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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-06-17 · Heft 25 (17.6.1844) · p. Seite 350

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 25 (17.6.1844)
Date
1844-06-17
Page
Seite 350 (sequence 14)
Language
German
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350 wahrend unausgesetztes Zusammenströmen und Jneinanderfließen von allen Seiten blühen oder auch nur schwach bestehen? muß nicht bei solcher Gelegenheit der erste Blick auf die engste Verbrüderung, auf ein zu erweckendes gemeinsames durch tägliches und stündliches Zusammenleben gleichgeartcteö Interesse gerichtet sein und fortan geheftet bleiben? und hat man dieses bei Entwerfung der Statuten berücksichtiget?— wir müssen leider mit Nein! antworten. — Man wird ein Studir- und Lesezimmer errichten? gut! aber dazu brauchen wir keinen Verein, weil wir eine öffentliche Bibliothek haben, wo man alle ungarischen Klassiker und sonstige zum Bchufe der Erlernung der ungarischen Sprache erforderlichen Werke und Schriften gratis erhalten kann. Man wird Geschenke und Prämien austhcilen? aber für wen? für Kinder ist dieser Gebrauch schon von jeher auf unserer Hauptschule üblich, und trägr schon längst seine guten Früchte; oder für Erwachsene, die soi-disras schriftstellerische Ausarbeitungen liefern? aber mein Gott! diejenigen die schon ungarisch schriftstellern, diese bedürfen unseres Vereines nicht, und am wenigsten ist der Verein, der zum nächsten Zwecke das Populärmachen der ungarischen Sprache in unseren Kreisen hat oder haben sollte, für diese eigentlich da; übrigens mag auch die Gesellschaft, die der Krankheit unserer Zeit gemäß, viel von Büchermachen spricht, in dieser Beziehung sehr behutsam sein; man hat ferner beschlossen, stets abwechselnd zwei Mitglieder als Unterweiser und Lehrer fungiren zu lassen, aber man hat nicht in Beachtung gezogen, daß je nach Fähigkeit, Verstand und Charakter des Individuum ein gewisses hochmüthigcs Wesen, der menschlichen Natur gemäß, oft mitunterlaufcn wird, was den beflissensten Lehrling abschrccken und zurückscheuchen muß; der Verein hat in der That auch im Ganzen und in Allem etwas aristokratische Anflüge genommen, und wie um so eher muß sich hier der Krebsschaden zeigen, wo man nur, im umfassendsten Sinne des Wortes populär sein sollte. — Wie ganz anders gestaltet sich aber dieses Alles, wie sind plötzlich alle erwähnten Uebel gehoben, wenn man nach dem Muster der Preßburger Sozietät, die so schön gediehen ist, ein — Kasino errichtet, wo alle Mitglieder, anstatt, wie bei uns Brauch, in den Kaffeehäusern herumzustreifen, hier täglich und stündlich zusammenkommen; wo einige hundert Menschen sich täglich begrüßen und die Hände drücken, wo man — cs kommt so von selbst — nebst tausenderlei anderweitigen Gesprächen und Beschäftigungen immer doch mit einem Wörtchen oder sonstiger noch so geringer Leistung täglich seiner Pflicht als Mitglied, ohne cs selbst zu ahnen, wird Genüge thun.— Werden aber nur einige hohle trokkene Theorieen zur Vorschrift genommen, da wird sich bald Alles zerstäuben; hinzukommende, noch anzulockende zu erziehende Mitglieder werden bald erkalten und die Theilnahme verlieren, man wird ausbleibeN, man wird sich verlausen und nimmer kommen. — Ich kann diesen Aufsatz nicht schließen, ohne einer literarischen Erscheinung Erwähnung zu thun, die vorige Woche bei uns allenthalben bedeutendes Aufsehen erregte. Das Pesti hirliip vom 5. Mai bringt nämlich einen „Zsido emnncipütio" (Judenemanzipation) überschriebenen Artikel von Herrn F-ibirin Gabor, worin besagter Herr mit vieler Wärme die Ehe zwischen Juden und Christen verficht, ja noch mehr, auf keine andere Weise ein günstiges Resultat für die schwer zu erkämpfende Emanzipation erwartet. Der Artikel ist so seltsam abgefaßt, daß die verschiedensten Meinungen darüber im Publikum vorherrschen; die Einen behaupten, Herr Fabian könne nicht schreiben, und daher was ihn in seinem Raisonnement unterstützen soll, richtet sich nur gegen ihn; während die Anderen geradezu in ihm einen verkappten Judenfeind erblicken; was meine Wenigkeit besonders für die letzte Ansicht bestimmen könnte, ist, daß der Herr Fabian zu öfteren Malen versichert, er sei ein Freund der Emanzipation. Soviel ist aber auch gewiß, daß im Falle ich bei Jemand für meinen guten Freund um seine hübsche Tochter anspräche, ich mich wol hüten würde, den Bräutigam derart herauszustreichen, wie obbesagter Herr Verfasser es mit den Juden zu thun für gut befunden hat. — Dahingegen ist von hoher Wichtigkeit und von höchst erfreulicher Bedeutung, wie sich Koffuth, der Redakteur jenes Blattes, der Mann, der an der Spitze jeder Bewegung in Ungarn steht, bei dieser Gelegenheit, offen und ehrlich, zum ersten Male über unsere Sache äußert. Ihr gewöhnlicher Korrespondent wird Ihnen vermuthlich die vollständige Uebersetzung jener von Adel und erhabebener Gesinnung übersprudelnden Worte zusenden, und Ihre Leser sich überzeugen, wie ein ungarischer Publizist in Sachen der gedrückten Menschheit sich ausspricht. Freilich hätten wir von dem Manne, dep

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