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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-05-27 · Heft 22 (27.5.1844) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 22 (27.5.1844)
Date
1844-05-27
Page
Seite 297 (sequence 5)
Language
German
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297 Am 8. Mai sagte der geniale Jesuiten - Vertheidiger Graf von Montalembert in der Pairskammer: Autrefois je criai comme nies camaradcs contre les jesuites; niais (juand j’ai vu que les honames les plus opposes d’ailleurs se reunissaient pour les persecuter, je me suis dit, qu’il devait y avoirdans ces hommes objets d’une Opposition de cette nature quelque chose de sacre et de mysterieux, voilä comme je suis devcnii leur admirateur. Könnten wir die allgemeine Anwendung dieses Motivs auf die Juden erlangen, was würden wir nicht für Freunde und Bewunderer haben! An heterogenen Feinden hat es uns nie gemangelt. Der Papst und Luther und Voltaire; Paulus und Bauer und Theremin! Aus Baiern, im Mai. (Privatmitth.) Es ist vor Kurzem die Verordnung ergangen, nunmehr auch in's Leben getreten, daß in den Gymnasien jede Konfession abgesondert Geschichtsunterricht erhalten solle, und zwar durch Geistliche. Wir wollen uns jeder Bemerkung hierüber enthalten, so nahe sie uns läge, nur notiren, daß es den Juden freigestellt worden, wo sie die Geschichte hören wollen, ob bei den Katholiken oder Protestanten. Jedenfalls höre man auf, die Juden des Mangels an Aufklärung zu zeihen: der steckt wahrlich! jetzt wo ganz anders. Das Blättchen hat sich gewandt! — Frankfurt am Main, im Mai. Mit Beseitigung alles Zeitungsgeschwätzes stehet fest: I) daß Herr von Rothschild die Schenkung von 200,000 Fl. zu einer Synagoge zurückgenommen, weil die Bedingungen bei der Rabbinerwahl nicht eingehalten worden; 2) daß der Rabb. Herr Trier seine Dimissivn genommen und auf die Pension verzichtet hat. Frankfurt au» Main, 7. Mai. (Boss. Zeit.) Das schon vor längst projektirte Komite für die Unterstützung der hart bedrängten russischen und polnischen Grenzjudcn hat sich bis jetzt noch nicht förmlich bilden können, wenn schon es hier keinesweges an regem Interesse für das Schicksal der unglückliche» Stammesgenossen fehlt. In welcher Weise sich aber dieses Interesse durch die That äußern soll, darüber ist man weder hier noch zu Paris, London rc. zur Einigung gelangt. Nur darüber ist man einverstanden, daß solches nicht auf dem vom Rabbiner Hirschfeld zu Wollstein bezeichneten Wege geschehen dürfe, sondern daß durch Errichtung von jüdischen Niederlassungen außerhalb den Grenzen des russischen Reichs für die Bedrängten gesorgt werden müsse. Da nun zur Ausführung dieses Vorhabens vor allem die Erlaubniß, jene Grenzen zu überschreiten, erforderlich ist, so hat man sich zur Erlangung derselben nach St. Petersburg vom Haag aus gewandt, indem man die Hoffnung hegt, daß sich in dieser Königl. Residenz eine höchstgestellte Person zu Gunsten des desfallsigen an den Kaiser selbst gestellten Gesuchs verwenden werde. Der Erfolg ist noch zu erwarten; in der Zwischenzeit aber soll ein Versuch gemacht werden, sich für die Aufnahme jüdischer Kolonisten in Texas mit der zum Behufe der Begründung deutscher Niederlassungen in diesem Erdstriche bestehenden Gesellschaft von Aktionären in Beziehung zu setzen. Der erste dahin führende Schritt ist dieser Tage beim Prinzen Karl von Solms-Braunfels gethan worden, der bekanntlich die Oberleitung dieses Unternehmens ' in Auftrag der Gesellschaft zeitweilig übernommen hat. — Das Komite für die Gründung einer jüdischen Versorgungsanstalt in. unserer Stadt hielt bis jetzt allererst eine Sitzung; ob aber überhaupt das Projekt in der beabsichtigten Ausdehnung zur Ausführung gelangen wird, bleibt noch sehr in Frage gestellt, da derselben durch den Zwiespalt im hiesigen Judcnthume allerlei Schwierigkeiten erwachsen. Daß sich aber bereits Rothschild dabei mit einer Summe von 10,000 Fl. betheiligte, ist thatsächlich unwahr. Hildburghaufen, 8. Mai. In diesen Tagen gingen täglich zahlreiche Haufen von Auswanderern aus Baiern, unter ihnen viele Israeliten, durch die hiesige Gegend. Preuße«. Paderborn, 10. Mai. In unserer Nachbarstadt Gesecke (heißt es in einem durch den Westphälischen Merkur veröffentlichten Privatschreiben) haben gestern Abend beklagenswerthe Auftritte stattgefunden. Zwischen 8 und 9 Uhr rotteten sich Volkshaufen zusammen und überfielen die Wohnungen der dortigen Juden, die sämmtlich, eine ausgenommen, in welcher eine Wöchnerin lag, mehr oder

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