Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1844)
- Date
- 1844-04-29
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
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245 brachte die Auflösung der Gemeinde noch einmal zu wege. Den 7. Juli 1786 wurde die Gemeinde abermals konstituirt, eine Synagoge errichtet, ein Gottesacker erworben. Bisweilen zählte die gottesdienstliche Versammlung 73 Seelen. Jndeß auch jetzt kam es noch einmal durch besondere Umstande dahin, daß der öffentliche Gottesdienst aufhörte. Endlich wurde den 30. November 1790 die Gemeinde als Korporation erklärt, aber erst 1820 konnte sie eine angemessne Synagoge erbauen und einweihen. Im Jahre 1829 ward diese durch Feuer verzehrt, und nur durch die edle Freigebigkeit aller Glaubensparteicn konnte zum Wiederaufbau geschritten werden. Noch fehlt es jedoch an einem Chasan und Lehrer, um den Gottesdienst angemessen zu vollführen. Ohio. Im Oktober 1816 kam ein junger Mann aus Plymouth in England nach New-Uork, Namens Joseph Jonas. Derselbe hatte sich aus Reisebeschreibungen den Entschluß gebildet, sich am Ufer des Ohio, in Cincinnati niederzulassen. Obgleich man ihn in Philadelphia davon abhalten wollte, indem er „unter den Wilden Amcrika's, und von Andersgläubigen gänzlich umgeben, seine Religion und seinen Gott vergessen würde": so gelobte er doch das Gegcnthcil, und kam den 8. Marz 1817 nach Cincinnati. Die Stadt hatte 6000 Einwohner: er war der einzige Israelit. Zwei Jahre war er allein, als im Dezember 1818 sein Freund David Israel Johnson aus Portsmouth in England mit seiner Frau und seinem Kinde ankam. Diese gingen aber nach Brookville in Indiana, und wiederum stand er einsam. Aber im Juni 1819 kamen drei englische Israeliten an, bald darauf die Geschwister des Jonas, mit einigen Freunden, und sofort begannen sie eine Gemeinde zu bilden. 1820 kamen nämlich drei deutsche Juden an, und so wurden in diesem Jahre zum ersten Male im Westen die Festtage feierlich in gehöriger Anzahl und mit einem Sefer Tora begangen. Durch die Ankunft neuer Ansiedler gelang cs, am 4. Jan. 1824 in Gegenwart von 16 Familienvätern die Gemeinde zu konstituiren, und wurde Joseph Jonas zum Vorsteher gewählt. Man faßte den Entschluß, eine Synagoge zu bauen. (The Occidcnt). (Wird fortgesetzt.) Charlestown (Fortsetzung aus No. II). Im März 1812 setzte der Gouverneur Middleton einen Danksagungstag fest, zu dessen Beobachtung in allen Kirchen er sämmtliche christliche Glaubensgenossen aufrief. Dies verwundete die jüdische Gemeinde ungemein, und sie richtete an den Gouverneur eine ziemlich starke Adresse, warum er die israelitische Gemeinde übergangen habe, deren Mitglieder einen nicht unwichtigen Theil der Gesellschaft ausmachten. Der Gouverneur entschuldigte sich über diesen Mißgriff in einer besondern Zuschrift. — 1821 erhielt die Gemeinde ein Schreiben von dem (christlichen) „Frauen -Wohlthätigkeits- Vereine," worin dargelegt ward, daß der Verein immer den dritten Sabbat im Monat Februar eine Glaubensgenossenschaft ersuche, durch eine Predigt und Sammlung ihn zu unterstützen, und daß er in diesem Jahre die israelitische Gemeinde hierzu bestimmt habe. Die Gemeinde entsprach diesem bereitwillig, und der Ertrag belief sich auf 250 Doll. Im Jahre 1825 übergab eine Anzahl von Gemeindemitgliedcrn eine Petition um Umgestaltung deS Gottesdienstes, die aber von der Gemeinde ohne Diskussion zurückgewiesen ward. Hieraus bildeten die Antragsteller einen eignen Gottesdienst unter dem Titel „die reformirte Gesellschaft der Israeliten" am Sabbatmorgen, und ließen auch ein eigenes Gebetbuch in englischer Sprache drucken. Jndeß wuchs die Zahl ihrer Mitglieder nicht, und nach einigen Jahren ging der Verein auseinander. Die finanzielle Lage der Gemeinde wurde durch diese Zwietracht sehr zerrüttet. — Durch einen großen Brand am 27. April 1838 wurde auch die schöne Synagoge ein Opfer der Flammen. Ein Aufruf an die Sympathie auswärtiger Gemeinden zum Wiederaufbau des Gotteshauses hatte keinen Erfolg, und dieser mußte durch die Anstrengung der Gemeinde selbst beschafft werden. — In dieser Zeit wurde eine sehr gute Unterrichtsanstalt für die israelitische Jugend gegründet. — Am 3. Januar 1840 wurde der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt, welche 40,000 Doll, kostet, dieselbe, im herrlichsten Style erbaut, ward im März 1843 eingeweiht. — Jndeß hat eine Majorität der Gemeinde die Einführung einer Orgel verlangt, überhaupt eine Veränderung des Gottesdienstes erstrebt, wodurch die Gemeinde gegenwärtig gänzlich zerfallen ist.