Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1844)
- Date
- 1844-05-06
- Page
- Seite 262 (sequence 6)
- Language
- German
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262 fett unsers Volkes zu berathen. Da es hier keine politischen Verhältnisse beträfe, so wäre der verschiedene Ursprung gar kein Moment: wir sind allesammt Israeliten, betraut im Hause des Einigen. Auch giebt es keine Aristokratie in Israel, und Amerika begünstigt solche am wenigsten. Hingegen bedauert der Vers, als ein großes Hinderniß die große Verschiedenheit der religiösen Anschauung. Von der politischen Umwälzung seit der französischen Revolution schreibt er einerseits den Jndifferentismus, andrerseits die Reformsucht her; lange Zeit sei letztere von Amerika fern gewesen; aber der große Zufluß von Einwandrern hätte sie nunmehr auch in Amerika ssehr wachsen lassen; die Entweihung des Sabbats, der Genuß verbotener Speisen, die unjüdische Haushaltung, die Unterlassung der Beschneidung, die Verheirathung mit Nichtjuden, diese wären jetzt von den Fremden auf die Eingebornen übergegangen, welche letztere durch eine mindere religiöse Kenntniß noch weniger als die ersteren geschützt seien. — Der Vers, bricht hier ab, und will den Gegenstand später sortführen. Man sieht übrigens, daß er jener Einigung der amerikanischen Gemeinden zur Realisirung noch nicht die praktischen Mittel und Wege gewiesen. — Das Januarheft enthält noch eine Predigt über die Nächstenliebe; Neela, eine Erzählung; Gedichte; Bericht über die fünfte Jahresfeier der New-Uorker hebrew assistance society, die zweiundzwanzigste der New-Uorker bebrew benevolent Society"), literarische Notizen. Februarheft: Predigt über die Dankbarkeit gegen Gott; Gedichte; Bemerkungen über den Standpunkt der Juden von einer christlichen Dame; Bericht über die Talmud-Tora-Schule in New-York; literarische Notizen. — Märzheft: die göttliche Gerechtigkeit, Predigt; die Juden in China (nichts Neues); Gedichte; Vermischtes. — —. Am 21. Dezember wurde in Philadelphia in der Synagoge in Cherry Street eine Versammlung gehalten, um eine Sammlung anzustellen, Herrn Cremieux in Paris zur Erhaltung der von ihm errichteten Schulen in Kairo und Alerandrien zu unterstützen; es wurden zu diesem Ende drei Komite's (für jede Gemeinde eines) erwählt. *>) Wir haben darüber eine Original-Korrespondenz No. 12 gegeben. Red aßt. —. Zu St. Thomas fand letzten msö an 'e die erste Konfirmation mit drei Knaben und vier Mädchen statt. —. Der Zwist der Gemeinde in Charleston (wegen Umgestaltung des Gottesdienstes) ist durch einen Kompromiß dahin beigelegt, daß die beiden Parteien einen Sabbat um den andern den Gottesdienst in der Synagoge abhalten sollen. Der Geistliche der ältern Partei ist Herr Poznanski, der der neuern Herr Jakob Rosenfeld. —. In Kolumbia in Süd-Karolina ist eine Sonntags-Religionsschule für die israelitische Jugend eröffnet worden. —. In Philadelphia haben sich schon wieder zwei.wohlthätige israelitische Gesellschaften gebildet, die eine (die Vorsteher haben englische Namen) heißt nasc ton, die andre (durchgängig deutsche Namen) führt den langen Titel: nwiöai onion 's^aa 'n naaVin öw\ Literarische Nachrichten. Ntagdeburg, 14. April. Unter den Broschüren und Zeitungsartikeln, welche in jüngster Zeit in Hamburg über die bürgerliche Gleichstellung der Juden erschienen sind, hat „das schwarze Buch von Carlo" den widerlichsten Eindruck gemacht. Am schlagendsten erwiederte ihm ein Pseudonym „Gottfried Siegesmund" (wahrscheinlich vr. Gotkhold Salomen) in dem Schristchen: „Das blaue Büchlein. Eine Weihnachts- und Neujahrsgabe für gebildete und fromme Christen," — von dem es nur zu bedauern, daß es durch die Unduldsamkeit des Altonaer Zensors, der das schwarze Buch gegen die Juden passiren ließ, aber das blaue für dieselben nicht, in seinem Erscheinen aufgehalten worden. Wir empfehlen dasselbe Allen, die sich eine angenehme Stunde verschaffen wollen. Denn so treffend es die Jnvektiven der Gegner zermalmt, so launig und witzig ist es geschrieben, so flüssig und derb zugleich ist cs abgesaßt. Es beginnt folgendermaßen: „Das größte Elend, das die Juden über Deutschland, besonders über die Hansestädte, vorzüglich aber über die gute, freie Stadt Hamburg gebracht haben, bestehet — in dem großen Ameisenhaufen von unwissenden, nichtsnutzigen Skriblern, die durch die jüdische Emanzipa-