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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-04-22 · Heft 17 (22.4.1844) · p. Seite 233

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 17 (22.4.1844)
Date
1844-04-22
Page
Seite 233 (sequence 5)
Language
German
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233 beten Rabbinen das Volk nur von einer Last, von einer Bürde befreit, die aus den Jahrhunderten des Mittelalters auf dessen Schultern lasten? Ihr klagt, daß immer Mehre das ganze Joch, das ganze 2-uAN bw von sich werfen — aber ist dessen allein der religiöse Jndifferentismus Schuld, oder der Umstand, daß Ihr auch nicht die geringste Bürde ihnen abgenommen habet? Freilich, werdet Ihr noch lange warten, dann hättet Ihr Nichts mehr abzunehmen. Allerdings kann kein jüdischer Theologe in Etwas willigen, was antibiblisch ist. Denn ich erachte den für keinen jüdischen Theologen, der von der göttlichen Offenbarung nicht durchdrungen ist. In jeder andern Religionspartei wäre es zu gestatten, aber im Judenthum ist die göttliche Offenbarung Lebensmittelpunkt, Inhalt, historischer wie theoretischer, das ganze Leben und Dasein des Judenthums würde ohne die Offenbarungslehre zu einer schnöden Lüge, zu einer bizarren Inhaltslosigkeit. — Aber giebt es nicht eine Menge von religiösen Lasten, die erweislich im Laufe der Zeiten aufgelegt, nur als ein „Zaun um die Lehre" auferlegt sind, ja die zum Theil gänzlich antibiblisch sind, und dennoch, treten die wissenschaftlich gebildeten Rabbiner, von deren Wirksamkeit so viel erhofft worden, auf, um das in der Zeit Auferlegte, in der Zeit wieder hinweg zu nehmen? Ja, werden die einzelnen Stimmen, die sich darüber verlautbar macken, nur berücksichtigt? Ich will eine Thatsache heranbringen. Wer weiß nicht, daß die zweiten Festtage aus der Unzuverlässigkeit des frühern Kalenderwesens hervorgeganen sind. Jetzt ist der Kalender so firm, wie die liebe Sonne, aber man behält sie bei. Und wie? sind sie nicht geradezu gegen das Gesetz der Schrift? Dieses wollte den siebenten Tag gefeiert haben, zwei Feste sollten sieben Tage dauern, sieben Wochen nach dem ersten Feste ein Fest, im siebenten Monat drei Feste, das siebente Jahr Erlaßjahr, nach sieben mal sieben Jahren das Jvbeljahr. Also sollten auch sieben hohe Festtage im Jahre sein, (zwei Peßach, ein Schebuoth, ein R. hasch., ein I. Kip., zwei Sukkoth,) also herrschte überall in den Festzeiten die Zahl sieben, durchaus und konsequent sieben, und man machte doch — dreizehn daraus! Es ist dies aber für das Volk wahrlicht keine kleine Last. Man denke an die eben verlaufenden Peßachtage: Donnerstag Freitag Fest, Sonnabend Ruhetag, Sonntag und Montag christliche Feiertage, Mittwoch und Donnerstag Fest, gleich darauf Sonnabend Ruhetag, und Sonntag christlicher Feiertag. Da habt Ihr in elf Tagen — zwei Arbeitstage. Sagt nicht, daß Viele weder den ersten, noch den zweiten Tag feiern — Tausende und aber Tausende wären von der Last des zweiten Tages zu befreien, aber Ihr zwingt sie, beide wegzuwerfen!- Eine zweite Thatsache ist der Unterschied zwischen milchigen und fleischigen Speisen, der in der Bibel durchaus nicht begründet ist, und von dem in der ganzen biblischen Zeit keine Spur sich findet. Der Anknüpfungspunkt ist das bekannte: bw^ri «b iA8 sbm „Koche nicht ein Böcklein in der Milch seiner Mutter," worüber Sie, Herr Redakteur, in Ihrem Bibelwerke S. 596 sagen: „es liegt darin die Vermeidung eines versteckten Spottes auf Gott (oder Widerspruchs wider das Naturgesetz Gottes) und seine natürlichen Verordnungen, daß dasselbe in dem Stoffe verzehrt werden solle, welches von Gott zu dessen Ernährung bestimmt ist, besonders wenn es mit dem Verbot, Mutter und Junges an einem Tage zu schlachten, zusammengestellt wird." (Auch das Gesetz über das Vogelnest; man vergleiche noch Ihr nachdrückliches Wort S. 643). — Welche große Bürde dieser Unterschied aber den israelitischen Männern und Frauen bringt, welche Mehrkosten dem armen Manne, das ist wohl zu bedenken! Man muß ein Herz dafür haben. Wohl, ich weiß auch den Werth einer historischen Sitte, eines im Volke wurzelnden Brauches zu schätzen. Aber würde die historische Sitte ewiges Gesetz sein und bleiben müssen, so müßten wir auch noch — Leibzoll geben und andere dergleichen schöne Dinge, die freilich die historische Schule auch wieder zurückbringen möchte, sei's auch nur dem System zu Liebe. Gut, ich habe gefragt. Gürte Dich wie ein Mann, und gieb mir Antwort!-’) —xer. *) Entgegnungen oder Besprechungen dieses Artikels werden wir gern an - und aufnehmen. Die Redaktion.

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