Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1844)
- Date
- 1844-06-10
- Page
- Seite 333 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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333 Gedächtniß wird zwar der religiöse Boden Lm kindlichen Herzen beackert, aber es bleibt dabei noch Alles unklar und verworren. So wenig ein Religionsunterricht ohne Schriftstellen, eben so wenig können Schriftstellen ohne systematische Lehre genügen; eine richtige Verarbeitung ist dabei Hauptaufgabe. Insbesondere darf bei dem Religionsunterrichte das Bibellesen nicht versäumt werden. Die Schüler müssen bibelfest werden, sollen sie tüchtige Israeliten werden, die ihre Religion inne haben.— So sehr die Bestrebungen des wackern Verfassers anzuerkennen sind, so vielen Nutzen wir vom Gebrauche des Buches versprechen können: so ist das Ziel doch lange noch nicht erreicht, welches der Versdamit sich vorgesetzt hatte. — Die Bundesstaaten, eine geographisch-statistische Tabelle für Postbehörden, Komtoirs, Paß-, Gerichts¬ und Geschastsbureau's, sowie zum Schul- und Privatgebrauch bearbeitet von S. Neubürger und W. Obermeier. Nördlingen, 1843. Auf sehr bequem übersichtliche Weise werden die Staaten, Grenzen, Gebirge, Gewässer, Eintheilung, Städte über 1500 Einwohner, Flächeninhalt, Seelenzahl nach den Konfessionen, also auch die Israeliten, Produkte, besondere Bemerkungen angeführt; dazu erleichtert noch ein alphabetisches Verzeichniß der Städte das Auffinden. Die Ausstattung sehr zweckmäßig. Magdeburg, 29. Mai. s Belletristisches.^ In der hiesigen Buchhandlung Albert Falckenberg u. Eomp. ist so eben erschienen: Saron. Gesammelte Dichtungen in metrischer und prosaischer Form. Von Dr. Ludwig Philippson. Magdeburg, 1844. Erster und zweiter Band. Das Werk ist nun abgeschlossen, und nimmt in der neuern jüdischen Literatur gewiß einen eigenthümlichen, nicht unrühmlichen Platz ein. Außer früheren einzelnen Versuchen war von Juden für die Belletristik innerhalb des Bereiches des Judenthums noch Nichts gethan. Die in diesen beiden Bänden enthaltenen Arbeiten, verbunden mit den desfallstgen Schriften Berthold Auerbach's (Kuh, Spinoza) und Stein hei m's haben diesem Fache eine neue Basis geschaffen^). So besitzen wir auch nun eine originale modern-jüdische, deutsche Poesie, von der die gebildeten *) Wir sehen hier natürlich von den guten Uebersetzungen hebräischer Dichtwerke ab, so wie auch vom Hymnologischen. Juden um so mehr Kenntnis nehmen sollten, je mehr sie ihren Glaubensgenossen und deren Literatur den ästhetischen Geschmack abzusprechen und abgesprochen zu sehen gewöhnt sind. — In diesen beiden Bänden sind nun die, in verschiedenen Zeitschriften früher zerstreuten, poetischen Arbeiten, welche das Judenthum betreffen, zusammengestellt, zugleich aber neue mitgetheilt, und früher nur bruchstückweise oder unvollendet veröffentlichte vollständig gegeben. Von andrer Hand sind nur „die Marannerr" des Bruders des Verfassers ausgenommen. Die Ausstattung ist sehr elegant und würdig. — Wir theilen aus dem Vorwort folgende Stelle mit: „Dichtungen müssen ihr Erscheinen selbst rechtfertigen durch ihren Werth. Worte thun es nicht. Indes sind die hier gesammelten doch eigener Act und zugleich allesammt einer und derselben Richtung, so daß einiger Aufschluß über das, was der Verfasser gewollt, nicht unangemessen scheint. — Die Forschung klärt auf, die Wissenschaft legt zurecht; doch nur die Kunst veredelt. Erst wenn Gefühle und Gesinnungen durch das Prisma der Kunst hindurchgegangen, der Stoff in künstlerische Form sich geschlagen und durch diese zur Anschauung kommt, ist der Prozeß der Bildung vollendet.. Das Judenthum ist eine uralte Erscheinung. Die Bedeutung seines Inhalts hat es bewährt durch seine Wirksamkeit auf die ganze Menschheit, auf die es schon durch das Buch allein, das es ihr übergeben, einen unendlichen Einfluß übt. Die Merkwürdigkeit seiner Gestaltung thut sich kund durch eine fast viertaufendjährige Geschichte. Die Wesenheit seiner Existenz offenbaret sich darin, daß ihm immer noch Millionen von Anhängern leben, die in allen zivilisi'rten Staaten, schon in sozialer Bedeutung, eine verwickelte, immer noch nicht überall gelöste Frage geben. Seit fast einem Jahrhundert nun ist dieses Judenthum in den engern Kreis des europäischen Lebens eingetreten. Die Gesellschaft, die Bildung, die Wissenschaft bemächtigten sich seiner. Endlich trat an den großen Stoff, den Inhalt und Geschichte des Judenthums darbieten, auch die veredelnde Kunst heran, sowol um das verjüngte Leben dieser altehrwürdigen Erscheinung auch ihrerseits zu erfrischen, als auch um von der äußern Form den alten, fressenden und entstellenden Rost abzuschleifen. Wir halten dafür, daß durch diesen letzten Akt die Emanzipation des Judenthums vollendetwird." „Nirgends aber, im Menschlichen wie im Natürlichen, ist eine großartige Wirkung nach innen ohne nachhaltige Folgen auch nach außen. Diese Restauration des