Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1844)
- Date
- 1844-05-27
- Page
- Seite 298 (sequence 6)
- Language
- German
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298 weniger demolirt wurden. Mißhandlungen an Personen scheinen nicht stattgefunden zu haben. Als nächste Veranlassung zu diesem Akt des Vandalismus erzählt man sich hier, ein sehr ehrwürdiger Priester zu Gesecke habe ein mit dem Poststempel Paderborn versehenes anonymes Schreiben erhalten, welches nicht blos die gröbsten Beleidigungen für ihn, sondern auch arge Schmähungen gegen die katholische Kirche und alles den Katholiken Heilige enthielt. Der Inhalt wurde alsbald in Gesecke bekannt und angeblich ermittelt, daß dieser Droh- und Schmähbrief von den gesecker Juden herrühre. Es erzeugte sich dadurch eine Erbitterung gegen die Juden, und so kam es zu jenen bedauernswerthen Exzessen. Den eigentlichen Hergang der Sache wird die ohne Zweifel eingeleitete gerichtliche Untersuchung wol näher Herausstellen. Berlin, im Mai. (Privatmitth.) In Sachen des Gesellenvereins hat die gute Sache der Humanität über die Pietisterei einen vollständigen Sieg erfochten, und es ist von Trennung und Ausscheidung in konfessioneller Beziehung keine Rede. Itordhausen, 8. Mai. (Privatmikth.) Nachdem hier seit Jahren das Bedürfniß zur Erbauung einer Synagoge fühlbar und die Genehmigung zum Baue selbst schon von des hochsel. Königs Majestät ertheilt worden war, ist von der hiesigen Gemeinde ein passendes Grundstück käuflich erlangt, und in dessen Raume am 7ten h. der Grundstein zu dem Werke Gottes gelegt worden. Auf vorhergegangene Einladung erschienen zu der Feier der hiesige Landrath, der Magistrat, das Stadtverordneten-Kollegium so wie viele Bürger hiesiger Stadt, auch die Geistlichen, obgleich nicht in ihrer Amtstracht, wohnten der Feier bei. Diese wurde aus einfache, aber erhebende Weise vollzogen. Nachdem einige Gesänge von dem hiesigen Synagogenchore unter Musikbegleitung ausgesührt waren, hielt der Religionslehrer und Prediger Herr A. Cohn einen passenden, gediegenen Vortrag, nach Schluß dessen der Landrath des hiesigen Kreises, Herr von Byla, dann der Major und Kommandeur der hiesigen Garnison, der Bürgermeister, die Mitglieder des Magistrats und der übrigen Behörden die üblichen Hammerschläge aus den Grundstein vollzogen, denen die Mitglieder des Gemeindevorstandes folgten. Nach Legung des Grundsteins wurde die Feier mit dem von dem Herrn Musikdirektor Sörgel in Musik gesetzte 150ste Psalm beendet. Sv wollen wir mit Gottes Hilfe dem glücklichen Fortschreiten und der Beendigung des Baues entgegensehen, und erwarten, daß die neue Synagoge uns auch eine würdige Ausübung des Gottesdienstes bringen möge, und manche Mißbräuche aus derselben entfernt bleiben. Nicht unbemerkt will ich lassen, daß die rege Theilnahme, welche die Behörden sowol als unsre Mitbürger durch ihre Gegenwart bei der Feier, sowie durch ihre herzlichen Wünsche und Aeußerungen gezeigt, uns angenehm berührt und den Beweis geliefert hat, daß es nur einer würdigen, angemessenen Haltung von unsrer Seite bedarf, um unsrem Gottesdienst, unsren Gebräuchen die Achtung unsrer christlichen Mitbrüder zu verschaffen." Stolp, 16. Mai. (Privatmitth.) Wenn irgendwo der herrliche und wahre Satz unserer Weise» sich bewährt, „daß es kein heilsameres und segenreicheres Geschenk Gottes für Israel gebe, als de» Frieden," so ist dieß in hiesiger jüdischen Gemeinde. Der Friede, die Eintracht und der gute fromme Sinn haben in dieser an Seelenzahl nicht bedeutenden Gemeinde seit wenigen Jahren Institute entstehen lassen, deren manche große Gemeinde i» Israel bei weit größeren Mitteln sich noch nicht rühmen kann. Nicht ein Einzelner, nicht einige Wenige sind es, die hier für das Ganze wirken, während die Uebrigen unbetheiligt genießen, sondern Alle wirken einmüthig zusammen, und sobald es die Verwirklichung oder Beförderung eines guten, der Gemeinde wohlthuenden Zweckes gilt, will Niemand ausgeschlossen bleiben. Darum ziemt sich's auch hier nicht, Einzelne vor Anderen zu loben, die in ihrem Innern sich etwa mehr zur Hebung des Ganzen angespornt fühlen, „weil die ganze Gemeinde — sie alle fromm sind und in ihnen der Geist Gottes wohnt." Jeder, der die hiesige Gemeinde vor einem Jahrzehnt kannte und jetzt wieder sie kennen lernt, staunt und freut sich über die gedeihlichen Fortschritte in derselben und erkennet, was die Eintracht und der gute Wile vermögen. Besonders hat seit vier Jahren die Gemeinde sehr viel gewonnen. Eine neue Synagoge wurde mit großen Opfern erbaut; aber