Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1844)
- Date
- 1844-07-01
- Page
- Seite 370 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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370 sammlung eben nichts war als die erste, als der Anfang eines neuen Instituts, das erst gepflegt sein will, das erst wachsen und gedeihen muß, so daß selbst das Urthcil über die erste Rabbinerversammlung noch nicht das über das ganze Institut, welches an Inhalt und Richtung noch ein ganz andres werden wird und muß, sein kann. Wir gehen, um ein vollständiges Bild zn geben, so zu Werke, daß unsere Schilderung sich von außen nach innen bewege. I. Das äußere Arrangement. Wir freuen uns, hier sofort auf etwas so Vollendetes und Freundliches zu stoßen, daß der Hauch der Liebe und des Friedens uns wohlthueud entgegenweht. Die Braunschweiger Gemeinde hatte aus ihrer Mitte ein Komittdelegirt, bestehend aus den Herren: Landesrabbinen Dr. Herzfeldt, Hofbanquier Nathalion, S. Iüdel, Hitzheimer, Dr. jur. Aronbeim, M. Meyer und A. Marcus. Mit einer wahrhaften Hingebung hat dasselbe diesem Zwecke in einem Maße Genüge gethan, daß ihm ein Ehrendenkmal in den Herzen aller Theilnehmer errichtet worden ist. So wie ein Geistlicher anlangte, wurde er vom Komitä empfangen, und in seine gastlich bereitete Wohnung bei einer der jüdischen Familien Braunschwergs geführt. Hier war Alles zum besten Komfort bereitet, und mit einer Freundlichkeit und Wärme, daß ein Jeder sich vollkommen zu Hause fühlte. Für die Versammlungen selbst war ein großartiges Lokal besorgt; an einander stoßend waren der Versammlungs- und Sprechsaal, der Sitzungssaal und der Speisesaal mit allem Notlügen versehen. Der Sitzungssaal, ein großes, akustisch vortheilhaftes Quadrat, enthielt eine Tribüne, vor der der grüne Tisch des Präsidenten und Sekretärs stand; um diesen zog sich ein Halbkreis von Tischen und Sesseln, wo die Geistlichen saßen, mit Schreibmaterialien versehen. Hinter diesem standen Reihen von Stühlen für die Zuhörer. Kronleuchter und silberne Leuchter mit Wachslichtern dienten zur Beleuchtung am Abend. Ter Speisesaal, wo die Geistlichen gemeinschaftlich aßen, war mit den schönsten Porzellanaufsätzen und Blumenvasen verziert. Tas Kvmitö verließ von früh bis spät die Bersamm« lung nicht, um auch dem geringsten Wunsche entgegenzukommen; es hatte für genügende Bedienung gesorgt. Am zweiten Nachmittage führte das Komitö die Versammlung nach Wolffenbüttel, wo zuerst unter gütiger Leitung des Herrn Stadtdirektors Bode die Merkwürdigkeiten der alten, reichen Bibliothek in Augenschein genommen, die Sqmfyn'sche Anstalt besucht, und dann im Cafe ttirque in der reizendsten Gegend Erfrischungen aller Art geboten wurden. Ein Extrazug führte nach Braunschweig zurück. Am Sabbat Vormittag fand ein feierlicher Gottesdienst statt, bei welchem Dr. Herzfeldt die Predigt hielt, und man, so weit es anging, die Rabbinen mit Berufung zur Tora beehrte; Nachmittag nach dem Gottesdienste wurden sie vom Komito nach dem Herzog!. Museum geführt. Am Sonntag früh fuhren die versammelten Geistlichen nach dem Gottesacker der Gemeinde, um der Enthüllung des von der Gemeinde dem sel. Landrabbinen Eg er gesetzten Leichenstcines eine würdige Feier zu bereiten, Dr. Herzfeldt als Ortsgeistlicher und Schüler des sel. Eger, und Dr. Herrheimer als Verwandter hielten angemeffne Reden. Die Feier dauerte bis 10 Uhr, wo die Sitzungen wieder eröffnet wurden. Am Dienstag Abend hatte die Gemeinde der Rabbinerversammtung ein solennes Festmahl bereitet, wozu, da viele Gaste sich fanden, der Sitzungssaal geräumt worden. Wahrhaft feenhaft war die Einrichtung. Blumenguirtanden umgaben die Tribüne, Orangerie stand ans den Stufen in Fülle, ein Lichtmeer erhellte den Saal. Speisen, Erfrischungen, Wein in vorzüglichster Qualität. Den ersten Toast auf des Herzogs Durchlaucht hatte der Kirchenrath Meyer, den zweiten auf das Hohr Staatsministerium der Dr. Philippson, den dritten auf Stadt und Magistrat der Dr. Salomon, den vierten auf die Rabbinerversammlung der Gemeindevorsteher Helfft auszubringen, worauf eine Menge freundschaftlicher Toaste felgten. Das schöne Fest ward auch nicht durch den geringsten Umstand gestört, und endete in völliger Befriedigung. Als am Donnerstage die meisten Geistlichen wieder abreisten, fanden sich die Herren vom Konnte noch auf dem Bahnhöfe ein, um freundliches Lebewohl zu sagen. Außer dem eben Beschriebenen hatten die einzelnen Herren vom Konnte noch kleinere Reunions auf ihren Garten Wohnungen veranstaltet. Es war eine vollendete Fürsorge, die uns empfing, und die nicht endete, bis wir Braunschweig verließen. II. Die Erscheinung. Als Erscheinung war die erste Rabbinerversammlung unstreitig das eminenteste, was das Judenthum seit langer Zeit aufzuweisen. Zwar waren von denen, die ihre Zusage gegeben, mehre ausgeblieben; namentlich war