Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1844)
- Date
- 1844-06-17
- Page
- Seite 339 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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339 Gebiet der Meinungsverschiedenheit führt, will ich hier bloß kurz andenten. Die Versammlung hatte sich fern von bindenden Normen. In der Gahrung, in welcher wir uns gegenwärtig befinden, wird gewiß ein Zeder mit Bedauern die weite Kluft wahrnehmen, welche in Israel selbst sich gebildet, werden wir Alle sicherlich die ernste Mahnung an uns erkennen, mit Kraft und Entschiedenheit der scheinbar drohenden Auslosung zu begegnen. Hier jedoch ist die Verschiedenheit der Ansichten gewiß aiü Größten, und eine Vereinigung am schwersten zu erzielen. Wer fest im Glauben lebt, wer Ln Jsrael's Lehre die Wahrheit eikennt, wird übrigens doch nicht mit umdüstertem Blicke auf den gewaltigen Kampf Hinsehen, der vor seinen Augen sich begiebt, in den er selbst zum Theile mit eingreift. Freuen wir uns vielmehr dieses Kampfes, der der Wahrheit nur forderlich ist, sie wird rein und lauter daraus hervorgehen, und was die Literatur auseinanderreißt, das Leben, die öffentliche Meinung wird mit seiner bindenden und heilenden Macht es wieder vereinigen. Hüten wir uns aber, da gesetzgeberisch binden und lösen zu wollen. Solche Zeffffellungen haben von jeher nur neuen Hader erzeugt, die Glurh des Streites nur mehr augefacht; der Geist spottet der Fesseln, die ihm angelegt werden, und wahrlich, nicht als seine Kerkermeister wollen wir zusammeutreten, vielmehr als die Pfleger seiner gesunden Erzeugnisse, auf seine Kraft vertrauend, daß er üpprg wuchernde Ranken, welke Blätter wie vorzeitige Fruchte von sich abstoßen werde. So möchte ich bitten, daß ui unseren Berathungeu des sogenannten Refonnvereius in Frankfurt am Main keine Erwähnung geschehe. Als Abgeordneten der Gesammtheit, als Vertretern von deren Wünschen, liegen uns jene Pläne ferne; als Männer der Versöhnung, als Vertreter der freien GeisteSent. Wickelung werden wir nicht unnütze. Bannbullen schleudern, vielmehr durch Begründung des Heilsamen im Leben den voreiligen Theorien den Boden entziehen, aber eie Arena zu den Geisteskämpfen offen lassen. Frisch sind die Eindrücke, welche der Streit über biete Angelegenheit hervor^erufen hat, ein großer Theil der werthen Amts» bruder ist ».uf dre eine oder andere Weise an diesem Streite berhelilgt, und hier gerade wäre der Punkt, wo die Persönlichkeit sich in eure Besprechung einuuschen konnte, bei der einem Jeden nur Israel in feinet Gesammtheit vor die Seele treten soll. Uederhaupt wurden wol alle Vorschläge und spateren Einigungen als Ausspruche dienen ulutteu, denen die Verwirklichung durch einen jeden Einzelnen ebensowenig geboten, wie ein Darüberhinausgehen verwehrt werden kann; wir vertrauen dem moralischen Eindrücke eines solchen Ausspruches, ohne ein Zwangsrecht nach der einen oder andern Seite, selbst in der Form, in Anspruch nehmen zu wollen. Es wird doch immer der eignen Ueberzeugung und dem speziellen Bedürfnisse der Gemeinde der freie Spielraum gestattet werden müssen, und wir werden selbst den Schein meiden, hier beengend auftreten zu wollen. Mit diesen flüchtigen Worten wollte ich Sie, geliebte Amtsbrüder, von der Ferne her zu begrüßen mir erlauben; eine weitere Auseinandersetzung ist mir bei der Kürze der Zeit nicht gestattet, cs bedarf ihrer auch bei Ihrer Einsicht nicht. Möchten diese Worte zur guten Stunde niedergeschrieben sein, möchten sie Ihrer Aufmerksamkeit würdig befunden werden und Ihres Beifalls sich erfreuen! Im Geiste drücke ich Ihnen Allen bereits amtsbrüderlich die Hand; möge mir die Freude zu Theil werden, Sie samuulich noch am 18. d. Abends, wo ich mit Gottes Hülfe an uuserm Versammlungsorte einzutreffen gedenke, zu finden, um mündlich Ihnen sagen zu können, was mein Herz bewegt. Möge der Geist der Liebe und der Eintracht unter Ihnen seine Stätte aufschlagen, auf daß die Gemeinden Jsrael's mit Freude auf ihre Führer und Vertreter Hinblicken, und, erbaut und gestärkt au Ihrem Beispiele, sich in Frömmigkeit befestigen l Gottes Segen begleite Sie für und für! Breslau, 2. Juni 1844. vr. Abraham Geiger, Rabbiner. Antibaueriana. Zweiter Artikel. (Fortsetzung.) Mehr in's Einzelne gehend, aber minder die Bekämpfung der Pnuzipien übernehmend, ist die Schrift Salomou's: Bruno Bauer und seine gehaltlose Kritik über die Juden frage von l>r. Gotthold Salomon. Hamburg, 1843. Was Salomon von jeher auszeichnete, und in der Polemik zum Meister stempelte, war die Entschiedenheit und Furchtlosigkeit, mit der er auftritt und sich der Sache bemächtigt. Darum ist Salomon in seiner Potemrk farka-