Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1844)
- Date
- 1844-06-17
- Page
- Seite 349 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225335-3225361--06118-3314914- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
349 glänzenden Aeuglein, theils unter der Menge zerstreuet, theils an der Tafel sitzend erkennen, und jetzt wurde noch manches Blümchen ausgestreut, manches Stück Knoblauch dem hörenden Pöbel unter die Nase gerieben, und siehe da! Wunder über alle Wunder! Das große Werk ist gelungen; die Geschichte der Menschheit ist um eine große That reicher geworden; die Menschen haben gethan was sie sollen, sie sind dem Gotte der Duldung und der Liebe sehr nahe gekommen; ja, ja, freilich, die Brut stößt zurück, wo Gott aufnimmt, sie unterfängt sich zu hassen, wo Gott liebt! — Und doch geht nicht Alles seinen frohen Gang, pflanzt nicht das Krüppelgeschlecht ob des Falles eines so schwachen Feindes jauchzend allenthalben die Siegesfähnlein auf, und geht nicht schon ein Korrespondent der „A. Allg. Zeitung" hin, und ruft triumphirend aus: „die Juden haben eine Niederlage erlitten"?! Zu dieser reinen Darlegung der Sache müssen wir im Interesse der Wahrheit, da wir am wenigsten gewillt sind, in allen Fällen die Schuld von unseren eignen Schultern abzuwälzcn, erinnernd hinzufügen, daß der Unverstand und die Taktlosigkeit die aus unserer eigenen Mitte heraus sich in die Oeffentlichkeit Bahn brach, auch nicht wenig zu der Lauheit und Kalte beitrug, mit welcher in letzter Zeit unsere Sache behandelt wurde.. Wenn wir schnell, mit bemitleidendem Blick auf einige unserer noch nicht zur wahren Vernunftreise gediehenen Brüder, über Manifestationen hinwegschlüpfen, die der Rarität und der Jsolirtheit der Gesinnung wegen augenblickliches Ueberraschen Hervorbringen, aber keinen bleibenden Eindruck zurücklassen konnten, so müssen wir um so eher, den Mund voll Rüge, bei einem die Intelligenz unter uns repräsentiren wollenden Körper stehen bleiben, der eine viel größere, und — weil von ihm ausgegangene — unverzeihlichere Unüberlegtheit sich zu Schulden kommen ließ. Wenn wir davon schweigen, daß das Verlangen der jüdischen Aerzte mit den Honoratioren in den Komitaten Stimmrecht zu erlangen , aus dem Grunde ein.Ueberflüssiges oder in gewisser Beziehung Unbilliges ist, weil man hier unter'Honoratioren eine vom Adel freiwillig mit gewissen Vorzügen und Privilegien investirte Bürgerklasse versteht, daher, sobald die Juden Bürger werden, diese Rechtsbekleidung auch auf sie Anwendung findet, im entgegengesetzten Falle aber das so viel heißt, als vom Staate eine Abnormität verlangen; so ist an und für sich dieses Sichausschließen von der Gesammiheit, dieses Sicherheben über den Mitbruder, das die Idee einer hier schlecht angebrachten Würde, eines hier unpassend hervortretenven Selbstgefühls der Männer der Wissenschaft zur Schau trägt, mit dem sich ein Nichtanerkenncn, ein Berläugnen fast des wahren und ewigen und vom Gesetzgeber allein zu beachtenden Grundprinzipes auf eine nicht erhebende Weise paart, ein Umstand, der nach meiner vollsten Ueberzeugung das zur Folge haben mußte, was er hatte, ein Irrewerden an dem Bewußtsein und in dem Gefühle der auf Recht pochenden, und auf manche dunkle Seile, im Rechte selbst; im Allgemeinen aber eine ganz natürlich, wie angedeutet, instinktartig entstehende Kälte und Lauheit in allen Parteien. — Wollen wir aber dies übersehen, in Bcrücksichligung, daß eben aus dem Schooße der Mediziner ein Unternehmen ausging, das großes Lob verdient und ungeheuchelte Anerkennung; ich rede hier von dem Verein „zur Verbreitung der ungarischen Sprache unter Israeliten;" wer nicht blind ist, und von jeher eingesehen hat, daß die Juden es nicht sind, die sich ausschließen, sondern die Ursache des auf manchen Seiten sich noch herausstellenden Merkmales der Jsolirung, dem geraden Verstände und der täglichen Erfahrung folgend, darin findet, daß man sich ihnen entgegenstemmt und sie nirgends zuläßr, dem wird es gar nicht anffallen, daß die Juden in Ungarn einen ungewöhnlichen Eifer bekunden, sich zu magyarisiren, sich der Nation nahe und immer näher anzuschließen, die, im Ganzen genommen, unverleugdare edle Sympathieen für sie gezeigt hat. — Wie noch jetzt die Sachen stehen, dürfte freilich nichts Energisches vollführt werden, und es einstweilen bei einigen Velleilätcn verbleiben; wir stehen noch auf sehr zarten Füßen; ich bin aber fest davon überzeugt, der jüngst gewählte Ausschuß des Vereines wird nach und nach zweckdienlichere Maßregeln nehmen, als man bis jetzt nach schon vielzuvielmal verössenrlichten Statuten hat zu Gesichte bekommen; unser Hauptfehler besteht darin, daß wir bei allem Guten, noch des nothwendigsten, bei nur halben Hoffnungen auf Erfolg von unserm Unternehmen unzertrennlichten Vehikels vollständig entbehren; ein Institut, das zum Zwecke die Verbreitung einer Sprache hat, kann es wol ohne ein fort-