Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1844)
- Date
- 1844-04-29
- Page
- Seite 250 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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250 IT. Kämpfe. Aber weit entfernt sich für das Aufkeimen und Auskommen dieses edlen Institutes zu interessiren hat der hiesige 2-1 vielmehr ein jämmerlich bitteres Geschrei wider uns erhoben ('■'Svnro “im nnit). Gleich bei der ersten Schreckensnachricht, daß Neuerer, die jüngst erst angelangt (usa avrpn tnunn), sich Herausnahmen, statt des heiligen herkömmlichen verwahrlosten unsinnigen Gemisches von Schreien, Jammern und Singen einen geregelten Gottesdienst einführcn zu wollen, ließ er den Senat zu sich rufen und äußerte sein Betrübniß und Kümmerniß über und für die wahre Kirche, eigentlich aber für sein Ansehen und Einkommen. Denn er befürchtet (nicht ganz ohne Grund) daß dicß der Grundstein zu einer sich realisirenden Chorschule in Preßburg werden konnte, und was das Schrecklichste ist, sie würde einen Prediger herbeirufen, dem gegenüber er mit seinen sophistischen Borträgen (rrn«« n-mw wie sie noch vor zwei Sekulen im Judenthume üblich waren) und unverständlichen Dialektik nicht nur nicht Stand halten, sondern in den dunkelsten Schatten zurücktreten müßte. Ich übergehe einige kleine Scharmützel, wo man uns nur im eigenen Hause fluchte, um so auf göttlichem und zum Scheine doch auf gütlichem Wege unsere Kräfte theilweise zu schwächen, aber uns noch nicht die Ehre ertheilte mit einem öffentlichen Anathema wider uns aufzutreten und will Ihnen vielmehr in Kürze den Hauptsturm beschreiben, zu dem man am 24sten des Monats schlagfertig anmarschirte. Es hatte sich nämlich das Gerücht verbreitet, die Studirenden werden diesen ersten Abend des Makkabäerfestes (nairn) sehr feierlich begehen. In der That war unser Betzimmcr (denn mehr sind auch 19 von den hiesigen 22 Betschulen nicht) sehr glänzend beleuchtet, die Gesänge für diesen Abend mit besonderem Fleiße einstudirt, auch ein Bortrag über den geistigen Inhalt des Festes sollte die Zuhörer erbauen, alles war feierlich gestimmt, als plötzlich ein hiesiger Rabbinatsassessor Cp"i) Herr Daniel Proßnitzer, ein Mann, der in Vorurtheilen grau geworden, mit seinen Anhängern sich eindrängte und sein schwerstes und gröbstes Geschütz aus uns abfeuerte, ,,wnn bis -tin" sprach er die zahlreichen Anwesenden außer dem Studenten Häufchen an „wir wären nicht gottesfürchtig, wenn wir solchen Unfug in unserer heiligen Stadt dulden könnten" und schalt uns hieraus öTiNbn ömwib S'mi-it und sparte keinen nur erdenklichen Schimpfnamen, keine nur erdenkliche Fluchformel, die ihm der Fanatismus in's Gedächtniß rief. Kurz der Aufruhr ward so groß und allgemen, daß das Stadtgericht, indem die Studirenden nicht weichen wollten, und noch weniger dieser fromme Klubb, sich in's Mittel schlagen mußte, den Ruhestörern Schweigen zu gebieten. In Gegenwart dieses greisen Aufwieglers also verrichteten wir nachher unsere Andacht, von der er selbst gestand, daß sie ihm „gefalle," äußerte aber den Verdacht, daß wir nur dignitate sua praesente so ohne Mutation und Emission vom herkömmlichen Ritus gebetet hätten, in seiner Abwesenheit aber manches anders machten, was aber ad animam nicht wahr ist. Das Neue besteht bloß in geregeltem Vor- und Nachbeten, in erheblichen Gesängen und im Verlesen des Gebetes für die königl. Familie in vaterländischer Sprache. Was das Abfeuern des Geschützes betrifft, so hat es Gottlob keinen einzigen von uns verwundet, die Versicherung rrnri Nb b5tt nbbp ist ein Panzer, der jeden Einzelnen von den feurigsten Bomben dieser frommen Schwärmer schützt, ja die Kugeln sind dicßmal auf die Schützen selbst zurückgeprallt. Den Verlust, den die fromme Sekte erlitten, war ein zu kränkender als daß man so leichtfertig hätte darüber hingehen sollen. Noch in unserem Betzimmer äußerte sich genannter daß man sich's 10,000 Stück Dukaten (ein schönes Taschengeld, mein Vater) wird kosten lassen, den Bau einer Chorschule in Preßburg zu verhindern (kosten lassen bemerkte man nicht unrichtig also 'siaa ■’Db und nicht •’sb). Tags darauf spannte man alle Seegel aus und man bewirkte bei dem Stadtrichter, daß er sogleich als Inspektor des hiesigen Lyzeums der studirenden Jugend sich dem Willen des Rabbiners zu fügen rieth (nicht befahl), oder mit andern Worten, statt im ächten Sinne des Wortes zu beten, zu plerren. Alle Gegenvorstellungen, alle wissenschaftlich bewiesenen Einwendungen halfen nichts, und wir mußten und konnten uns im Schutze unseres geehrten Herrn Rektors diesem gut gemeinten Rathe widersetzen, dessen Antwort eben so wahr als merkwürdig ist, die er den Vorstehern (den Herren Pappenheim, Beffelheim, Gutman, den sogenannten Millionärs?) der hiesigen Gemeinde gab, als diese auf einem Wege, ich weiß nicht welchem —