Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1844)
- Date
- 1844-05-06
- Page
- Seite 260 (sequence 4)
- Language
- German
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260 mit ihm nicht zufrieden sind, steht cs frei, sich einen andern Rabbiner zu wählen. (Augsb. Abendz.) Frankfurt am Main, 22. April. (Privatmitth.) Der Rabbiner Herr Trier hatte seine Demission eingereicht, die aber nicht angenommen worden, weil er bloß auf seinen fixen Gehalt Verzicht leisten, aber Sitz und Stimme bei Kultusfragen ff. behalten wollte. — Der alte Tempel wird restaurirt, damit er wenigstens ein etwas besseres Ansehn erhalte. — Zu dem „Versorgungshause" hat Rothschild 10,000 Fl. gezeichnet. Oesterreich. Ans Böhmen, im April. (Privatmitth.) Zn Betreff der Annäherung zwischen Juden und Slaven sind neuerdings wieder einige kleine, aber nicht unwichtige Schritte geschehen. — Die Herren Leopold Edler v. Lämmel und Forchheimer sind der Matice d. i. ein durch freiwillige Beiträge sich immer vergrößernder Fond des böhmischen Museums zur Unterstützung der Nationalliteratur ff., beigetreten , und viele andre Juden werden ihnen nächstens darin Nachfolgen. — Der slavische Schriftsteller Waclaw Nebesky hat in den Kwety über die Bedeutsamkeit der Juden insbesondere für die Slaven, und über die Vortheile, ja Nothwendigkeit einer gegenseitigen Annäherung sich schön und würdig ausgesprochen. Er ist wahrscheinlich der erste Slave, der in einer slavischen Zeitschrift vorurtheilssrei und liebevoll über die Juden urthcilt. — Zwei slavische Dichter, der Böhme Klicpera und der Pole Korzenowski haben jeder eine Tragödie beendet, deren Held ein Jude. So was ist aber bei den Slaven von großer Wirkung, da noch viel Pietät gegen das gedruckte Wort vorhanden ist. — Unter den Juden Prag's spricht sich jetzt häufig der Wunsch aus, daß an der dortigen jüdischen Normalschule eine Lehrkanzel für böhmische Sprache errichtet werde. — K. Preußen. Berlin, 20. April. (D. A. Z.) Die Angelegenheitwegendes hierher zu berufenden dritten Rabbiners ist nun auch insofern geordnet, als die für die Geldbewilligungen bestehende Kommission nach stürmischen Debatten beschlossen hat, dem erwählten Kandidaten, Dr. Sachs in Prag (einem Schlesier), ein Jahresgehalt von 1500 Thlr. (einschließlich 300 Thlr. Miethsentschädigung), und zwar auf zehn Jahre zu bewilligen. Die Genehmigung der betreffenden Ministerien dürste auch, da gegen die Person des Gewählten gar nichts vorliegt, bald zu erwarten sein. Die durch eine gar nicht zur hiesigen Gemeinde gehörige Person aufgeregte sogenannte Opposition hat so ganz und gar keinen Halt, daß sie in der That mit ihrem Geschrei nicht durchzudringen vermag. Berlin, 22. April. Die D. A. Z. läßt sich Folgendes schreiben: Die Bestätigung des Stadtraths Benda ist bereits gemeldet. Als demselben nun vorschriftsmäßig der Eid abgenommen werden sollte, erhob derselbe aus einem gleich anzugebenden Grunde Bedenklichkeiten. Der Eid mors judaico beginnt nämlich, nach dem Gesetze, immer mit den Worten: „Ich rc. schwöre bei Adonai, dem Gott Jsrael's" rc. Herr Benda soll nun bei Lesung dieser Eingangsformel erklärt haben, daß er diese nicht nachsprechen könne, weil es, seiner Ueberzeugung nach, nur Einen Gott gebe, und daß die Israeliten nicht einen andern Gott anerkennten, wie der bestimmte Artikel vor den Worten „Gott Jsrael's" annehmen ließe, während die Weglassung dieses Artikels die Sache vielleicht umgestalte. Da nun eines Einzelnen wegen die Formel nicht umgestoßen werden kann, so wird sich Herr Benda wol zu deren Nachsprechung bewegen lassen; vielleicht hat er sich auch nur mit dem Protest begnügt. Jedenfalls dürfte dieser aber den Anlaß geben, die Aufmerksamkeit der zuständigen Gesetzgebungskommiffion darauf hinzulenken. —. Wenn dies der Fall wirklich gewesen, so wäre dies ein Bedenken, das, unsrer Meinung nach, keinen wirklichen .Inhalt hat. Denn „Gott Jsrael's" soll nicht einen besondern Gott Jsrael's bezeichnen, das konnte der Gesetzgeber gar nicht im Sinne haben, sondern bei dem „einigen Gotte," den Israel als solchen anerkennt, während andre Glaubensgenossen ihn nicht anerkennen. Sagt man doch unzählige Male „Mein Gott," ohne im Entferntesten an einen andern, als die allgemeine, all-einige Gottheit zu denken.