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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-06-10 · Heft 24 (10.6.1844) · p. Seite 327

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 24 (10.6.1844)
Date
1844-06-10
Page
Seite 327 (sequence 7)
Language
German
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327 Mit hoher Weisheit hat der Gesetzgeber den religiösen und moralischen Unterricht zu den wesentlichen, nothwendigen Gegenständen des Primärunterrichts gezählt. Er hat damit den von allen Pädagogen ausgesprochenen Grundsatz festgehalten, daß der Zweck des Unterrichts nicht blos darin bestehen könne, dem Menschen einzelne Fertigkeiten und Kenntnisse beizubringen, sondern daß derselbe den ganzen Menschen erziehen und bilden solle, daß dieses nur dann geschehen könne, wenn alle Unterrichtsgegenstände organisch in einander greisen und zu derselben Einheit Hinzielen, daß also der religiöse und moralische Unterricht nicht abgesondert, sondern mit in den Organismus der Unterrichtsgcgenstände ausgenommen werden müsse. Wie stehet es nun in dieser Beziehung mit den jüdischen Kindern? Für sie ist die Primärschule bisher keine Erziehungs- und Bildungsanstalt gewesen, sondern nur der Ort, wo sie mechanisch einige Fertigkeiten und Kenntnisse sich aneignen konnten; denn in der Primärschule erhielten sie keinen religiösen und moralischen Unterricht, sondern waren damit auf eine Winkelschulc verwiesen. Welchen unerquicklichen Zustand dieses herbeiführen mußte, hat die Erfahrung gelehrt. Die Kinder besuchten die Primärschule während der vorgeschriebenen Schulzeit und dann sollten sie, in abgerissenen Viertel- und halben Stunden, während der Zeit, welche den übrigen Kindern zu der so nothwendigen körperlichen Erholung gegönnt war, genügenden Religionsunterricht erhalten! Und das für jüdische Kinder, wo der Religionsunterricht die hebräische Sprache mit umfassen muß! Aber darin bestehet nicht einmal allein der Nachtheil des bisherigen Zustandes! Es tritt noch ein anderer viel gewichtigerer hinzu! Nichts kann für das kindliche Gemüth schädlicher sein, als wenn seinem zarten Herzen schon die heilige Ehrfurcht und Scheu in den göttlichen Dingen geraubt und zerstört wird. Geschiehet das aber nicht, wenn jüdische Kinder christliche Elementarschulen besuchen, dort mehr oder minder einem Religionsunterricht beiwohnen, von dem sie wissen, daß er nicht der ihrige ist; ihren Lehrer heilige Dinge in geweihter Stimmung vortragen hören, die für sie, wie sie voraussetzen, nichts Heiliges haben? Oder wollte man dem unerfahrenen Kinde schon die Urtheilskraft, Menschen- und Geschicktskenntniß zutrauen, daß es das auch für den Juden Heilige in den christlichen Religionen zu begreifen, zu beurtheilen und anzuerkennen wisse? Der einzige Vortheil, wenn jüdische Kinder christliche Schulen besuchen, der angeblich alle diese Nachtheile überwiegen soll, wird darin gesucht, daß die Kinder verschiedener Konfessionen sich frühzeitig kennen, achten und lieben lernen und daß so die Toleranz befördert wird. Bei allen höheren Unterrichtsanstalten, wie die Bürgerschule, das Athenäum (Gymnasium) rc. möchte dieser Vortheil in Anschlag zu bringen sein; denn dort, wo nicht mehr Kinder, sondern schon reifere Knaben die Schüler sind, kann schon ein hinlänglicher Grund in der Religion gelegt sein, auf daß der jüdische Knabe auch die Verschiedenheit in der Religionsanschauung Anderer zu achten und zu schätzen vermöge; dort können sich auch schon Freundschaften und Verbindungen für das Leben knüpfen. Aber bei Knaben und Mädchen von sechs bis zwölf Jahren (dem gesetzlichen Schulalter) sollten sich da wirklich solche Freundschaften für's Leben bilden, daß sie die Toleranz und Bruderliebe zu befördern geeignet sind? Und giebt es denn kein anderes Mittel, geeigneter die Toleranz wahrhaft zu fördern? Wie, wenn sich die christlichen Eltern und Lehrer endlich entschlössen, statt Judenhaß zu pflegen und zu nähren, dem Geiste unserer Verfassung und dem Willen unseres Gesetzgebers gemäß, die Juden, ich will nicht sagen zu lieben, sondern blos zu ignoriren? Würde dieses nicht viel eher dazu beitragen, den Menschen auch im Juden nicht verkennen zu lassen? Daß in allen jüdischen Schulen nur Toleranz, Achtung für jeden Menschen, Liebe zum König und zum Vaterlande gelehrt wird, davon kann man sich leicht überzeugen, wenn man einen Blick in die dort gebrauchten Lehrbücher zu werfen sich bemühet. Freilich ist auch in Luxemburg die Toleranz im Volke noch nicht so durchgedrungen, wie sie es sein sollte; aber sollen wir denn dem bessern Geist nicht mehr Kraft durchzudringen zutrauen, als daß wir zur Beseitigung der Intoleranz so zweifelhafte und schädliche Mittel anwenden sollten? Wir sind nun weit entfernt von der Stadt- oder Staatsbehörde eine Separatschule aus städtischen oder Staatsmitteln für uns zu fordern; denn obgleich in Frankreich und wenn wir nicht irren auch in Belgien von Seiten des Staates separat jüdische Primärschulen errichtet werden; obgleich selbst in Trier,

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