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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-06-03 · Heft 23 (3.6.1844) · p. Seite 306

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 23 (3.6.1844)
Date
1844-06-03
Page
Seite 306 (sequence 2)
Language
German
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306 Ursache ist. Würde alles Individuelle und Parteiliche so in die deutsche Einheit aufgehen, wie Ln England, in Frankreich, dann hätten wir dergleichen nicht zu bedauern. In diesen Ländern finden wol auch Reibungen, Parteiungen statt, aber wo vernimmt man von solchen Verfolgungen, von solchem schroffen und blinden Haffe und Gegenübertreten? Würde der Deutsche stch nicht immerfort als Katholik, als Protestant, als Jude fühlen, würde er sich vor Allem und durchdringend als Deutschen fühlen, so würde es anders stehen. — Dies ist nun Alles sehr schlimm. Man kann es voraussehen, daß dieses Unwesen, das leider! so viele geschäftige Hände zur Mehrung und Aufreizung findet, Deutschland wieder an den Abgrund der Zerwürfnisse und der Ohnmacht führen muß. An den Kindern ahnden sich die Sünden der Väter! — Ach, anstatt daß die Menschheit nach Eintracht und Liebe, uach Frieden und Sicherheit streben sollte, sieht man die Kampfelemente wieder wachsen, sich anhäufen, es wühlt und wühlt, bis daß es mit Entsetzen hervorbrechen wird. Was das nicht minder herzlich Betrübende dabei ist, das ist, daß gerade die, welche dem kräftig entgegenarbeiten sollten, mit Blindheit geschlagen sind. Ein Beispiel für viele. Ein Mann wird erschlagen gefunden; der Mann ist ein jüdischer Religionslehrer; derselbe soll Streit mit den Orthodoxen seiner Gemeinde gehabt haben; wer hat ihn erschlagen? Ein Blatt, welches den Judenhaß jeden Tag predigt, sagt aus: das haben die orthodoxen Juden gethan! Und ehe noch ein Wörtchen von allem Dem feststeht, wiederholen es alle deutschen Blätter: die Allg. Preuß. Zeitung, die Aachener Zeitung, die Deutsche Allg. Zeitung ff. ff. man sieht es, alle ohne Ausnahme, ihre Farbe sei, welche sie wolle. Es handelt sich darum, den Juden etwas aufzuheften: sie machen Chorus. Nun kann die Berichtigung hinterdrein hinken, wer achtet darauf. Ja, die Sache der Humanität liegt im Argen, die heilige Sache des Religionsfriedens ist in großer Gefahr! Aber das wisset, wo Haß gesäet wird, wird Sturm geerntet. Der Strom, in den Ihr das Wehen des Sturmes lenket, wird aufbrausen und anschwellen und Eure eigenen Ufer überschwemmen. In der Menschheit wie im Menschenherzen ist Alles eine Einheit — der Judenhaß ist nichts JsolirteS, er ist Haß, und dieser wendet sich bald gen Andre, gen Alles. Ihr tragt die Schuld, Ihr werdet die giftigen Früchte verzehren müssen! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, im Mai. (Privatmitth.) Wieder ein Jahr getäuschter Hoffnung vorüber! Als es Anfangs vorigen Jahres sehr düster an unserm Horizonte aussah, erfreuete uns der Maimonat mit einem klareren Himmel, und mit den schönen grünen Fluren sollte sich auch die Natur unsers Synagogenwesens verjüngen und erneuen. Es ward uns nämlich die frohe Kunde, daß das Haus Rothschild eine neue Synagoge (auf der Stelle der beiden Alt- und Neuschule) nebst der ganzen innern Einrichtung auf eigene Kosten erbauen wolle und zu diesem Behufe mit dem Vorstande der hiesigen Gemeinde einen ziemlich detaillirten Vertrag einging. Die desfallsigc Unterhandlung ging Anfangs langsam von Statten und drohte wieder abgebrochen zu werden, als die Ankunft des Herrn Salomon von Rothschild dem prekären Zustande ein Ende machte, und der inest. Vertrag wurde unterschrieben und besiegelt. — Abgesehen nun von dem heiligen Zweck der Sache selbst, war besonders das Augenmerk der Herren »...i R. darauf gerichtet, daß auch im Gefolge des neuen Gotteshauses Friede und Eintracht, — ein herrliches Zwillingspaar! — die leider seit langer Zeit hiesigen Orts nicht mehr zu finden sind, wieder in unsere Mauern einkehren mögen, und Franfurt sein früheres Prädikat: dni “p? bäma’a wieder erlange. Und was war wol geeigneter dieses schöne Ziel zu erreichen, als die langst ersehnte Ausnahme eines zweiten Rabbiners zur kräftigen Unterstützung unsers Oberrabb. Herrn Trier und zur Ausführung der wesentlichen Verbesserungen und Anordnungen, die zugleich mit der Erbauung einer neuen Synagoge bei uns in's Leben treten sollten! Nun, dieser Gegenstand war, wenigstens damals, zur Zufriedenheit Aller erledigt, ein neuer Rabbiner sollte und mußte regulativmäßig aufgegenommen werden, auch daß derselbe unserm Oberrabbiner eine persona grate sei, dafür war eben im Kontrakt durch eine besondere Klausel (§. 6) gesorgt. Jndeß „die Zeiten ändern sich und wir in ihnen;" denn gerade ein Jahr nach der Unterzeichnung besagten Vertrags (12. Mai 1843) ließ das Haus Rothschild solchen vom Vorstande der hiesigen Gemeinde zurücksordern und erhielt ihn. Warum?

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