Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-06-03 · Heft 23 (3.6.1844) · p. Seite 309

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 23 (3.6.1844)
Date
1844-06-03
Page
Seite 309 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225335-3225359--06076-3314870
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

809 Dessen zu wahrer Urkunde wurde vorstehende Bestimmung in doppelter Urschrift ausgesertigt, unterschrieben und besiegelt. So geschehen zu Frankfurt a.M. den 12. Mai 1843. (L. S.) A. M. v. Rothschild. (L. 8.) Sal. M. v. Rothschild in seinem Namen und im Namen seiner abwesenden Brüder. (L. 8.) Der vereinte Borstand und Ausschuß der israelitischen Gemeinde, gez. Dr. Martin Emden. gez. Moritz Lob. Getz, - S. I. Cahn. - Adolph S. Maas. Für die Richtigkeit der Abschrift Jakob Wimpfen, Protokollführer. Von der «Ofifee, im Mai. (Privatmitth.) Hatte der Mann nicht Recht, der da betete: „Lieber Gott! behüte mich nur vor weinen Freunden; vor meinen Feinden will ich mich schon selber hüten?" Was sagen Sie zu unfern Freunden, den Grüneberger Herren Stadtverordneten, die so vielen Antheil an uns nehmen wollen? Aber da sieht man deutlich, wie weit die „Nächstenliebe" getrieben werden kann; sie kann in solches Extrem ausarten, daß sie nicht nur den Nächsten, sondern Alles, was ihm gehört, und was er etwa gewinnt, gerne hat. Das heiße ich doch wahre Feindesliebe, die das, was sie hassen sollte, die Güter dieser Welt also liebt, daß sie es nicht gerne bei Anderen geliebt sieht, ohne ihm gleiche Liebe zu erweisen.— Und wie schön die Furcht vor den Juden die Grüneberger Herren kleidet! — Ob nicht bald ein „Grüneberger Rheinlied" erscheinen wird, mit dem Refrain: „Sie wollen sie nicht haben!" und ganz Schlesien in Harnisch jagen wird? — So kann man eine Sache, wenn sie auch noch so schmerzlich sonst berührt, und freilich auch ernst stimmt, auch belächeln, wenn sie sich lächerlich zeigt. Die Schmeicheleien, die die Herren den Juden sagen, sind süß, nicht wie Zucker, sondern wie — Arsenik; und die sonstigen Deuteleien sind so spitz, wie sie kaum ein — gewandter Talmudist versteht; „wo die Herren das Alles gelernt haben mögen! es muß ihnen sauer geworden sein!" Aber, mein Lieber, es sind dieß nicht unsere einzigen Freunde, die es besser mit dem Unserigen, als mit uns meinen. Die Hamburger Herren Kaufleute greifen die Sache wieder anders an, ihre Freundschaft gegen Juden zu zeigen. Paulus hat Recht, wenn er sagt: „Wenn ich mit feurigen Zungen redete, und hätte die Liebe nicht rc. Feurige Zungen haben in Hamburg geredet, und die Gluth hat zu jener Zeit Ehristen und Juden, und selbst die Kauflcute, zusammengeschweist; aber was die Noth vereinigt, hat der Uebermuth gar bald wieder getrennt. „Die Hamburger Kaufmannschaft hat mit 19» gegen 133 Stimmen „den Antrag abgelehnt, den hiesigen Kauflcuten jüdischen Glaubens künftig den Zutritt zu ihren Versammlungen zu gestatten. Die Mehrheit verlangt erst gewisse Zugeständnisse u. s. w." berichten die Zeitungen. Haben die Juden, hat Heine, hat Fränkel aus Breslau, auch erst Zugeständnisse verlangt, bevor sie sich und das Ihrige zur Rettung und Hilfe im Unglücke darboten? — Die Fürsten und Herren, welche Rettung brachten, erhielten Votivtafeln und Medaillen; die Juden erhielten zum Dank von den „Hamburger Kaufherren" die Ausschließungs-Medaille. — Ist das nicht schön? — Cato. Aus dem Herzogthum Nassau, 9. Mai. Das Franks. Journal enthalt in einem Artikel von hier aus folgende, etwas mysteriöse Worte: „Die Emanzipation der Juden schreitet bei uns langsam, aber sicher vorwärts. Nur ungeschliffene und ihren Christennamen nicht verdienende Gemeinden sind im Stande, den wohlwollenden Absichten der Regierung entgegenzuarbeiten. Der Eigennutz und die Rohheit machen sich eben überall geltend, werden indessen die wohlwollende Intention der Behörden nicht zurückdrängen." Hamburg, 21. Mai. (Privatmitth.) Gegen den Hauptpastor Herrn Dr. Alt ist wirklich wegen der Grundsteinlegungsprcdigt von drei mystischen Pastoren eine Anklage versucht worden: aber sowol das geistliche Ministerium als der Senat haben sich für inkompetent erklärt. Preußen. Breslau, im Mai. (Privatmitth.) Hier ist ein Programm „zur Prüfung in der jüdischen Reli-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.