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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-06-03 · Heft 23 (3.6.1844) · p. Seite 317

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 23 (3.6.1844)
Date
1844-06-03
Page
Seite 317 (sequence 13)
Language
German
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317 das andre, verzehrt eines das andre, um sich zu erhalten. Siehe! hat der Mensch Freiheit des Willens, hat er zugleich das Streben und die Bestimmung zur Vervollkommnung, nimmt daher Gott seines Thuns wahr und richtet es: so mußte Gott dem Menschen kund thun, was gut und was böse, was recht und was unrecht, was wahr und was falsch sei, auf daß er es wisse und thue! Gott mußte dem Menschen offenbaren, was sonsten dem Menschen unbekannt oder schwankend, ungewiß geblieben wäre. Und dies ist es, was unsre Religion nicht bloß lehret, sondern worauf sie gebaut, was ihr ganzer Inhalt ist: eine Offenbarung Gottes an den Menschen, der die Wahrheit anderswie nicht erfahren konnte, und doch die Wahrheit wissen und üben sollte. So ist nun Gott nicht mehr bloß der Werkmeister, sondern auch der Erzieher, der Lehrer, der himmlische Vater des Menschen, Er ist ihm die Vorsehung, die ihn und das ganze Geschlecht auf sicheren Wegen zur Vervollkommnung führet. So aber nun dennoch der Mensch irret, fehlet, sündigt? geliebte Brüder. Denn wer ist auf Erden, der ganz gerecht sei vor Gott? Nun er das Rechte kennet, und er thut doch das Unrechte? Wohl, meine Brüder, so lehret das Bekenntniß unsrer Religion drittens: Gott richtet den Menschen, ist aber allbarmherzig, und vergiebet Sünde, Missethat und Schuld. Nicht den Tod des Sünders verlangt er, sondern daß er umkehre und sich bessere, und dann sei ihm verziehen. — Wie aber verbindet sich das mit einander? So doch Gott in seiner Gerechtigkeit jedwede Sünde strafen muß, wie kann er sie zugleich in seiner Barmherzigkeit vergeben? Da lehrt unsre Religion: die bösen Folgen einer bösen That läßt Gott unverändert eintreten, (er giebt dem Verschwender nicht sein Vermögen, dem Wüstling seine Gesundheit, dem Ehrlosen die Ehre ff. nicht wieder,) dies ist die Gerechtigkeit Gottes — aber jedwede Sünde entfernet ja auch die Seele von Gott, von ihrer Reinheit, ihrer Unschuld: und da tilgt Gott dem Reuigen die Schuldhaftigkeit, bringt ihn wieder zu Sich, und läßt ihn wieder rein werden, dies ist die Barmherzigkeit Gottes. Und siehe! da bedarf Er keines Mittels dazu, denn Seine Barmherzigkeit ist wie Er selbst unendlich, und da bedarf der Mensch keines Mittels dazu: Alles ist geschehen mit Reue, Buße und Besserung. Dies ist das Bekenntniß, welches unsre Religion in die Geister und auf die Lippen ihrer Bekenner leget. Hierfür haben unsre Väter die Meere durchfahren und die Länder durchschritten. Davon ließen sie nicht in Verfolgung und Schmach, vor Schwert und Scheiterhaufen. „Sie rühmten sich des Herrn vor Königen und Völkern." O, meine Brüder, so ist auch uns, den Männern der Gegenwart, als ein theures, heiliges Erbgut dieses Bekenntniß geworden, daß wir es treu halten im Herzen, bewähren im Leben, lehren und bezeugenden Erdenbrüdcrn, übergeben unfern Kindern. Deß haben wir Rechenschaft zu geben den Schatten unsrer Vorvordern, Rechenschaft unseren spätesten Nachkommen, der ganzen Menschenwelt und Gotte, dem Offenbarer. Was dem Menschen übergeben worden zur Wahrung, das muß ihm heiligssein, unverletzlich, bis die Ablösung seiner Wacht kommet. Es ist der einige Gott, den wir bekennen, es ist der unmittelbare, geoffenbarte Gott, den wir bekennen, es ist der gerechte Richter und allbarmherzige Versöhner, den wir bekennen! Dies Heiligthum rühre uns Niemand an, dies wollen wir vertheidigen als rechte Männer, als ganze Israeliten. Nicht das neue Heidenthum der Zeit, nicht die Kühle der Gleichgültigkeit für die höchsten Wahrheiten soll uns schwankend machen. Wahrheit und Treue, Heil und Anhänglichkeit! „Mögen Völker mich umgeben, im Namen des Ewigen, ich zerstreue sic!" — So feiert auch Ihr, meine Brüder, das Fest des Bekenntnisses in Lauterkeit! Mag es Euch festigen in der Lehre des Herrn, „dessen Begriff aufgehet wie Morgenröthe, wie Regen, der dürstend Land befeuchtet." Wie dann Sein Wohlgefallen, so wird Sein Segen nicht ausbleiben, der vor Euren Hütten sich lagert, in Euren Wohnungen weilet, ein Dach des Schutzes darüber leget! In dem Bekenntniß des Einig-Ewigen, des Unmittelbaren-Geoffenbarten, des Richters und Versöhners lebet und sterbet, daß Ihr hüben und drüben des Herrn Euch freuet. Und so ende ich mit dem letzten Wort des Bekenntnisses, das unsre Väter am heutigen Tage sprachen (5 Mos. 26, J5.): „Blick' herab aus Deiner heiligen Wohnung, aus dem Himmel, und segne das Volk Israel— Amen!"

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