Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1844)
- Date
- 1844-04-22
- Page
- Seite 237 (sequence 9)
- Language
- German
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23.7 Gottesacker, wo er bei stiller Andacht und unter allgemeiner Rührung der Erde wieder gegeben wurde. Segen sein Angedenken! Preßburg, 8. April. (Privatmitth.) (Der jüdische Studentenverein in Preßburg.) Eine der neuesten und gewissermaßen auch der merkwürdigsten Erscheinungen ist der jüdische Studcntenverein zu Preßburg. Seit der merkwürdigen Epoche für's Judenthum, wo es Len Israeliten des österreichischen Kaiserstaates zugestanden ward, sich dem medizinischen Fache zu widmen, seit dem Erscheinen Mendelssohns, der uns zu Europäern machte und unfern Namen unter allen Nationen auf's glänzendste heroorzuheben wußte, und vorzüglich seit den Sturmschritten der Neuzeit, wo Geistesemanzipation die Aufgabe aller Welt zu sein scheint, und welche zu lösen die Anhänger mosaischer Religion nicht nur nicht vernachlässigten, die vielmehr, wie wir stolz behaupten können, vor so manchen mächtigem Nationen schon einige Dezennien voraus haben, seit diesen Zeilen hat es an Universitäten, Akademien und Lyccen, also auch in Preßburg niemals an Studenten jüdischer Religion gefehlt. Aber die studierende Jugend, die sich jährlich in ansehnlicher Zahl hier zusammen fand, kannte sich nur aus der Schule. Außer seinem Quartier-Kollegen bekümmerte sich Niemand auch weiter um das Wohl oder Weh seiner Glaubensbrüder, und selbst die Wissenschaften , die die Herzen an einander zu knüpfen, Stolz auszujäten und keinen Rangunterschied bei denen zu dulden pflegen, die ihre Schätze unter einander theilen, selbst diese schienen bei den Studierenden Preßburgs ihre magische Kraft umsonst verschwendet zu haben. Der Theolog, der Mediziner, der Jurist, jever ging seinen eigenen Weg und sah nicht selten scheel auf den seines Kollegen hinüber. Die Nolhwendigkeit eines Vereins, der sich noch aus tausend anderen Umständen, wie wir in der Folge sehen werden, fühlbar machte, haben schon manche Helle Köpfe in früheren Jahren eingesehen; aber es fehlte das Band, das die Musensöhne zusammenhaltcn solle, um einen moralischen Körper zu bilden. Ein literarischer Verein starb im vorigen Jahre bald nach seinen Entstehen an der grundlosen Tendenz, die man dabei im Auge hatte. (Indem jeder nur lehren und nicht belehrt werden wollte). Ganz an- '• dcre schönere und heiligere Zwecke haben den jetzt bestehenden in's Leben gerufen. Die Religion unserer i Väter, an der wir, wie es in der Schrift heißt, mit Blut und Leben hangen; das Licht der Welt, das vor Jahrtausenden den Israeliten aufgegangen, und in dem noch heute die Nationen aller Erdtheile sich sonnen; das Gebet, wo das schwache Herz des Sterblichen in Hymnen zu seinem Vater in den Sternen sich aufschwingen darf, diese sind es, die die leider schon fast verloschenen Funken des Glaubens! und der Moralität in der Jugend zur Flamme an-! fachten, und das Band der Liebe ist es nun, das die Zerstreuten in Gott versammelte. Ich finde es daher nicht am Unrechten Orte die Geschichte dieses Vereins in folgenden drei Abtheilungen etwas näher zu beleuchten und zwar 1) Sein Entstehen; 2) Seine Kampfe und Z) seine Zukunft. I. Entstehen. Trotz dem erleuchteten Jahrhundert in dem wir zu leben das Glück haben; trotz der Liebe zu den Wissenschaften, die sich heute unter allen Ständen so kräftig ankündigt, so ist doch der größte Theil der studierenden israelitischen Jugend von mittelmäßig begüterten Eltern oder gar armer Herkunft. Der Begüterte läßt von vier Söhnen Einen, der Arme Alle geistig sich beschäftigen, indem ihm Ließ der einfachste ja einzige Weg dünkt für ihre Zukunft zu sorgen. Soll der arme Student Muße und Muth genug haben sich dem Studium ganz zu widmen, so bedarf er einer Unterstützung, einer wohlthätigen Hand, die ihm die Sorge für seinen Unterhalt zum Theil erleichtert. Für den Christen ist am hiesigen Lyzeum gesorgt, da giebt es ein Alumnium und ein Konvikt, wo der Arme für eine kleine Einzahlung von einigen Gulden das ganze Jahr Mittagskost erhält; bei den Israeliten hingegen die sich den stolzen Titel ■’n geben ist, für das bessere Fortkommen des bedrängten Studenten nicht nur nicht gesorgt, man ist vielmehr in der schon genannten pp sehr darauf bedacht, ihm jeden Nahrungszweig abzuschneiden. Freilich aus purer dn-t, und es ist auch kein Wunder. In einem Orte, wo ein Rabbiner zu sagen im Stande ist (Schreiber dieses hat dieß mit eigenen Ohren angehört) „Wer mit etwas anderem als mit talmudischen Gegenständen sich beschäftigt, den treffen die Worte des heiligen 17»