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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-06-17 · Heft 25 (17.6.1844) · p. Seite 338

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 25 (17.6.1844)
Date
1844-06-17
Page
Seite 338 (sequence 2)
Language
German
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338 Daher dürfte es am Angemessensten sein, wenn Vorschläge gemacht und Kommissionen zu deren Prüfung ernannt würden, eine eigentliche Abstimmung aber nicht Statt fände, vielmehr diesen Kommissionen die vollständige Ausarbeitung bis zur künftigen. Versammlung übertragen würde, wobei es zweckmäßig wäre, wenn die Resultate eine bestimmte Zeit vor dem nächsten Zusammentritte den einzelnen Theilnehmern zur Erwägung mitgetheilt würden. Die Versammlung sei eine praktische, keine theoretische. Noch befindet sich unsere wiffenschaflliche Theologie Ln sehr jugendlichem Alter, die Prinzipien haben sich noch nicht gehörig festgestellt, ein System ist nicht entwickelt, die Konsequenzen sind noch nicht gezogen. Das Leben, mit seinen Bedürfnissen und heftig mahnenden Wünschen, umwogt uns und nimmt unsere vorzügliche Aufmerksamkeit in Anspruch; dem Leben sei auch die Zusammenkunft gewidmet. Es giebt Gegenstände, in welche, wenn auch von verschiedenen Standpunkten aus, eine Einstimmung erzielt werden kann, Anordnungen, deren Nothwendigkeit durch die Bewegung in Literatur und Leben mit solcher Entschiedenheit sich herausgestellt hat, daß, so abweichend auch allgemeine Grundsätze sein mögen, doch in ihnen ein Vereiniguugspunkt gefunden werden kann. Können wir ja auch nimmer die Macht der Forderungen, welche die allgemeine Stimme der Zeit erzeugt hat, bannen, und bleiben uns doch diese sowie auf der andern Seite festwurzelnde Gesinnungen aus einer langen Vergangenheit her maßgebend. Mag ein Jeder in der Literatur mit Entschiedenheit seine leitenden Grundsätze geltend machen, deren Anerkennung zu erringen bestrebt sein, sie an jede Einrichtung, au jedes Zeitereigniß mit unerbittlicher Strenge als Maßstab anlegen; es ist eine Aussaat, die für die Zukunft ausgestreut wird. Hier aber verdienen nicht die Keime, die noch aufgehen sollen, Berücksichtigung, es sind die Früchte, die schon hervorzubrechen im Begriffe sind, denen wir die volle Pflege angedeihen lassen, von denen wir den'Mehlthau entfernen, denen wir eine freie Entfaltung sichern müssen. Hüten wir uns daher, mit rigoristischer Strenge bei jedem Worte und bei jedem Wunsche auf den obersten Grundsatz zu drängen; das Heil Israels, die Belebung eines warmen religiösen Sinnes, die Wiedererringung der allgemeinen Theilnahme für Jsrael's Lehre und Jsrael's Gottesdienst nach der Lage, in der wir uns nun einmal befinden, nach den Stimmungen, die nun einmal herrschend sind, bilde allein die Grundlage, auf der wir zu bauen und zu erbauen berufen sind. In der Liebe zu Jsrael's Glauben, in dem heißen Wunsche nach Verbreitung eines gläubige.: Sinnes finden wir unfern Mittelpunkt; wir werden auch in den Mitteln, sobald wir uns an das Nächstliegende halten, eine Verständigung erwirken können. Der amtebrüderliche Sinn wird sich sicherlich nicht verleugnen und über allen abweichenden Meinungen wird die gegenseitige Achtung und Anerkennung, die Begeisterung für den gemeinschaftlichen Zweck die höhere Einigung herbeiführcn. Ich stimme, um Einzelnes zu berühren, daher ganz in die Vorschläge unsers Amtsbruders, Herrn Di. P hil ippson, ein, in Betreff der Erwählung von Kommissionen, welche den Plan zur Errichtung einer theologischen Fakultät und zur Verständigung über nothwendige Reformen im Kultus auszuarbeiten bestimmt seien; d.e angemeffene Ausbildung der Rabbiner und die Herstellung eines würdigen Gottesdienstes sind wirkliche Lebensfragen, und ein Zusammenwirken für diese Zwecke im deutschen Vaterlandc ist so unumgänglich, daß man uns mit Recht anklagen würde, eine solche Gelegenheit ungenützt vorübergehen zu lassen, wenn wir nicht mit voller Hingebung und mit Beseitigung mancher untergeordneter Privatmeinungcn und -Rücksichten diese Zwecke förderten. Nicht minder verdienen manche Gebräuche eine solche Berathung, und neune ich nur die schon vielbesprochene Frage über die Trauer gebrauche, über den Genuß der Hulseufrüchte am Peßack u. dgl., und wäre gleichfalls eine Kommission einzusetzen, die diese und ähnliche Gegenstände, deren Bedeutung selbst aus dem Leben geschwunden ist, aufzusucheu und für eine Beschlußnahme vorzübereiten hätte. Hingegen möchte ich andere Gegenstände, welche mit schwebenden Prinzipieufragen zu nahe in Verbindung stehen oder auf das religiöse Leben nicht von überwiegendem Einflüsse sind, beseitigt wissen. Dahin rechne ich z. 33. die Frage über den Hospitalbau in Jerusalem. Diese Angelegenheit hat schon zu viel persönliche Gehässigkeiten hcrvorgerufen, als daß unsere friedliche Versammlung, deren Bild mir so würdig vor der Seele schwebt, in sie eingreifen sollte. Auch mag Mancher — und ich bekenne mich unverholen zu dieser Meinung — die dafür nöthigen Summen besser für die Begründung tüchtiger Institute im Vaterlande verwendet wünschen; wir müssen mit den spärlichen Kräften, die uns zu Gebote flehen, als sorgsame Haushälter umgehen und sie nicht für Zwecke verwenden, deren Erfolg am Ende sehr zweifelhaft ist. Wie sehr wir hier noch an die Frage über die Bedeutung Palastina's für unsere Zeit gedrängt werden, eine Frage, die uns auf ein delikates

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