Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1844)
- Date
- 1844-06-10
- Page
- Seite 323 (sequence 3)
- Language
- German
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323 dern müssen, bedenkt man dabei, daß der Jude eine kritische Bewegung durchgemacht hat und durchmacht, wie sie gewiß selten Ln der Weltgeschichte, daß eine Masse von Millionen binnen fünfzig Jahre vom Standpunkte der Unbildung, der völligen Jsolirtheit sich in jeder Beziehung regenerirt und in Reihe und Glied mit den zivilisirtesien Völkern tritt, diese begreift, und sich von ihnen aufnehmen läßt — so wird man die große Lebenskraft des Judenthums dennoch bewundern, die alle diese großen Interessen siegreich zu überwinden weiß und neben ihnen bestehen bleibt. Dies ist es/ was wir näher noch m's Auge fassen müssen. (Fortsetzung folgt.) Die erste Rabbinerversammlnug. Ihre Zusage haben abermals eingesandt: Herr Rabbiner L. Schott in Rand egg im Großherzogthum Baden, Herr Br. S. Adler, Großherzog!. Kreisrabbiner in Alzey. Zeitungsnachrichten. Rußland und Polen. Warschau, 26. Mai. (Privatmitth.) Zu den wirksamen Mitteln für die geistige Erhebung und Belebung unserer Glaubensgenossen überall, und vorzüglich in Polen, wo die Anregung geringe ist, gehört unstreitig die Verbesserung des Kultus. — Indem der die jüdischen Zustande in diesem Lande kennt, und daher auch, Ew. Ehrwürden allverehrtester Herr Doktor wird es willkommen und erfreulich sein zu hören, daß unsere deutsch-israelitische Gemeinde, durch einen theilweisen Neubau, ein dieser Gemeinde würdiges Gotteshaus erhalten hat, welches bereits vorgestern, als am ersten Schebuot-Tage, mit gebührender Feierlichkeit eröffnet, und worin ein zeitgemäß geordneter Gottesdienst mit Predigt, Choral und sonstigen ersprießlichen Anordnungen eingeführt worden ist. — Dieses in seinen Folgen gewiß wohlthätige und verdienstrciche Werk, verdanken wir abermals, den rastlosen und für alles Gute, thatkrästigen Bestrebungen unsers Vorstands-Präses Herrn Mathias Rosen, dem sich auch die Herren Epstein bereitwilligst angefchlossen; den unablässigen und tief eindringcnden Worten unsers Predigers Herrn Or. Phil. Goldschmidt, so wie dem, bekanntlich schon früher mit gutem Beispiele vorangegangcnen Herrn Schuldirektor Eisenbaum, welche Alle ihr Scherslein zum frommen Zwecke beigetragen haben.— ■’in obs^o arrbbya ■'-is—o , i-nax r-o^b und darum wollen wir auch die Handvoll Gegner, denen ihr Treiben Gottlob! nicht gelungen ist, keiner Erwähnung würdigen. — @t. Petersburg, 27. Mai. sPrivatmitth.) Die bestehenden Gesetze erlaubten bisher den Juden aus dem Königreiche Polen nicht, die russischen Universitäten zu besuchen. Juden, die das Gymnasium absolvirt, mußten entweder in's Ausland gehen, weil Polen keine Universität mehr hat, was mit ungeheuren Schwierigkeiten verbunden war, oder zur christlichen Kirche übertreten. Auf die Vorstellung des Ministers der Volksaufklarung, und nach erfolgter Beprüsung derselben durch den Rcichsrath haben Se. K. M. durch Allerhöchsten Beschluß vom 5. April d. I. Allerhöchst erlaubt, daß auch Juden aus dem Königreiche Polen die russischen Universitäten besuchen können, in ihren Pässen es aber verzeichnet sein muß, daß sie polnische Unterthanen sind. Ein anderer Befehl des Herrn Ministers der Volksaufklärung vom 5. Mai d. I. verfügt, daß cs den Juden aus dem Königreiche Polen, wenn sie die vorgeschriebenen Examina bestanden haben, gestattet sein solle, in den Wissenschaften, aus welchen sie die gehörigen Prüfungsatteste erhalten haben, jüdische Kinder unterrichten zu dürfen. Bis jetzt konnten sie weder ein Examen erstehen, noch durften sie in anderen Gegenständen, außer Religion, selbst die Kinder ihrer Glaubensgenossen unterrichten. Nach vorläufiger Anfrage und Berathung mit dem Fürsten Statthalter von Warschau, der seine Einwilligung gab, erschien diese ministerielle Verfügung. In Petersburg, wo den Juden der bleibende Aufenthalt nicht gestattet ist, haben denselben nur vier jüdische Zahnärzte. Der Eine derselben Herr Samuel Wagenheim, wurde unlängst zum Ehrenhofzahnarzt ernannt; und ein zweiter, Herr David Wallcnstein, erhielt am Osterfeste einen Brillantring für seinen Dienst bei dem Großfürsten, und eine goldene Medaille für seinen Dienst in den Kronsanstalten.