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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-06-24 · Heft 26 (24.6.1844) · p. Seite 364

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 26 (24.6.1844)
Date
1844-06-24
Page
Seite 364 (sequence 12)
Language
German
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364 sie daß, worum sich die schweren Fragen des Tages drehen, zu leicht genommen hätte, sie ist der Wichtigkeit des Kampfpreises sich stets bewußt geblieben, auch nicht weil sie sich selbstisch trennte von den Interessen ihrer auswärtigen Schwestern, sondern einzig und allein, weil ein Mann in ibrer Mitte lebte und an ihrer Spitze stand, der von Gott hingestellt war, mit geschickter Pilotenhand das ihm anvertrauete Schiff durch die Brandung heimeinzufübrcn in den sichern Hafen. Er kannte das Judentbum und seinen ewigen Werth und seine unverlöschliche Größe, er hing an ihm mit allen Fasern seines Herzens, und darum hatte sein Wort guten Klang in den Ohren unserer Glaubensbrüder nah und fern. Von ihm darf ich sagen in den Worten jener weisen Frau in der Schrift: "pi iV'SttS*' biaa man fragte ihn, dann war's zu Ende. Aber er kannte auch das Streben und Wünschen de§ jünger» Geschlechts, er erkannte zum Theil, was gut darin sei, und wies es nicht von der Hand, und that mehr dafür als je Einer ans der alten Schule. Als z. B. darum gestritten wurde, ob die religiöse Einweihung der jüdischen Knaben eine leere Formel bleibe» solle oder ein Akt werden müsse, der die Seele ergreift, da vollzog er diese Weihung mit edler Patriarchenwürde, und die Frage war entschieden in diesen Theilen des Vaterlandes. Als darum gestritten wurde, ob das weibliche Geschlecht daran Theil nehmen müsse oder bleiben solle, was es ehedem war, fern allezeit dem Altar des Herrn: da war er unter den Ersten, welche dieses auf Religiosität so einflußreiche Geschlecht lossprachen von der geistigen Knechtschaft des Morgenlandes, und nach ihm wurde die Frage nicht mehr erhoben; die späten Triumphe m nachfolgenden Gemeinden sind mit sein Werk, wenn auch nicht seiner dabei gedacht wird. Als vor einigen Jahren das deutsche Israel in Gefahr stand, in zwei Lager sich zu theilen wegen Abänderungen im Gebetbuche, da war er es, welcher mir rühmlichem Beispiel heraustrat, und nach ihm wagte Keiner mehr, die Läuterung unseres Gottesdienstes als unfromm zu verschreien. Vielleicht ist es nicht unpassend, wenn ich hier, Angesichts meiner geliebten Gemeinde und im Angesicht so vieler verehrungswürdiger Amtsbrüder ein nachträgliches Zeugniß ablege. Ich bin von einigen Seiten her angeklagt werden, unsere Agende für das Werk des hier Ruhenden ausgegeben zu haben, da sie doch nur mein Werk gewesen sei. Ich bezeuge hier vor Gott und neben der Ajche meines verewigten Lehrers, daß ich noch unmittelbar vor deren Bestätigung ihm sagte, er möge diesen Schritt unterlassen, wenn er über ihn nicht ganz einig mit sich sei, und er that ihn, allerdings nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf die Vorstellung seiner guten Folgen und der übelen Folgen seiner Unterlassung, aber freiwillig und unberedet, und war froh und glücklich, als die guten Folgen seines muthigen Schrittes so bald sich heraussiellten. Und um die Vergangenheit zurücktreten zu lassen: dieser Gemeinde ist die hohe Ehre zu Theil geworden, die Vertreter unserer religiösen Interessen zum ersten Mate in ihrer Mitte versammelt zu sehen. Dies wäre nicht geschehen, wenn nicht diese Gemeinde günstig dem Fortschritt in allem Guten wäre': wem hat sie für diese Ehre den Dank zu entrichten? gewiß nicht meiner anderthalbjährigen Amtsführung; aber der Boden, welchen dieser Mann lauge durchgepflügt hat, ist brauchbar befunden worden, daß diese hochehrwürdigen Männer auf ihn wandeln diese — nur zu kurze Zelt, und wenn der Name dieser Gemeinde nicht wird wieder ausgelöscht werden können aus der jüdischen Religionsgeschichte, so hat der Mann im Grabe hier Ihnen das vorbereitet, meine Gemeinde. So wiederhole ich denn auf ihn die Worte des Daniel, welche wir gestern betrachteten: Tpnr -in “ino. Zeitungsnachrichten. Preußen. Breslna, 26. Mai. (Prioatmitth.) Wenn man bedenkt wie noch vor sehr kurzer Zeit die Fackel der Zwietracht in unserer Mitte loderte, und jedes gesunde Emporschießen, jeden reinen Fortschritt zu verhindern drohte; wenn man bedenkt wie fast in allen Gemeinden Jsrael's Klagen laut wurden über die geistige Zerrissenheit in hiesiger Judengemeinde, so daß Berufene und Unberufene sich veranlaßt fühlten ihre tadelnde Stimme gegen uns zu erheben, und Rabbiner von ihren hohen Richterstühlen herab Bannstrahlen gegen die eine oder die andere Partei zu schleudern wagten: so muß man in der That mit Bewunderung die plötzlich cingetretene Ruhe und Behaglichkeit in unserer Gemeinde wahrnehmen. Die Einen, die früher mit beispielloser Wuth dem Fortschritt sich hindernd in den Weg warfen, sind entweder schon zur bessern Einsicht und Ueberzeugung gelangt, oder haben ihren thörichten Eifer den religiösen Dingen entzogen und ihn — was weit ersprieß-

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