Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1844)
- Date
- 1844-05-13
- Page
- Seite 270 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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270 bei gutem Willen zum Verständniß dessen, was Roth thrtt, zu kommen. Wäre ein lebeMger Geist in ihnen, eia Feuereifer, der mit tausend Zungen redet, so sollte es wahrlich! gelingen, ohne äußere Hülfe zum Ziele zu kommen. Selten sah man andrerseits, daß ein reiner Wille nicht dennoch endlich sein Werk aufbaute und seine Pflanzung zur Blüthe brachte, wenn er, vor jedem Schreckbild nicht zurückweichend, Ausdauer und nachhaltige Kraft besaß. Ein andres Uebel ist es, daß man stets auf die Reicheren sieht, von diesen die Mittel und Hülfe verlangt, und, selbst wenn sie sie darbieten, sich dabei beruhigt und es gut sein läßt. Daheißt es immer: der und der muß es thun, der und der muß dazu hergeben, oder warum thut der und der es nicht? Ueber diese elende Abhängigkeit, in die man sich von den Kassabeuteln der Banquiers setzen will! Weiter fehlt Nichts, als daß die Juden selbst die reichen Geschäftsmänner, die Papierhändler für ihre Repräsentanten ansehen, da der Christ sie schon dafür ansieht. Es wird dann dahin kommen, daß die religiösen Fragen des Judenthums an der Börse ausgemacht werden, und aus den Waarenmagazinen ihre Entscheidung holen müssen. Der große Mittelstand übersieht dabei seine ungeheuren Kräfte; bei der unendlichen Lässigkeit, in die er versunken, bei der Trägheit und Indolenz, der er in religiösen Dingen anheimgefallen, nimmt er seine Zuflucht zu Einzelnen, und bedenkt nicht, oder will nicht bedenken, welche Macht in ihm ruht, wenn er kräftig ersteht, und wie er dann gar keine- Einzelnen, auch nicht des reichsten, auch nicht des gelehrtesten bedarf. So aber wirft der Mittelstand die ganze Last auf ein Paar Reiche, oder auf die Sechser der Armen, in denen noch das religiöse Moment lebendig ist, weil ihr Rothstand sie täglich daran erinnert. Wie wir schon öfter in diesen Blättern bemerkt haben: außerhalb unsres Kreises ist eine wunderliche Meinung von unserm Zusammenhalten, von der Fülle der uns zu Gebote stehenden Mittel und Kräfte verbreitet. Der christliche Geistliche glaubt seinen jüdischen AmtSbruder in Golde schwimmend, wähnt, derselbe braucht nur zu sprechen, und die Denare fliegen herbei, um seine Absicht Ln's Werk zu setzen. Weil man uns in die Rothwendigkeit versetzt hat, bisweilen für ein gemeinsames Bedürfniß zu wirken, hält mau uns für verbunden im engsten Verbände, schiebt uns eine Innigkeit, eine Anhänglichkeit unter, eine stete Bereitwilligkeit unsre Kräfte zu akkumuliren — die in der That am wenigsten vorhanden ist, die am wenigsten dem jüdischen Geistlichen zu Gebote steht. Vor einem halb Dutzend Jahre gab es einen Schriftsteller — Viktor Lenz nannte er sich — der von Nichts als einer jüdischen Kameraderie träumte, überall eine solche witterte, überall sie denunzirte, bis derselbe — in Wirklichkeit — in einem Jrrenhause starb. Aber man sollte es nur wissen, man sollte nur einen Einblick in die Wirklichkeit thun, und derselbe ist wahrlich! nicht schwer, er kann überall gethan werden. Mau würde uns reich — an Worten finden, nicht aber an Werken. Ja, wenn es für nicht-jüdische Angelegenheiten ist. Hat doch der Kölner Dombauverein an 500 Mitglieder in der jüdischen Gemeinde Berlinds gefunden, aber das jüdische Hospital in Jerusalem — kein einziges! Nun, ich möchte doch fragen, ob der Kölner Dom für die Israeliten Berlins ein näheres Interesse bietet, als das jüdische Hospital in Jerusalem — das man so weit findet. Ich glaube, der Bischof Alexander würde noch eher Unterstützung bei den Reichen der Mark finden, denn ein nahe liegendes Interesse ließe sich da wol demonstriren. Man könnte dadurch gefallen. Fürwahr, Israel ist arm, sehr arm — im Bettlergewande schreitet es einher, es hält die Hand offen, und Niemand füllet sie! (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, 2. Mai. (Privatmitth.) Heute Mittag ward hier eine Frage zu unserm Nachtheil entschieden, die, an sich ohne großen materiellen Werth doch unleugbar von der Stimmung für weitern Fortschritt kein gutes Zeugniß giebt. Der von der Kommerzdeputation an den ehrbaren Kaufmann (die offiziellen Versammlungen der Kaufmannschaft werden hier so genannt) gestellte und von ihrem zeitigen Präses Geffcken in einem meisterhaften Vortrage unterstützte Vorschlag der Zulassung jüdischer Kaufleute zu eben diesen Versammlungen ist mit 195 gegen 133 Stimmen abgelehnt worden. Wer die hiesigen Verhältnisse kennt, wird über die große Zahl der Votanten staunen, da diese Versammlungen bei dem geringen Interesse, das sie erregen, in der Regel nur von 30 bis 50 Personen besucht werden: es verhält sich aber so, daß dieser Vorschlag