Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1844)
- Date
- 1844-05-27
- Page
- Seite 299 (sequence 7)
- Language
- German
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299 dabei blieb es nicht. Der nach jener Zeit engagirte Kantor, ein junger, für sein Amt strebsamer Mann, mit einer sehr schönen, ausgebildeten Stimme, wußte die Gemeinde für die Einführung des Choralgcsangcs zu gewinnen, und außer den fähigen Schulknaben boten sich auch gerne junge Leute zur Verherrlichung des Gottesdienstes dar, so daß der sabbat- und festtägliche Gottesdienst wahrhaft erhebend und feierlich wurde, und mit freilich nicht großen Kräften das Möglichste geleistet wird. Doch die Gemeinde wollte auch durch verständliche und verständige Belehrung erbaut werden und sie scheuete kein Opfer dafür, so daß zu Ostern 1842 ein Rabbiner ausgenommen wurde, der als Prediger den Erwachsenen, als Direktor der neu organisirten Bürgerschule der Jugend Belehrung ertheilt, und mit Freude und zum sichtbaren Segen das gute Werk fördert. Und wie die jüdische Gemeinde stets mehr an Achtung und Anerkennung bei Allen, die sie kennen lernen, gewinnt, so hat sich auch die Bürgerschule eines besonder» Wohlwollens der Königlichen Regierung und der Schuldeputation *) zu erfreuen. So wurde ihr erst jüngst die Ehre eines Besuches des Herrn Chef- Prasidenten und des Herrn Regierungs- und Schulraths aus Köslin zu Theil, welche einige Stunden dem Unterrichte beiwohnten und sich von den Leistungen in derselben überzeugten. So bedeutend nun die Ausgaben für Synagoge und Schule in einer an Mitteln nicht reichen Gemeinde sind, so hat doch der milde Sinn der Mitglieder seit wenigen Jahren noch besondere wohlthätige Vereine in's Leben gerufen, die, zweckmäßig verwaltet, auch dem guten Zwecke entsprechen. Der Krankenverpflegungs- und Beerdigungs-Verein „thut wohl an Lebenden und Tobten." Bei Beerdigungen herrscht sehr lobenswerther Anstand und Ordnung; für die Kranken wird möglichst Sorge getragen. — Da seit einigen Jahren den durchwandernden Armen das Almosensordern in den Häusern polizeilich untersagt ist, so werden durch jährliche freiwillige Beiträge, die sich auf 89—90Thlr. belaufen, die durchreisenden Armen nach Kräften unterstützt. — Ein *) Seit dem vorigen Jahre ist der Schule durch die wohllvbl. Stadtverordneten der Bedarf ihres Holzes aus städtischen Fonds frei überwiesen worden. dritter Verein hat es sich zur Aufgabe gestellt, durch monatliche Beiträge, die sich für das Jahr ebenfalls aus 50 Thlr. erstrecken, verschämten Hausarmen, denen bei aller Anstrengung die Erhaltung schwer wird, Hilfe zu reichen. Und endlich hat sich seit Purim dieses Jahres ein „Frauen-Verein" gebildet, dessen Aufgabe es ist, arme Wöchnerinnen und weibliche Kranke durch Geld und Verabreichung von zuträglichen Speisen zu unterstützen. — Nachdem der Rabbiner am Sabbat vor Purim gepredigt und in Esther ein Muster edler Weiblichkeit dargestellt hatte, und die Frauen zur Nacheiferung aufforderte, traten in weniger als zwei Tagen fast alle Frauen zu dem berührten Vereine zusammen, und es ist bis jetzt gelungen, durch Eintrittsgelder, monatliche und andere Beiträge.schon einen Fond von 50 Thlrn. niederzulegen. Wer, wie Referent, es bemerken konnte, in welcher kummervollen und traurigen Lage oft arme Wöchnerinnen oder arme weibliche Kranke sich befinden, der wird eingestehen, daß ein solcher Verein gewiß eben so nothwendig, als heilsam ist. — So wirkt die hiesige Gemeinde und jeder Einzelne in ihr nach möglichsten Kräften zum Guten und sie wird auch für die ganze Provinz als Muster eines guten Strebens und als Beispiel betrachtet, was acht frommer Sinn, guter Wille und vor Allem, was Eintracht und Friede zu wirken im Stande sind. — Oesterreich. Preßburg, 10. Mai. Am 6. Mai fand hier die feierliche Installation der israelitischen Kinderbewahranstalt statt. Der Palatin nebst einer Menge hoher Herrschaften war zugegen. Auch von Wien waren zahlreiche Freunde des Festes angekommen, unter denen man mehre reichgeschmückte Damen der nichtchristlichen b-wts volöo bemerkte. Baron Rothschild war indeß nicht erschienen. Das Gebäude der Anstalt ist ans den Namen des Baron Sina zu Wien angekauft worden, da die Juden hier von dem Besitze bürgerlicher Grundstücke ausgeschlossen sind. Der wiener Großhändler Todesco, dessen wvhlthätiger Sinn seit langer Zeit die allgemeinste Anerkennung genießt, hatte zur Begründung der Anstalt die bedeutende Summe von 20,000 Fl. beigesteuert.