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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-07-01 · Heft 27 (1.7.1844) · p. Seite 371

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 27 (1.7.1844)
Date
1844-07-01
Page
Seite 371 (sequence 3)
Language
German
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371 den baierschen RabbLnen, als sie Urlaub gefordert, dieser weder gegeben, noch verweigert — wahrscheinlich weil es zu spät geschehen — so daß von diesen Keiner kam — dennoch waren 25 Männer versammelt, nämlich: Mayer, Holdheim, Salomon, Goldmann, Formstecher, S. Hirsch, Herzfeldt, Schott, Fcankfurther, Klein, Heß, Sobernheim, Kahn, Wechsler, Geiger, Zolowicz, Bodenheimer, Ben-Israel, Herxheimer, S. Adler, A. Adler, Hoffmann, Heidenherm, Edler, Philippson. Diese hatten das Opfer an Zeit, Kraft und Geld gebracht, um für das allgemeine Heil unsrer Sache zusammen zu berathen und zu wirken. Die meisten waren von weiter Ferne, stehen Ln sehr geringem Gehalte, so daß das Opfer sehr hoch anznschlagen ist. Sie versammelten sich nicht auf Befehl irgend einer Behörde, auf den Ruf irgend eines bedeutenden äußern Einflusses, sondern aus freiem Willen, ohne Aussicht auf einen äußern Lohn, ja sogar trotz gewisser Verdächtigungen/ Diese Männer, von denen die überwiegende Mehrzahl nie der Diskussion irgend eines Kollegs, irgend einer Ständeversammlung beigewohnt, darum auch nie bei einer öffentlichen Debatte mitgewirkt hat, unterhalten acht Tage lang die interessantesten Debatten über die schwierigsten Gegenstände, ohne Stocken, nur mit sehr wenigen geringen Fehltritten, ohne irgend in Persönlichkeiten und Zwistigkeiten zu gerathen, mit Entwickelung so großer Gabe freier Rede, so bedeutender parlamentarischer Talente, daß diese Erscheinung in ihrer Gesammtheit nur Bewunderung erregen muß. Unter diesen 25 Männern zeigten mindestens neun ein ausgezeichnetes Rednertalent, acht sprachen wirklich gut, drei drückten sich geläufig aus, und nur fünfen mußte man die Gabe, sich frei auszusprechen, absprechen: ein Resultat, was, bei dem Mangel an Gelegenheit sich im freien Reden zu üben, gewiß höchst überraschend ist. Deshalb war auch das Interesse des Publikums au den Debatten stets im Steigen, der Raum von Zuhörern stets überfüllt, so daß er in den letzten Tagen kaum noch genügte. Was nun die Rabbinerversammlung am meisten ehrt, ist, daß sie, ihre Stellung sofort begreifend, die Oeffentlichkeit der Sitzungen beschloß. Sie war sich der Uebelpände, die daraus entständen, wohl bewußt, und mehre stellten sich noch im Laufe der Versammlungen heraus, allein die Vortheile überwogen doch die Rachtheile bedeutend, ja es war am Ende Nothwendigkeit und Lebensfrage. Verbindet man hiermit nun dennoch die Furchtlosigkeit, den Muth, mit welchem ein Jeder in der Versammlung seine Meinung, seine Ueberzeugung ohne Rückhalt aussprach, und dies in einer Zeit, wo die Richtungen noch in so schwerem Kampfe begriffen sind, und so vielen Einfluß auf die äußeren Verhältnisse noch haben: so wird man die Versammlung von dieser Seite nur als eine höchst würdige und Achtung gebietende bezeichnen können. Rach außen hin mußte daher die Versammlung einen merkwürdigen Eindruck machen. Während der Christ sonst den jüdischen Geistlichen, der sich an seinem Orte auszeichnet, für eine rühmliche Ausnahme anfieht, erblickte er hier eine solche Anzahl tüchtiger jüdischer Theologen, daß er sich den Höhengrad nicht verleugnen konnte, den die jüdische Theologie Ln der neuesten Zeit allgemein eingenommen. IH. D ie Resultate. Bei Beurtheilung der Resultate darf man die Jugend des Instituts nicht vergessen, namentlich den Umstand, daß man das erste Mal sich des gemeinsamen Zieles und Zweckes, so wie der Mittel, die dahin führen, noch gar nicht bewußt sein konnte, ja, daß die Meisten hinkamen, ohne nur im Geringsten zu wissen, was daselbst vorgenommen werden würde. Ein nicht unbedeutendes Resultat, das einerseits in der Annäherung der Persönlichkeiten, andrerseits in dem Bewußtwerdeu als ein gemeinsamer Körper, Ln der Vereinigung der vereinzelten Kräfte besteht, kann nur eben hingestellt werden. Vielleicht daß durch das wiederholte Auseinandertreffen jene erbärmliche Schmähsucht, die sich an verschiedenen Stellen der jüdischen Literatur so breit und bemerklich macht, schwindet, oder dockr in ihrer ganzen Nichtswürdigkeit fühlbar wird. Ist es unser Streben, uns, unsrer Theologie und Literatur Achtung zu gewinnen: so muß nothwendig in Zukunft ein Hauptaugenmerk sein, diesen Auswuchs mit allen Mitteln auszumerzen; und da die erste Rabbinerversammlung in der Urbanität wirklich ein Muster war, und bei aller Divergenz der feinste Anstand höchst selten überschritten ward, so kann man sich guten Erfolg daraus versprechen. Doch gehen wir auf die wirklichen Resultate der Berathungen über, so sind sie der Art, daß man, die Resultate als solche allein in's Auge gefaßt, sehr zufrieden sein kann, ja von Seiten aller Parteien. Die Resultate sind: 1) Die Ausarbeitung -er Statuten.

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