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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-04-22 · Heft 17 (22.4.1844) · p. Seite 231

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 17 (22.4.1844)
Date
1844-04-22
Page
Seite 231 (sequence 3)
Language
German
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231 tur, zu dieser ihrer ersten Verlobten, die ihnen auf wissenschaftlichem Gebiete gefolgt und sie eingeholt, sich HLngezogen fühlen und ihr überall günstige Aufnahme und Einsetzung gönnen würden. — Die Aerzte sind es aber größtentheils, welche vermöge ihrer kosmopolitischen Stellung, ihres viel- und mannigfach beschäftigenden Berufes, ihrer dem Materialismus hinneigende, in naturhistorischen Fächern sich bewegende Geistessphäre, weniger jene Muße und geistigruhige Behaglichkeit besitzen, welche das häuslich patriarchalische Frommsein erfordert, sie besitzen weniger jene Wärme, deren Flamme immer nach aufwärts lodert; und daher bei allen ihren heißen und gerechten Wünschen für Israel, nicht eia Leben führen oder führen können, das in den Augen derer, die man zu überzeugen und gewinnen ausgehet, weniger abstoßend sein sollte. Wahre Frömmigkeit, Lauterkeit des Herzens, klares Seldstbewußtsein und heilige Selbstrechtfertigung war nicht der allgemeine Charakter der alten jüdischen Welt.— Die Meisten gingen in die Synagoge um liebgewordene, disharmonische Melodien, größtentheils von den verwahrlosesten Menschen ausgefuhrt, anzuhöreu; um Gebete zu verrichten welche sie nicht verstanden — um ihren Prediger zu bewundern, wie sehr derselbe beim Visbö schwitze — und übten häusliche Observanzen, als wäre Gott ein Kind, das nur die Form der Sache, und die Sache gethan haben will. Das ym wurde, so zu sagen, alle Tage des Jahres nur auf verschiedener Weise verkauft-; aber bei allen gereiften hohem Ansichten und geläuterten Grundsätzen, sieht man es doch noch nicht dahin kommen, daß die Jünger der neuern und bessern Schule in l>raxi eben so glühen würden und so warm wären, wie sie in ihren Schriften und Reden sind. — Jene, welche manchen häuslichen Zeremonien, gegenüber den historischen und ethischen Dogmen unserer Lehre, den Werth und die Bedeutung streitig machen, sieht man auch nicht mit dem vollen Ernste und der erforderlichen Pünktlichkeit in der rmo sitzen; die den zweiten Tag mehrerer Feiertage als obsolet erklären, feiern auch den ersten rucht mit jener Genauigkeit und Würde, die ihm nach der geläuterten Lehre zukäme — und die man so oft und so beredet darüber klagen hört, daß man betet, ohne es zu verstehen, daß man betet was Gotteslästerung und Menschenfeindlichkeit enthält, haben noch selten aus dem so ttrtua gebetet, wie in frühem Zeiten Mancher sein )i2rpi2 mr« herweinte.-Man verstehe mich hier nicht falsch — denn hier ist nicht von den Pflichten der Wissenschaftlichen und Gelehrten in Beziehung auf sich, sondern in ihrer Stellung gegenüber denjenigen, die sie für das Bessere und Wahre zu gewinnen trachten, die Rede.... Weniger verzeihlich ist noch der Mangel einer mehr in Uebungen sich kund gebenden Pietät jenen Männern, (an welchen es doch auch in Ungarn nicht ganz fehlt) deren Lebensweise und Weltstellung mit einem sogenannten jüdischen Leben verträglich wäre, und die immer nur predigen wie zu sichten und zu läutern sei die Lehre Israels, ohne dem Gesichteten und Geläuterten völlige Aufmerksamkeit zuzuwenden und mit gewissenhafter Beobachtung den in jugendlicher Frische sich erhaltenen Dogmen nachzuteben.. Das war der erste Punkt, auf welchen ich aufmerksam machen wollte — und der wahrlich nicht wenig beiträgt, warum Männer hervorragend an Bildung und sonstigen Einfluß, grade im jüdisch-kirchlichen Leben bei ihrem besten Vorhaben und Vorgeben so wenig durchzusetzen vermögen. Das Erste sollte es sein, sich die Glaubwürdigkeit in religiösen Meinungen zu erwerben — und zwar durch einen frommen, in religiösen Uebungen sich kund gebenden Ernst. Das Beispiel, wie ein Bessergesinnter in wahrer Andacht, ohne Sinnenzerstreuung betet, würde dem Innern des Gotteshauses eher seine bessere Gestaltung geben, als dadurch, indem man es ganz meidet und Einführungen ertrotzen will, an deren wirklich guter Absicht zu zweifeln man Gelegenheit giebt; und die Art und Weise wie man den eigenen Kindern, nebst weltlicher Bildung auch eine genügende jüdische Erziehung giebt, würde für die so schwer zu errichtenden jüdischen Schulen von größerem Einfluß sein, als alles Demonstriren und Referiren, welches am Grunde doch nur von jenen begriffen und gelesen wird, für die man's weder sagt, noch zu schreiben braucht. (Schluß folgt.) Zeituugsnachrichten. Deutschland. Vom Rheine, im April. (Eingesandt.) Wer jetzt Die jüdischen Zeitblätter liest, der macht bald die Bemerkung, daß die Richtung der Geister seit einigen Jahren eine ganz andere geworden ist. Wahrend früher die hauptsächlichste Aufmerksamkeit nach außen gewandt, und die bürgerliche Gleichstellung aller Kämpfe Inhalt war: ist diese, wenn auch nicht

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