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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-05-06 · Heft 19 (6.5.1844) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 19 (6.5.1844)
Date
1844-05-06
Page
Seite 264 (sequence 8)
Language
German
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264 von Abkunft und Wohlhabenheit (Besitzers Lines Banquierhauses), von bedeutender talmudischer und belletristischer Bildung, von ausnehmender Herzensgute, die nur mit etwas zu wenig Energie und Fortsschrittsbedürfniß gepaart ist. — Sehen Sie, sagte mir mein Freund, diese beiden großen Gebäude nach Osten und nach Westen sind unsere beiden Hauptsynagogen (Schulen). Jene wird allgemein die alte (Alte-Schüt), diese hingegen die neue (Neue-Schül) genannt, obschon ihr äußeres Aussehen dieser Benennung geradezu widerspricht. Denn unsere Alte-Schul, obschon in ihrer Bauart antiker, sieht jedoch, besonders seit ihrer Renovirung (nach der großen Feuersbrunst, die Brody im Jahre 1833 heimgesucht), bei weitem jugendlicher und freundlicher aus, als unsere Neue-Schül, die ein düsteres und veraltetes Aussehen zur Schau tragt. — Wir traten in die Alte-Schul hinein. — Es ist ein wahrhaft imposantes, großartiges Gebäude. Diese Synagoge soll der Sage nach nur von der großen Amstecdammer übertroffen werden, wenigstens habe ich auf meinen Reisen durch Deutschland und Polen keine ihr ähnliche gefunden. Der innere Raum umschließt ein gewaltiges Quadrat, das 8000—9000 Personen zu fassen im Stande ist. Die Tiefe dieses Salons mag wol bis 60 Fuß und darüber betragen, das ihn deckende Gewölbe wird von vier riesengroßen, umfangreichen polygonischen Säulen getragen, die in der Mitte eine Kuppel bilden. Der Boden ist mit großen Quadersteinen belegt. — Zwischen den vier Säulen erhebt sich ein großer Baal-emmcr (eigentlich Baal-mimer, oder Bimah-Altar), der von eisernen Gitterwerk begränzt, eine Elipse bildet. Merkwürdig war mir folgender Umstand. Auf dem auf dem Baal-emmer stehenden Pult —- das für das Vorlesen aus der Tora bestimmt ist — liegt, unter andern ein foliogroßes, hartgepolstertes ledernes Kissen, und daneben eine kleine hölzerne Schaufel (in Polen: Pralnik). Diese beiden Instrumente dienen um Ruhe (!) und Ordnung in der Synagoge zu handhaben (;) Denn bei etwa entstehenden Geräusche oder allzulautem Lispeln (wie dort so häufig) oder beim Anfang der Schemonah-Esreh u. dgl. schlägt der Schuldiener (Schames) mit dem Pralmik derb auf's Kiffen, wodurch ein gewaltiges Geräusch entstehet und eben dieses Geräusch ist ein Zeichen der zu beobachtenden Ruhe! Unordnung und Geräusch wird demnach hier (wie etwa beim homöopatischen Heilverfahren) durch Unordnung und Geräusch beseitiget! Diese eigenthümliche Prozedur ist indessen nicht immer hülfrer'ch; denn ich bemerkte gar oft, daß der Schames gezwungen war, ein halbes Dutzend Mal hinter einander den Pralnik zu gebrauchen, wahrend dem die Unordnung des Publikums, begünstiget durch dieses immer mehr zunehmende Pralnik-Geräusch, in gleichem Maße immer höher stieg. Ist denn aber, frage ich, kein anderes vernünftiges Mittel vorhanden, um Ruhe und Ordnung in der Synagoge zu erhaltend muß man erst in jenem, schon seiner Benennung und sonstigen Gebrauche nach (der Pralnik wird sonst von den Wäscherinnen fast allein gebraucht), höchst anstößigen, die Andacht ungemein störenden Pralnik sein Heil suchen? — Wer dieses zu bezweifeln glaubt, besuche nur einmal die Tempel zu Hamburg, Wien, Prag, ja selbst die meisten bessern orthodoxen Synagogen in Deutschland und — er wird sich eines Bessern überzeugen. — Die vielen, vielarmrgen und mitunter gigantesken Girandolen, die in vielen Reihen im Synagogenraum schweben, geben dem Ganzen einen imposanten Anblick, der sich an Freitag- und Festabenden, wo diese zahllosen Leuchter sammtlich erleuchtet werden, zum wahrhaft Erhabenen steigert. Am Jom-Kippur-Abend, wo diese Synagoge einem Flammenmeere gleicht, wird sie des unbeschreiblich schönen Anblicks wegen, dm sie dann gewährt, von zahlreichen christlichen Zuschauern besucht. — Die Synagoge war zur Zeit .als wir ffr'e besuchten nur mäßig gefüllt. Es war eben der alltägliche Morgengottesdienst (Schachens), der abgehalten wurde. Die eigentliche Stimme des Vorsängers (Chasan) hörte man nur in seiner nächsten Nähe. Im übrigen großen Synagogenraum, aber besonders in seinem westlichen Ende hörte man nur das Echo des Vorsängers.» Die Fernstehenden müssen sich daher mechanisch nach den ihnen nächststehenden Vormännern richten und diese wiederum nach ihren Vormännern, bis zur unmittelbaren Rahe des Chasan's. Man kann also sagen einige Personen haben da den Ehasan, die ganze Gemeinde aber sich selbst zum Vorsänger. — Sollte man hier, frage ich wieder, nicht schon deßwegen daran denken den Platz des Chasan auf die im Zentrum sich befindende Bimah zu verlegen, um ihn so für die ganze Gemeinde hörbar zu machen, eine Veränderung, die außerdem noch aus anderweitigen wichtigen Gründen geboten wird, und die in den modernen Gotteshäusern Deutschlands seil Kurzem, sowie in der orthodoxen Bethatfilah (Synagoge)

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