachten, und zwar schon am 12. August v. I. demselben cingesandt, es aber weder in der Sammlung abgedruckt, noch in der Einleitung erwähnt gesunden habe. Da es von den in der Sammlung enthaltenen in einigen wesentlichen Punkten abweicht, so erlaube ich mir, es hiermit zu veröffentlichen, bitte aber den geehrten Leser, zwei Dinge nicht aus dem Auge zu verlieren, 1) daß mein Gutachten den 10. August v. I. abgcfaßt wurde, zu welcher Zeit mir über den Reformverein noch weiter nichts bekannt war als was dunkele Gerüchte und das Sendschreiben des Frankfurter Rabbinats mir hinterbracht hatten; 2) daß ich in meinem Gutachten darum gar nicht auf die Verbindlichkeit des Bcschneidungsgesetzes einging, weil ich dieselbe für erhaben über jeden Zweifel halte, und auch der hochwürdige Konsulent hierüber keine Frage vorgelegt hatte. vr. Herzfeld, Braunschw. Landesrabbiner. Das von Sr. Hochwürden dem Oberrabbinen zu Frankfurt am Main, Herrn Salomon Trier, den Rabbinen, „deren Herz es halte mit Gott und seiner Lehre," abverlangte Gutachten soll dem Verlangen gemäß über zwei Punkte sich verbreiten, darüber 27°