Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1844)
- Date
- 1844-06-10
- Page
- Seite 331 (sequence 11)
- Language
- German
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831 statt lebendiger Wahrheit todte Lüge, statt geistig thätiger Gabe, blödsinnige unfruchtbare Stagnation. Bei solcher Sachlage muß natürlich in Preßburg alles scheiiern, und ist es ganz in der Ordnung, daß wenn die Stände auch den von den Magnaten ganz umgewandelten §. 89 des Stadtreformentwurfes in allen Stücken nach seiner neuen Form mißbilligten, doch jene Aenderung in Betreff der Israeliten annahmen, und auch hier die Mehrheit sich dafür aussprach, die Sache für jetzt fallen zu lasten, und zu anderer Zeit die Berathschlagung hierüber, als über einen für sich bestehenden Gegenstand vorzunehmen. Wäre Klauzül nicht gewesen, der bei dieser Gelegenheit seiner gepreßten Seele, seinem tiefen Schmerze über das Mißlingen seiner Hoffnungen in Worten Luft machte, deren eindringenden, bewegenden, hinreißenden Kraft nie die entsprechende Wirkung entgeht, und der in den letzten Augenblicken noch durch die Motion Rettung brachte, daß zur Ausarbeitung eines die Juden betreffenden Gesetzentwurfes sogleich eine Kommission ernannt werde, (wozu auch diePetitionalkommiffion erwählt ward) so wäre in diesem Augenblicke für uns, auch für die Zukunft, jede Hoffnung, jede Zuversicht abgeschnitten. — Es giebt Leute die staunen, sie können die Inkonsequenz nicht begreifen, sie hatten es nie für möglich gehalten, daß die ungarischen Stande selbst den 9. Marz von 1840 derart kompromittiren werden; die elenden Feinde der Ungarn (eo ipso Feinde jedes Fortschrittes, der Menschheit und der Emanzipation) lachen in ihre derben deutschen Fäuste, das „Hepp! Hepp!" kommt wieder in die Mode; man kann keine zwei Schritte gehen, ohne auf zarte Anspielungen an allen Straßenecken zu stoßen, man kann an keinen Lesetisch treten, ohne fortgesetzte Berläumdungen und rohes Siegesgejauchze in den auswärtigen Blättern zu Gesichte zu bekommen; die Glorie ist weg, „die Judenkönige steigen auch schon nach und nach von ihren Thronen herab;" und schon stürmt das Nachtgevögel heran, das auf kurze Zeit verscheucht war, und breitet seinen Rabensittig aus über die Wohnung der gedrückten Menschheit, und verfinstert ihr Hütte und Haus. Ja, so ist es, das Alles müssen wir ansehen und anhören; aber jener ewig denkwürdige Tag vor vier Jahren hat doch immer nichts von seinem Heiligenscheine verloren, und er strahlt nur noch glänzender jetzt, weil ihm die Finsterniß gegenüber steht. An jenem Tage sind die Ungarn da gestanden wie ein großes Volk, und ihr Genius hat einen Strahl vom Himmel geborgt, der während in Preßburg der Saal erfüllt war, und man den Beschluß faßte 200,000 Knechte zu Menschen zu machen, über ganz Pannonien blitzte, über sämmtliche Fluren von den Karpathen bis zum adriatischen Meere. Aber wenn jetzt die Aufopferung karger, die Theilnahme schwächer, die Billigkeit schwankender, mit einem Wort, der kräftige Flügelschlag jenes großen Geistes in der Ständetafel ermatteter und siecher erscheint, so ist das nicht der Nation, der gesammten öffentlichen Meinung als solcher beizumessen und Schlüffe daraus zu ziehen, als vielmehr weitere Bekräftigung zu schöpfen, weitere und unerschütterlich feststehende Ueberzcugtheit von dem Fluche, der Schmach, der Verächtlichkeit und des Ekels, die insgesammt jene im Finstern schleichende Gesinnung brandmarken, die sich trennt und lossagt von dem Ruhm und dem Heil des Vaterlandes, die isolirt dasteht in der Mitte der zivilisirten Menschheit, und ihren eigenen egoistischen Trieben nachjagt; jene noch hie und da spukende Gesinnung, die gerne Augen hat und nicht sieht, Ohren und nicht hört; die gerne im Joche ächzt, gerne sich nicht losrütteln will von der Kette der Geistes - und Seelcnsklaverei verschollener Jahrhunderte. Jene erbärmliche Gesinnung Einzelner ist es, die hie und da unter uns aufgetauckt, mit der Hülfe des Teufels der in ihrer Brust wohnt, die Bemühung der Verständigen und Edlen zu Nichte gemacht'hat; die ihre Apostel ausgeschickt hat, gerüstet mit falscher Zunge, kaltem Gefühl, alberner Weltansicht, geistloser Empfindung; die sich zusammengerottet, die Saat des Hasses und des Vorurtheils in unschuldige reine Gemüther zu streuen, die Kinder der Natur mit den Auswüchsen einer der neuen und wahren Kultur der Menschheit vorausgeschrittenen Zeit, zu Gunsten der Hölle bekannt zu machen; die Aufreizer sind es, die Volksaufhetzer, die wie bei anderen Gelegenheiten in unserm theuern Ungarn, auch hier die gute Sache haben zum Falle gebracht. Von vielen Beispielen, die ich aus einer Masse theils eigener Anschauung und Privatbriefen entnommenen, theils öffentlich in den Blättern besprochenen Ereignisse anführen könnte, hier nur Eines aus der jüngsten Zeit, welches bezeichnend genug ist. Dem k'esti liirlap (No. 344) wird aus Raab