Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1844)
- Date
- 1844-06-24
- Page
- Seite 360 (sequence 8)
- Language
- German
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360 von welchen ich gelernt habe. Meine Absicht mit diesem Vortrage ist keine andere als unter freudigem Hinblick auf diese meine Amtsbrüder meiner Gemeinde und mir selbst wieder einmal zu entwickeln, welcher Art ein wahrer Lehrer in Israel sein müsse. Zum biblischen Wegweiser bei dieser Betrachtung wähle ich aus dem Buche Daniel den dritten Vers des zwölften Kapitels, welcher also lautet: die Einsichtsvollen werden glänzen wie der Glanz des Himmels, W übi?b tmss und die, welche Viele gerecht machen, wie die Sterne immer und ewig. Ich finde in diesen Worten Antwort auf zwei Fragen, deren erste ist: wen hielt Daniel seines Lobes würdig? und die zweite: was ist der eigentliche Inhalt des Lobes, dessen er sie würdig hielt? Diesem zufolge zerfällt mein Thema in zweiTheile. Die erste Frage war: wen hielt Daniel seines Lobes würdigt Die 0^*012772 und die ^N272, wer sind, diese beiden Arten? Ich betrachte zuerst die Daß b *012572 den Einsichtsvollen bedeute, lehret die ganze heilige Schrift; in Daniels eigenthümlicher Ausdrucksweise voll prophetischer Tiefe hat aber dieses Wort noch eine Nebenbedeutung, er verknüpft damit den Sinn des Frommen, einige Verse weiter stellet er die tPb*oi25 72 den ü'Wn gegenüber, er halt also in den ü^btaiöw seines Lobes diejenigen werth, welche Einsicht und Frömmigkeit verbinden. Meine andächtigen Zuhörer, so sind wir denn gleich durch das erste Wort unseres Textes hineingerissen in den Mittelpunkt dessen, um was in unseren Tagen der Streit am heftigsten lärmt, in die Feststellung des Verhältnisses der Einsicht zur Frömmigkeit. Seine geistige Anschauung ist das eigenste Eigenthum jedes Menschen, sowie ohne Ausnahme Jeder von einem besonderen Gesichtspunkte aus die Welt betrachtet, so muß auch jedes Menschen Ansicht von derselben verschieden sein von den Ansichten aller Nebenmenschen über sie. Hiernach giebt es im Grunde eben soviel Anschauungsweisen wie Menschen. Nun finden sich aber in verwandten Geistern verwandte Anschauungen, es bilden sich Geistesrichtungen aus; lassen wir ihre schwächeren Schattirungen nicht unberücksichtigt, so stellen sich zwei Richtungen heraus als die vorherrschenden, die eine, in welcher der Kopf, die andere, in welcher das Gemüth die Herrschaft hat. Was wird sich auf religiösem Gebiete zeigen in Folge dieser Theilung? wir brauchen nicht weit danach zu suchen, die Gegenwart liefert uns die lebenden Bilder beider Gattungen: da finden wir Kopf ohne Herz, Verstand ohne Gemüth, Einsicht ohne Frömmigkeit, dort finden wir das gerade Gegentheil von diesem Allen. Wie steht es um diese halben Menschen? Kopf ohne Herz, Verstand ohne Gemüth, hier haben Sie in zwei Worten die Schilderung eines großen Theites der Menschen in Israel und außerhalb desselben. Das Leben eines Solchen ist ein kaltes, freudenleeres, armes, bemitleidenswerthes Leben. Kalt und matt, denn was giebt uns Wärme und Spannkraft? der Kopf kann dies nicht, und was aus dem Kopfe kommt, was aus der Werkstatt des Verstandes hervorgegangen ist, kann dies nicht. Der Verstand kann prüfen, urtheilen, auswählen, verwerfen, aber er kann uns nicht die Lebendigkeit des Willens geben, der uns durchglühen muß für alles Schöne und Gute; der Verstand kann einsehen, was recht ist, aber nicht es vollziehen, dazu bedarfs noch einer ganz andern Kraft, des Geistes. Der Verstand für sich läßt freudenleer, fügte ich hinzu; was unser Herz erfreuet, was unser Herz beseligt in erlesenen Augenblicken, das kommt nicht von dem Verstände, er sitzt im einsamen Kämmerlein unseres Hauptes und beobachtet, und sieht außerhalb dessen, was das Leben mächtig ergreift. Arm nannte ich ihn, denn wie dürftig ist die Ausbeute Eines, der berechnet da wo Andere fühlen, und kaltblütig verwirft da wo Andere mit Feuer umfassen das, was ihnen theuer ist. Er ist bemitleidenswerth, nichts erwärmt'ihn, nichts erfreuet ihn, nichts besitzt er, er geht leer ans bei aller Fülle um ihn her. So schon in weltlichen Dingen, um wieviel mehr in religiösen. Folg' nur einzig und allein deinem Verstände, läugne Alles rund ab, was du nicht handgreiflich beweisen kannst, jage allen höheren Trost von dir, um diesem leidigen Tröster zu lauschen, steige auf zu keiner Höhe als auf die Sandhügel, die er dir zusammenwehet, bezweifele jede erhebende geschichtliche Erinnerung, verwirf jeden gemüthlichen Ge-, brauch, der deinen Vätern heilig war und der deine Jugend, deine Kindheit mit hat vergolden helfen, das alles thue, dann sieh' zu, ob du etwas Warmes, Frisches, Freudiges noch übrig behältst, oder ob du nicht bemitleidenswerth und arm dastehest, dein einziger Besitz eine Geisiesrichtung, die dich elend macht. Aber wie steht es um die entgegengesetzte Richtung, dessen nämlich, der das Herz aber uicht den Kopf anbauen, Gemüth aber nicht Vernunft, Frömmigkeit aber nicht Einsicht haben will? Auch nicht gut, werden wir antworten anüssen. Ein Solcher wird schwärmen, taumeln, aber uicht gehen, er wird in Jrrthümer gerathen und sie liebgewiunen, denn auch das Herz hat seine Irrgänge, b372 nbn aip* krümmer als Alles ist das Herz,