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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-05-27 · Heft 22 (27.5.1844) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 22 (27.5.1844)
Date
1844-05-27
Page
Seite 300 (sequence 8)
Language
German
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300 Dafür wurde ihm ein prachtvoller in Silber gefaßter Krystallbecher überreicht. (D. A. Z.) Rußland und Polen. In den Verhältnissen der polnischen Juden hat sich noch Nichts geändert; die Versetzung von der Grenze ist noch schwebend, die Rekrutirung nahe bevorstehend. Amerika. Kingston in Jamaika, im März. In der portugiesischen Synagoge wurde am 7. März ein Meeting über die Versetzung der polnischen Juden gehalten, dem alle Israeliten der Stadt beiwohnten, und in welchem Herr A. A. Lindo den Vorsitz führte. Es wurde ein Konnte erwählt, welches die Resolutionen veröffentlichen soll, die dahin gingen, das Mitgefühl der dortigen Israeliten über diesen Gegenstand aufs lebhafteste auszusprechen, und alle Gemeinden Amerika's zu gleicher Aussprache zu veranlassen. Korrespondenz. Wanderung durch Krakau, Galizien, Bukowina, Moldau und Wallachei. (Fortsetzung.) Dieses ist so ungefähr der Gang des Cheiderstudiums das jeder jüdische Jüngling hier — in Polen — ohne Unterschied des Standes, des spatern Berufes selbst der individuellen Fähigkeiten durchmachen muß, eines Studiums, das den Ungeheuern Zeitraum von zwölf bis dreizehn Jahren umfaßt (nämlich vom vierten bis zum sechzehnten oder siebzehnten Lebensjahre) während der ganzen Zeit den geplagten Kindern bei Tag und bei Nacht vollauf zu thun macht") und das oer Jüngling ") Das Kind bleibt im Cheider gewöhnlich von 9 Uhr des Morgens bis um 1 Uhr Nachmittags; ferner von 3 Uhr Nachmittags bis um 6—7 Uhr Abends. In den späteren Cheiderklassen wird das Mittags-Jnterstitium von zwei bis drei gleich nach Tische dazu benutzt, um am Ende verlaßt um als ausgebildeter — Ignorant, nicht wissend was auf Gottes lieber Erde vorgehet, nicht einmal ahnend das Dasein jener allgemeinen Wissenschaften, deren Prinzipien jetzt ein Knabe aus einer ordentlichen Elementar-Dorfschule an den Fingern abzählt; ja selbst völlig unwissend in den Prinzipien seiner eignen Religion. — Denn wie wenige Aeuber-Haluche- Toisfes-Schüler vom Letzten Sman (Semester) wissen die Bedeutung der dreizehn Glaubensartikel, die sie im Ani Mamin täglich ableiern! Wo bekümmert man sich im ganzen langwierigen und langweiligen Cheider-Kursus um einen Unterricht der ächten Moral selbst nach den strengsten jüdisch-orthodoxen Prinzipien? Wie viele Cheider-Baat-Beßlich wissen nicht einmal vom Dasein jenes goldenen bechaischen Sittenbuches (rii22vN nsin), zu Hause durch einen Schreiblehrer im Jüdisch-Schreiben (und bei sehr wenigen Halbaufgeklärten auch im Deutsch-Schreiben) und Rechnen unterrichten zu lassen.— Im Arwüwje-Cheider fangt das Gemure-Jüngetchen schon an im Winter bei Nacht zu gehen, d. h. das arme Kind muß seinen anstrengenden Gemure-Unterricht noch bis um 8 Uhr Abends sortsetzen. Dieses gehet so fort bis zur Aeuber-Aeuber-Haluche-Toisfes, und es ist wahrlich ein herzzerreißender Anblick, diese geplagten Geschöpfe schaarweise in spaten unfreundlichen Winterabenden, mit kleinen, kaum erleuchteten (meist selbst verfertigten) Papierlaternchen in der Hand und einem mitternächtlich finstern Besser hinter sich durch die Gassen wandern zu sehen. — Einiger Erleichterung erfreuet sich das Cheider-Jüngetchen jedoch in den Frühlings- und Herbstnachtgleichen, oder im Monat Nissan und Tischri. Diese beiden Monate werden Ben-Hasmanim (Zwischen-Zeiten, Ferien) genannt, die zugleich aber auch für die Melamdim (Cheider-Lehrer) die Meßzeiten abgeben, um sich recht viele Schüler (Talmidim) zu erwerben oder besser einzuhandeln. — Es würde uns zu weit führen hier die Kniffe und Jntriguen darzustellen, die im Ben-Hasmanim von den Melamdim und ihren Belfers angeknüpft werden, theils um einen wichtigen Talmid, dessen Ausgang bevorstehet, dennoch weiter zu behalten; theils um einen andern ebenso wichtigen Talmid einem Konkurrenten zu entreißen und zwar durch Ueberredung, Befürsprechung, Gewinnung der Umgebung der Mutter, wobei mitunter durch den Besser auf die vertrauensvolle Hausmagd nicht wenig instuict wird und endlich wenn dieses Alles scheitert durch wirklichen Kauf (Uebtratgeld) vom bisherigen Melamed — frnis coronat opus — durch regelrechten Faustkampf. — (Die Melamdim begreifen das alles unter die drei inhaltsschweren Wörtchen: ymnb S-ib^srib nnnbnbi). — Korresp.

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