Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-04-22 · Heft 17 (22.4.1844) · p. Seite 236

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 17 (22.4.1844)
Date
1844-04-22
Page
Seite 236 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225335-3225353--06005-3314793
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

236 Zöglinge errichtet und Zufluchtshauser erbaut werden sollen. Desgleichen beantragt dasselbe, daß der israelitische Kultus eine Lokal- und Zentralverwaltung erhalten solle, wie dies in Frankreich der Fall ist, und daß ein Konsistorium zu Algier und zwei Unterkonsistorien, zu Konstantine und Oran, gegründet werden sollen. Das Konsistorium zu Algier würde dem Zentralkonsistorium zu Paris untergeordnet werden. Oesterreich. Agram, 30. März. Bei der am 5ten d. M. abgehaltenen Generalkongregation des Gömörer Komitats haben die Stände in Ansehung der Judenemanzipation Folgendes beschlossen: es sollen die Israeliten durch eine Reichsdeputation befragt werden, ob es ihr ernstlicher Wille sei, sich hinsichtlich des sozialen Lebens mit den übrigen Bewohnern des Landes gänzlich zu amalgamiren und ob dies nicht mit ihren Dogmen, Gebräuchen und Gesetzen im Widerspruch wäre. Wenn nun das Letztere nicht der Fall ist, so sollen sie aller jener Rechte und Freiheiten theilhaflig werden, welche die übrigen unadeligen Bewohner Ungarns genießen. Vom Auslande einwandernde Israeliten aber seien verpflichtet, eine Kaution von 6000 Fl. K. M. zu leisten. (O. Bl.) Prag, 9. April. (Privatmitth.) Es ist für eine Zeit und ein Verhältniß höchst betrübend, wenn ein sich Reinhalten von Fehlern allein einen Mann schon zu einem hervorragenden macht; der Mann aber selbst verdient laute Anerkennung in weiteren Kreisen, der unter solchen Umständen moralische Kraft genug besitzt, seine fleckenlose Ehre und so den Ruf auszeichnender Tugend bis zum letzten Athemzuge zu behaupten. — Dieß laßt sich von dem gestern zur Erde bestatteten 78 Jahre alt gewordenen Steuerdirektor Herrn Samuel Dormizer sagen. Er hat während seiner fast dreißigjährigen Amtsverwaltung Niemanden weder aus Habsucht, noch aus Lust seine Macht zu beurkunden, gedrückt; er verwendete mehr als die Hälfte seines Gehaltes für Bedürftige, Wohlthätigkeitsvereine, für Anschaffung von Büchern, die dem wissenschaftlichen und politischen Fortschritte im Judenthume gewidmet sind; und nicht selten traf es sich, daß er für Arme, denen von Amtswegen die Steuer ssicht abgeschrieben werden konnte, dieselbe aus Eigenem entrichtete. Nebst dem war auch die Milde im Umgänge mit Menschen nicht die kleinste Lugend, wodurch er sich auszeichnete. Selbst den religiösen Gesetzen streng nachlebend, gab er es nie zu, daß in seiner Gegenwart über anders Handelnde geschmäht werde; man sah ihn nie in Zorn gerathen, es geschah denn, wenn ein Unschuldiger gekränkt, oder irgend ein Zartgefühl verletzt wurde. Auch vergab er seinen Feinden, ja er ging darin so weit, daß er mit» seiner eigenen Verantwortlichkeit seine erbittertesten Feinde schirmte, und sie unter Umständen schützte, die er leicht zu ihrem Verderben hätte wenden können. Kurz, er war ein ächter Jude, und was uns diese Zeilen in die Hände diktirt, ist nicht die lebhafteste Freundschaft gegen den ehrwürdigen Verblichenen allein, es ist der Wunsch, unseren jüngeren Glaubensgenossen im Allgemeinen, und seinem etwaigen Nachfolger im Amte ein edles Vorbild hinzustellen. Der Leichenzug war einer der würdigsten. Hier war keine Ostentation, um seinem Nachfolger zu gefallen, hier waren keine Einladungen nach allen Weltenden entsendet, um vornehmes Geleite zu erzwingen; es war der innere Trieb, einem tugendhaften Manne die letzte Ehre zu erweisen, der Tausende seiner Hülle folgen ließ. Die Bahre wurde durch die ganze Judenstadt — bezeichnend genug für den Dahingeschiedenen — von dem Vereine Derech Jescharah, dessen Direktor er durch vierzig Jahre war, getragen; von dem Gemeinde-Leichenhause ging der feierliche Zug unter Vorantritt der Schuljugend, des Lehrpersonals und der Zöglinge des Waisenhauses, gefolgt von den Leidtragenden, dem Personale der Steuerdirektion, einer Menge Honoratioren und mehreren Lausend Gemeindemitgliedern durch die Stadt; und es bedurfte keines Kommandos, keiner Polizeimannschaft um die Ordnung aufrecht zu erhalten, die Erfurcht vor dem Begleiteten flößte jedem die nöthige Ordnungsliebe von selbst ein. Beim Stadtthore reichte selbst die große Menge von Wagen nicht hin, um Alle, die den edlen Verblichenen zur letzten Ruhestätte geleiten wollten, auszunehmen, und an tausend Menschen folgten dem Leichenwagen zu Fuße bis auf den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.