Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1844)
- Date
- 1844-04-29
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
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242 Gottesdienstes Kampf und Bemühung an einem Orte kostvt', so lange ist die Theilnahme, der Eifer vorhanden. Ist das Ziel erreicht, so verfliegt der Enthusiasmus mit der Neuheit, und oft werden die lässigsten die die eifrigsten gewesen. Bald steht die Synagoge mit Chor, mit Predigt ff. so leer, wie sie vorher ohne dieselbe gestanden, und die älteren Personen fragen mit einem gewissen Rechte: „wozu haben wir nun jene Zugeständnisse gemacht? Man hat uns so Manches genommen, was uns lieb gewesen, man hat uns gegeben so Manches, was uns gleichgültig ist — aber man hat uns nicht einmal mit der Ueberzeugung vergolten, daß dadurch der Religion unsrer Väter neue Kräfte, neue Liebe zugeführt worden." Man hat ferner verlangt, daß das Judenthum sich in irgend Thaten und Werken kräftig äußern und zu seinem Heile durch verbundene Kräfte und Anstrengungen wirksam sich zeigen solle. Es sind Versuche nach allen Seiten hin geschehen; man hat die größten Bedürfnisse zur Sprache und deren Abhülfe in Vorschlag gebracht, und zwar dergestalt, daß für Jenes die Modernen, für Dieses die Orthodoxeren sich interessiren konnten, wenn sie — Interesse hatten. Allein wie ist es ausgenommen worden? Ueberatl begegnete es der Lauheit, dem Achselzucken, der Bedenklichkeit — dem Nichtsthun. Wurde durch irgend eine Persönlichkeit für irgend einen Zweck ein lebhafter Enthusiasmus geweckt: ehe man es sich versah, war er erloschen wie Strohfeuer. Noch wirkte das Verhältniß zum Christen gut. Vieles that man, um in den Augen des Christen gut, glänzend, streb- und fördersam zu erscheinen. Hat man dies zu erreichen geglaubt, so fallt man in die alte Lässigkeit zurück, weil eben — nicht ein inneres Bedürfniß und Verlangen es gefordert. Diese Erscheinungen sind schreckhaft, um so mehr, da die Jugend an dieser Krankheit immer mehr zu leiden scheint. Man kann in mancher Familie die Abnahme der Liebe und des Eifers für die angestammte Religion ordentlich den Generationen nach verfolgen. Wie weit steht der Vater vom Großvater ab, wie weit wiederum der Enkel vom Vater. Alle drei leben neben einander, und sind höchst verschieden. Der Großvater liebt und übt die Religion um ihrer- und seinetwillen, da sie mit seinem Ich vermengt ist. Der Vater hat noch Interesse am Judenthume, weil er durch den Großvater daran gebunden ist, und weil er selbst einstens die religiösen Zeremonieen streng vollführte. Seinen Sohn aber, den Enkel, hat er ganz im Sinne des Kosmopolitismus er. zogen, das soll ein ungebundener Weltbürger sein-. Es kann bücht sein-, daß diesm das Jtldknlhurw — verachtet, oder — haßt. lFortsetzung folgt.) Ungarn, (im März). Ein Wort zur Zeit von Moritz Feitel. (Schluß.) Nicht minder von den nachtheiligsten Folgen für eine zu bewerkstelligende Widergeburt Israels ist auch noch, der unter den besser Unterrichteten häufige Mangel offener Charaktere. Wie viele Israeliten giebt's, die ganz durchs glühet sind von der bessern Richtung der neuern Ansichten — vor deren Augen es so klar stehet, wie es werden sollte -— welche die Trübung verstehen und das Dunkel durchschauen, welches das heutige Israel um nachtet; — und einer alten, noch zu beerbenden Tante oder Großmutter zu lieb; oder eines Kousins wegen, welcher ein Beamter des alten Ritus ist, spie: len sie bei Unternehmungen zeitgemäßer Aenderungen entweder die Kalten und Gemäßigten; oder interveniren gar zum Nutzen jener Manier, welche ihrer innern Ueberzeugung nach verwerflich ist, und aus Israel geschieden werden sollte. Ich denke, die heilige Angelegenheit der Läuterungen unserer Religion sollte keine andere Berücksichtigung, als die der Wahrheit kennen — und daß dort schmähliche Nebenabsichten um so weniger statt finden sollten, wo man zur Erhöhung des eigenen Selbsts der Zwiefärbigkeit steuern — und der bessern Ueberzeugnng auch den äußern Triumph gewinnen will... In der umgekehrten Weise, wenn auch nicht nach außen, doch höchst schädlich für die eigenen Familienkreise wirkend ist wieder der zu rege, ungezügelte Eifer vieler Hausväter, welche die heutigen Fragen vor der unreifen Jugend besprechen, die alten Gebräuche rn's Lächerliche ziehen, gegen heutige, in Beziehung ihres Amtes wenigstens, als würdig gellende Personen Spott und Flüche äußern — und was in das Bereich der höhern Kritik und theologischen Polemik gehört, täglich als Beitrag zur Mittagsschüffel auftischen — dadurch wird der zarten, allen ersten Eindrücken besonders offenen Jugend, die Achtung vor ihrer Nation genommen. — Kinder mit denen sich noch wenig theologistcen läßt, fassen aus dem ganzen sarkastischen Ge-