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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-05-06 · Heft 19 (6.5.1844) · p. Seite 261

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 19 (6.5.1844)
Date
1844-05-06
Page
Seite 261 (sequence 5)
Language
German
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261 Königsberg, 18. April. Direkte Nachrichten aus Petersburg melden, daß der Proselyt Vary aus Mitau, der Verfasser der monströsen Schrift „Ueber die Emanzipation des Menschen" (Königsberg 1843), trotz seines Uebertritts zur christlichen Kirche und trotz seiner Bertheidigung des harten Edikts vom 2. Mai bei der russischen Regierung eine sehr kalte Aufnahme gefunden hat. Namentlich soll ihm der Minister Uwarow die nachgesuchte Stelle bei der unter l>r. Lilienthal bestehenden Kommission zur Resormirung des jüdischen Schul- und Kultuswesens verweigert und überhaupt seine Hand gänzlich von ihm abgezogen haben. Der um Rußlands Volksaufklärung hochverdiente Staatsmann versteht zu gut, den blos äußern Religionswechsel von der Tüchtigkeit der inner» Gesinnung zu unterscheiden, um sich vom Scheine der Abentheucrlichkeit blenden zu lassen. Es ist keiner Regierung mit dem bloßen Verrathe früherer Glaubensgenossen gedient; nur sittliche Charakterfestigkeit kann unter allen Umständen für die Dauer Bestand halten. — (D. A. Z.) Türkei. Konstantinopel, 3. April. Die jetzt vollendete Volkszählung der Hauprstadt des Reichs ergab 908,000 Einwohner, worunter 100,000 Juden. Amerika. Barbados, 22. Februar. (V. of J.) Seit dem 28. Januar ist auch hier eine israelitische Sonntags-Religionsschule eröffnet worden, mit dem allgemeinen Beifall der hier wohnhaften Israeliten. Philadelphia, im Dezember. Die Monatsschrift tbe Occiäent nimmt einen guten Fortgang, und liegen die vier letzten Hefte des ersten Jahr, gangs (Dez. 1843. Januar, Februar und März 1844) vor uns. Heben wir das Hauptsächlichste hervor. Im Dezemberheft wird kräftig auf die Nothwendigkeit hin gewiesen, daß die israelitische Jugend in ihrem Glauben sorgfältiger als es bis jetzt in Amerika geschah, erzogen werde, da sie sonst unwillkürlich ihrer Religion entzogen wird; es werden dabei Stellen aus diesen Bl. zitirt. — Eine Predigt über die Unveränderlichkeit und Gerechtigkeit Gottes von Nathan in Kingston. — „Das Gesetz des Unveränderlichen" dringt auf die unveränderte Haltung des ganzen biblischen Gesetzes; dieser Artikel ist bei allem schönen Gefühl, mit dem er vorgetragen ist, sehr oberflächlich gehalten. — Die Afghanen sind die Abkömmlinge der verlorenen zehn Stämme. — Berichte über das fünfte Jahr der lemalo hebrew sewing society, und die vierundzwanzigste Jahresfeier der lemale bebrew society in Philadelphia. — Das Januarheft beginnt mit einem Aufsatze: „die Forderungen der Zeit." Der Artikel beginnt mit den Worten: „ Einem aufmerksamen Beobachter muß der Zustand der amerikanischen Israeliten anomal im höchsten Grade erscheinen. Da sind Gemeinden zerstreut über eine unermeßliche Oberfläche des Landes, von den Schneegebirgen Kanada's bis zu den tropischen Höhen von Guiana, und eine Gemeinde weiß absolut Nichts von den Zuständen der andern. Alles ist nicht allein ganz unabhängig geführt, sondern auch meist nicht mit dem geringsten Blick auf die wahren Interessen unsrer Religion. Was die Stimmenmehrheit beschließt, ist Gesetz; seien auch die Beschlüsse der gesunden Konstruktion unsrer Gesetze und Zeremonieen schnurstracks entgegen. Aus demselben Grunde sind oft Jünglinge in der religiösen Kenntniß die Sprecher über die Reform eines Systemes, von dessen ersten Prinzipien sie kaum eine Ahnung haben." Der Verfasser will nun zwar eine völlige Unabhängigkeit jeder Synagoge in ihren Munizipalverhältniffen, dringt aber auf eine Einigung der amerikanischen Gemeinden, namentlich aber daß die, an sich so unbedeutenden Verschiedenheiten der portugiesischen, deutschen und polnischen Minhagim nicht in jeder Stadt die kleine Schaar noch dreimal zerspalten. — Inwiefern die amerikanischen Juden zu solchem engern, allgemeinen Verbände schon reif sind, muß freilich dahingestellt sein. Zu wünschen wäre er sehr. Denn was den Amerikanern noch sehr fehlt, das ist ein angemessner israelitischer Lehrstand, und dieser könnte am besten durch eine gemeinsame Anstalt geschaffen werden. — Der Verf. setzt diesen Gegenstand in den folgenden Heften fort. Er meint, weil die amerikanischen Juden von allem äußern, staatlichen Einfluß frei sind, so wie auch unbeschränkt durch Rabbinate und Konsistorien, vermöchten am besten unabhängige Männer zusammenzutreten, die Jnteres-

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