Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1844)
- Date
- 1844-06-17
- Page
- Seite 347 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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347 und auch befestigt, damit die Schwachen und Wankenden, so cs noch Zeit ist, in der Religion und durch sie erstarken und fester werden und bleiben und diejenigen, welche ihr schon fast entsagt haben, aus Liebe und in Freude in ihren Schooß wieder zurückkehren. ■— 2) Gutachten von Theologen, um darzuthun und zu beweisen, daß die Beschneidung ein biblischmosaisches Gebot, sic daher auch Pflicht eines jeden Israeliten sei, — halte ich ebenfalls für lächerlich, zwecklos und höchst nachtheilig. Lächerlich; denn: sin ->2 Nip bn! wozu nun hiefür weitere Gelehrsamkeit, durch Zitate aus Bibel, Talmud und der jüdischen Geschichte und Literatur auskramen? — Zwecklos; denn wodurch sollen wir jene, die außerhalb der Bibel stehen und auch absichtlich a’nbis ">121 trssi-ra, wie (ff.; 'a ,5-> snp'n '2 ,n sibu-p) von deren Nothwendigkeit und ewigen Verbindlichkeit — so lange nämlich die Bibel es für uns ist — überzeugen? — Endlich, höchst nachtheilig; weil jeder Beweis — außer dem rein mathematischen — so kräftig und folgerichtig er auch geführt werden möge, von-Bornherein schon einen Zweifel in, und auch das Gegentheil, von dem, was da bewiesen werden soll, zuläßt. Daher auch mit Recht, die Beweise für das Dasein Gottes, als die ersten Zweifel an dessen Existenz betrachtet wurden.— Gutachten also, welche die biblisch-mosaische Verpflichtung der Israeliten, seine Kinder beschneiden zu lassen, beweisen, müssen nothwendig den Gegnern derselben, wenigstens einen Schein von Recht einräumen, als könnten sie ihre Ansicht durch die Bibel begründen und stünde sie innerhalb derselben, was ihnen wieder mehr Ansehen, Bedeutung und Anhänger verschaffen muß.— Belehrung, gründliche Auseinandersetzung und Erörterung dieser Pflicht in seinem Wirkungskreise und seiner Umgebung ist auch hierbei wieder die Pflicht eines jeden Rabbiners und das beste Mittel, dem weitern Umsichgreifen dieses Lossagens Einhalt zu thun. — 3) Ein Gutachten abzugeben, um den Vater, der fein Kind nicht beschneiden läßt, oder das unbeschnittene Kind selbst, als solche, die aus der Gesammtheit Jsrael's ausgetreten, und somit keine Juden mehr seien, zu erklären, — dieses läßt-mir mein Gewissen nicht zu, da es eine solche Behauptung als einen Verrath an unserer heiligen Religion stempelt, sie daher am wenigsten von einem Rabbiner aufgestellt werden darf. — So sehr ich auch die Wicbtigkeit der Beschncidung, schon für sich selbst, und für die Aufrcchkhaltung unserer Religion anerkenne, und sie auch in mancher Beziehung höher, als manche andere Ritualgesetze, stelle (wozu mich besonders , 5"-1 msa n?;—?: , bestimmt); und so sehr ich auch ferner nicht begreifen kann, wie der Barer, der sein Kind nicht beschneiden laßt, es vor seinem Gewissen verantworten kann, daß er — noch abgesehen von allem Uebrigcn — hierdurch sein noch unschuldiges, unselbstständiges Kind in einen, solchen abnormen Stand versetzt, aus welchem später, wenn es selbstständig wird, auch bei einer andern, als seines Vaters Ueberzeugung, es sich nicht leicht, oder gar nicht mehi herausbringen kann, so daß es seinem Vater fluchen muß,- kann ich dennoch unmöglich die Beschncidung, als die — Bedingung des Judenthums anerkennen und den, der sie unterläßt, aus ihm ausschließen, da bekanntlich dieses nicht der Fall ist; und ich halte es für überflüssig, Einen gelehrten, Hochwürdigen Rabbinate Belege hierfür an zuführ cn. Endlich 4) Ein Gutachten avzugeben, um den Vater, oder den Unbeschnittenon selbst als zum Zeugniß oder zum Eide für Ungültige zu erklären, und hierdurch, oder durch andere Mittel, bei der Behörde einen Zwang bewirken zu helfen, — halte ich für den größten Verrath an unserer heiligen Religion und unseren heiligsten Interessen. Unsere Religion ist die Religion der Liebe, der Freiheit und der Ueberzeugung. Niemals ward sie durch Zwang erhalten und verbreitet. Sie erhielt und verbreitete sich durch den göttlichen Geist, der überall in ihr waltet; durch ihn allein trotzte sie allen Stürmen und jeglicher Macht und Gewalt, die sich gegen sie stellten, um sie zu zernichten; und sie wird sich auch in ewigen Zeiten durch diesen Geist und nur in ihm erhalten: niemals aber durch Zwang und gewaltsame Mittel von Außen!— Dieser „GeistGottes, der Geist der Weisheit, der Wahrheit und der Liebe wird ihn — das glauben wir Alle —" gewiß auch einst allgemeine Anerkennung verschaffen und ihre ewigen Wahrheiten werden alle Menschen durchdringen, beleben und begeistern, so daß ihre Lehren Alle erleuchten, ihre Gebote Alle zur Leuchte und zum Lichte dienen werden: svnm rrasa -2 -o -ns. —