Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1844)
- Date
- 1844-04-29
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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248 „Der Wunsch, der hilfsbedürftigen israelitischen Gemeinde in Meseritz (Großherzogthum Posen) nützlich zu werden, hat mich veranlaßt, die mir von der Königlichen Regierung angebotene Inspektion ihrer Elementarschule zu übernehmen, und ich habe mich mit Freude allen Mühen unterzogen, welche dieses Amt, das in dem aus seiner treuen Verwaltung entspringenden Segen ganz allein seinen Lohn findet, in Anspruch nimmt. Allein das abgelegene Lokale, welches der Schule für ein jährliches Opfer von 87 Thlr. miethweise verschafft worden ist, eignet sich nicht im geringsten zum Schulzwecke; es hat weder genügenden Raum, noch einen Hof, ist finster, durch die Ausdünstungen des schmutzigen Stadtgrabens, an den es stößt, ungesund, und droht überdies mit dem Einsturz. Alle Bemühungen der Schulvorsteher, deren redliche Sorgfalt für das Beste der Schule ich anerkennen muß, ein anderes Lokale zu beschaffen, waren vergebens; miethweise will kein Hausbesitzer die Schule einnehmen; — die israelitische Gemeinde muß nothwendig ein eigenes Gebäude erwerben, wenn ihre Schule, von der die sittliche Hebung aller Gemeindeglieder ausgehen muß, gedeihen soll. Dazu aber mangelt es an allen Mitteln. Die Gemeinde ist durch Feuersbrünste in die drückendste Armuth versetzt worden, und eine aus der altpolnischen Zeit stammende Schuldenlast von 17,173 Thlr. (deren Ursprung zum größten Theil unermittelt und mit der sie fast durchgehends christlichen Kirchen verhaftet ist,) macht ihr die Ausbringung des zur Herstellung eines eigenen Schullokals erforderlichen Kapitals zur Unmöglichkeit. Im Vertrauen auf den Gott, dem die Herzen aller Menschen opfern, unternehme ich es, edle israelitische Menschenfreunde um eine milde Beisteuer zum Ankauf eines Hauses für die Gemeindeschule, wozu das Lokale des ehemaligen Friedensgerichts, welches für circa 3800 Thlr. akquirirt und eingerichtet werden kann, hier wol allein geeignet ist, anzugehen. Ihre Gaben werden von dankbaren Familienvätern gesegnet und vom liebevollen Vater aller Menschen gewiß belohnt werden. Ich habe solche Armuth nie gesehen. Der größte Theil der Eltern ist nicht im Stande, die Blößen ihrer Kinder zu decken; die armen Kleinen frieren und hungern, und selbst zu Büchern, Papier und anderen Unterrichtsmitteln können sie nur durch die menschenfreundliche Wohlthätigkeit der Korporation gelangen. Ist der Schule ein Lokale gesichert, dann wird es mir nicht schwer werden, im Orte selbst Gaben zur Bekleidung der ärmsten Kinder aufzubringen und die Gemeinde zur Anstellung eines vierten Lehrers zu bewegen, zu dessen Unterhalt die bisher bezahlte Wohnungsmiethe mit verwendet werden kann. Das beigeschriebene amtliche Attest wird meine Schilderung bekräftigen. Möchte doch meine Fürbitte recht viele offene Herzen finden! Und ich hoffe das, da in unserer Zeit sich so vielfach der schöne Sinn für Linderung fremder Noch belhätigt und eine Noth wie die hier obwaltende zu den seltenen gehört. Ergebenst empfiehlt sich der Oberlehrer Holzschuhcr an der König!. Realschule." Oesterreich. Prag, 31. März. (Privatmitth.) Hier bestchc seit drei Jahren ein Verein zur Versorgung von verwahrlosten Kindern; er ist von dem verehrten Bürgermeister Herrn Appellationsrathe Müller gestiftet und nach dessen Wunsche in Uebereinstimmung mit den vorzüglichsten Männern unserer Stadt erstreckt sich seine Wirksamkeit nicht auf die katholische Bevölkerung allein, auch Protestanten und Israeliten nehmen in gleichem Maße als Mitwirkende und Unterstützte daran Theil, und die jährlichen Generalversammlungen, die in dem ehrwürdigen Sitzungssaale des hiesigen Rathhauses statt finden, geben ein schönes Bild der Vereinigung aller Konfessionen und zeugen thatsächlich von dem wechselseitigen Zugeständnisse, wie jede von ihnen geeignet ist auf Veredelung des Menschengeschlechtes einzuwirken, wenn man sich, anstatt wie es leider anderswo anfängc Mode zu werden, sich wechselseitig auszuschließen, lieber herzlich die Hände reicht, wo cs gilt die höheren Zwecke der Menschheit zu erzielen, denn das ist der ächte Schwanenorden ohne äußeres Abzeichen. Die dießjährige Generalversammlung ward durch die Anwesenheit des höchsten Protektors Sr. kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Stephan beehrt, und der israe-