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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-06-24 · Heft 26 (24.6.1844) · p. Seite 365

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 26 (24.6.1844)
Date
1844-06-24
Page
Seite 365 (sequence 13)
Language
German
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365 licher für sie und unsere Gemeinde ist — dem Aklienhandel zugewendet; die Anderen, die Vas Bessere wollten, die mit edler Uneigennützigkeit, mit Geldkosten und Zeitaufwand die Bildung zu befördern und den wahren Glauben zu retten strebten, und die — man muß es zu ihrem Lobe eingestehen — niemals in der Vertheidigüng gegen ihre Gegner die Grenzen des Anständigen und Sittlichen überschritten, sind in ihren Bestrebungen fortwährend unermüdlich, und kümmern sich wenig um die sogenannten Frommen, die zwar verbissen und rachclustig von der Ferne zuschauen, aber keine Jntriguen und Verläumdungen zur Unterdrückung mehr heroerzusuchen und anzuwendcn wagen. Es ist eine wahre Seelenfreude für jeden frommbegeisterten Freund des Fortschritts dem stillen aber frischen, ruhigen aber durchseelten Leben de: hiesigen Gemeinde zuzuschen, wie sie ohne Geräusch ein sich selbst bewußtes Ziel zu erstreben sucht. So können' wir denn einer bessern Zukunft entgegenhoffen, die Ruhe ist wiedergekehrt und wir dürfen des Glückes gewärtig sein, das ihr stets zu folgen pflegt. Wir dürfen eine Zeit erwarten, eine glückliche goldne Zeit, wie wir sie nimmer gehabt; denn wol waren Ruhe und Frieden auch ehedem die Zierde unserer Gemeinde, aber es war nicht die Ruhe des selbstbewußten, kraftigpulsirenden Lebens, die Ruhe eines behaglichen Wohlbefindens; nein, es war die trage, faule, hinsterbende Ruhe, die in ihrer ewigen Schlafsucht der Zeit und ihrer Anforderungen vergißt. Und fragt man nach der Ursache dieser wohlthätigen Veränderung, so können wir in der That als die erste und kräftigste nur das Wirken unseres würdigen Oberhauptes, des Rabbiners ör. Geiger angeben. Unendlich waren die Schwierigkeiten, die dieser Mann zur Erlangung des preußischen Staatsbürgerrechts zu überwinden, zahllos die Hindernisse, die das Obervorsteher-Kollegium aus dem Wege zu räumen hatte. Dank sei es der Vorsehung, Dank dem edlen Eifer des hiesigen Vorstandes, daß diese Angelegenheit zu Gunsten der 'Aufklärung und des Fortschritts entschieden wurde. Wäre Geiger nicht der Mann mit hoher Thatkrast und Geistesklarheit, mit festem Willen und unveränderlichen Grundsätzen, wäre er nicht der Mann mit der freien heitern Stirn und dem festen ruhigen Blick, der keck und unverholen dem Gegner in's Auge schaut — er wäre längst ein Opfer der niederträchtigsten Anfeindungen geworden. Aber er hatte einen bessern edlern Zweck im Auge, als seinen geistesschwachen Gegnern auf dem Felde der Oeffcntlichkeit zu begegnen. Niemals berücksichtigte er Schmähartikel und Schimpfbcrichtc, für die ein jüdisches Organ sich bereit und willig hergab; nur wenn die Gemeinde in ihm angegriffen, wenn seine Ehre vor der Ocffentlichkeit gebrandmarkt wurde, da ergriff er seine doppelschncidigc Feder, die ihm schon manchen Sieg errungen, um die hohlen und plauderhaften Zungen zum Schweigen zu bringen. Die hiesige Gemeinde an die ersten Gemeinden Jsrael's würdig anzureihen, ihr ein freies, reges, selbstbewußtes Leben einzuhauchen, war sein eifrigstes Bemühen, sein unermüdliches Streben. Auf der Kanzel und in geselligen Kreisen, bei frohen Versammlungen und ernsten Bcrathungen war sein gerüstetes Wort eindringlich an die Gemülher derer gerichtet, die ihn hören und verstehen wollten. So wirkte G. in der ersten Zeit seines Hierseins einzig und allein durch seine gottesdienstlichen Vorträge, die er — unbekümmert um Kabinetsordres und Ministerialreskripte — regelmäßig hielt. Es ist wahr, diese Vorträge sind nicht selten gehaltlos, aber immer warm und lebendig, immer innig und frisch strömen ihm die Worte aus dem reichen Fond seines Herzens zu, so daß die Zuhörer immer erwärmt und befriedigt das Gotteshaus verlassen. Verbesserungen im Gottesdienst nahm er anfangs nicht vor, nicht die geringste Abänderung geschah, und er selbst wohnte beinah ein halbes Jahr dem Gottesdienste bei, ohne daß das lärmende Gebehrden, die geräuschvolle Unordnung abgeschafft, und geregelter Chorgcsang und gehörige Ordnung eingesetzt worden wäre. Während daher die Bcssergesinnten ihn der Bequemlichkeit und lästigen Ruhe beschuldigten, während sogar auswärtige Eindringlinge in die hiesigen Angelegenheiten zu behaupten sich nicht scheuten, daß G. eben so wenig als sein Vorgänger an dem Seelenheil der Gemeinde arbeite, daß er vielmehr der Behaglichkeit und dem Wohlleben sich hingebe, klagten andrerseits die Frommen mit lauter Stimme über den Verfall der Religion, den l>r. G. muthwillig herbeiführe, beschuldigte man ihn andrerseits, daß er an das alte ehrwürdige Gebäude des Judenthums seine frevelhaften Hände lege, und mit den kleinen Verzierungen und Schnitzeleien das Gebäude selbst vertilgen wolle.

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