Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1844)
- Date
- 1844-06-24
- Page
- Seite 362 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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362 Rückkehr zum Alten, die kommen werde, oder mit dem mißverstandenen Ausdrucke des Jesajas, daß wenn auch nur der zehnte Theil übrig bleibe, der Herr dennoch sein Gottesreich herbeiführen werde? Nicht so, auch die der neuen Richtung Angehörigen sind seiner Obhut anvertrauct, und er muß sie einst dem Herrn vollzählig zurückliefern, wie der Hirt der Herde. Oder soll er Ln feiger Verzweiflung die Alten verlassen, deren Reihen sich lichten, und mit dem jüngern Gcschlechte den Götzen des Tages nachlaufen? Fern sei das! Oder soll er ohne Halt in der Mitte schweben zwischen Beiden, bald den Einen Recht geben und bald den Anderen, diesen heucheln und jenen schmeichelnd das kann nur der völlig gesinnungslose Mann, dem es nicht Ernst ist mit der Religion, der sie für sich nur gebraucht zum in '-pr.nb zur Sichel für eigene Ernte; er wird vielleicht auf einige Zeit den Riß verdeckt halten, der überall uns in Israel entgegengähnt, aber nicht der heilet ihn, der ihn verdeckt, sondern wer daran gehet, theils die schroffen Ränder der Kluft abzutragen, theils aus dem Abgrund einen festen Boden heraufzubeschwören, der beide Ränder verbinde. Dies kann nur, glaube ich , wer in den Riß hineintritt. Freilich wird ein Solcher ebenfalls scheinen in der Mitte zu stehen zwischen Alt und Neu, aber er wird nicht ins Bodenlose hinabsinken, das, worauf er fußt, ist die eigene religiöse Ueberzeugung; er muß nicht erst sich Ln die Mitte stellen, er selbst gesinnungslos, und kalt wie ein Schiedsmann, der die Angelegenheit Fremder zum Vergleiche führt, sondern von Hause aus der Mann der Mitte sein, nicht dem Neuen zugethan, weit es an der Tagesordnung ist, sondern weil in ihm ein tüchtiges Element waltet, das zum Durchbruche drängt, auch nicht noch am Alten hangend, um nicht für neuerungssüchtig zu gelten, sondern weil in dem Alten noch sehr Vieles ist, was Erhaltung verdienet. Wer aber aus eigener Ueberzeugung der Mitte angehört', der wird nicht um die Gunst der Alten buhlen und nicht um die Gunst der Neuen,' er wird seine eigene Ueberzeugung predigen, und somit auf festem Bodeu stehend, wird er unberücksichtigt lassen dürfen die Aeußersten zu beiden Seiten, die sowol, welche aus Unkenntniß dem jungen Drange allen Werth absprechen, wie diejenigen, welche der Mode zu Liebe alles Alte fortschaffen möchten, er wird sich dafür an der breiten Mitte halten, die vielen gesunden Sinn bewahrt, er wird forschen, was der Mehrzahl fromme, er wird immer bedenken, daß der Geistliche des Volkes Geistlicher ist, und sobald seine Lehre für das Volk ungenießbar wird, er eigentlich ganz außerhalb seiner Sphäre stehet, mit Einem Worte, er wird trmrr sein, er wird die Vielen gerecht zu machen suchen, indem er die D*^, die Mehrzahl berücksichtigt und ihr ehrliches Streben. Wer die neue, gesunde Wendung der Dinge schmähet und in dem jetzigen Judenthume nichts als Zerrüttung und Auflösung siehet, der freilich wird den kleinen Rest der Altgläubigen als den Kern Israels ansehen, aber er ist kein 2^22 er ist ein 2^22 2^272, er verurtbeilt die überwiegende Mehrzahl, wogegen 2^22 die - sind, welche sagen, die Masse des Volkes ist noch gesund, aber in Gefahr, und damit sie gesund bleibe, eutgegenkommen ihren zeitigen Religionsbedürfnissen, entfernend Alles, was unserem heutigen Gefühl widerstrebt oder es beleidigt, schaffend dagegen, was unsere Zeit, unsere Weltanschauung, unsere Bildung.fordert. Aber dies Alles nur nicht buntscheckig, hier so gestaltet, dort anders, hier das Element überwiegen lassend, dort jenes; das neu sich gesialtenoe Israel muß aus seiner Zerfattenheit heraus, aus seiner jetzigen Vielgestalt heraus wieder nach Einheit streben, nach einer neuen Form zwar, aber einer möglichst allgemeinen Form ringen, damit es wieder Zusammenhalte wie das alte Israel auf unberechenbare Zeit hinaus, und hier sind wir da angelangt, wo, ich denke es, diese ehrwürdige Versammlung stehet, der ich keinen lreffenderu biblischen Namen zu geben weiß als den Daliiet'schcn Ausdruck 2“'22 Ich gehe zur zweiten Frage über, kann aber über dieselbe wich viel kürzer fassen. Was nämlich verheißt nun Daniel den 2^22772 und den 2^2272? nicht Lohn, wann hätten den Kämpfer für Licht und Frömmigkeit, oder wann hätten die Annehmer des Volkes den jemals gefunden? Von jenen Zeiten an, da Jesajas das Streben des.'n 2 22 beschrieb in Daniel'schen Worten: p'22P ^222 p^2£ mein frommer Knecht wird gerecht machen die Vielen, dann aber fortfuhr und beschrieb den Schmerzenslohn, welcher dafür dem 'n 222 zn Theil wurde, von damals an bis aus unfern Tag ist der Lohn jeder ähnlichen Bestrebung der nämliche gewesen, Verkennung, Verketzerung, oft Verfolgung. Auch diese Versammlung wird nicht unberührt davon bleiben, und ihr Streben gemißdeutet und gelästert werden; und was ich hier sage, ist keine Prophezeiung, sondern Erzählung, schon im Voraus hat die Hyder ihr Haupt erhoben, gegen sie Gift auszuspritzen, aber wer sich des guten Willens bewußt ist, bleibt unverzagt, und tröstet sich mit der gottseligen Wirkung, die nicht ausbleiben kann. In seiner Wirksamkeit muß der fromme Mann seinen Lohn finden, so verheißt