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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-04-22 · Heft 17 (22.4.1844) · p. Seite 230

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 17 (22.4.1844)
Date
1844-04-22
Page
Seite 230 (sequence 2)
Language
German
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280 tetcn alle Zugeständnisse so klein und so spät wie möglich zu machen. Das Herz und die Billigkeit sprechen da selten mit. Es gehört ein gewisser Zwang, ein starker moralischer Zwang, der sie dazu bringen kann, Belasteten eine Bürde, Beschränkten eine Schranke hinwegzunehmen. Es kommt also auch hierbei darauf an, inwiefern unsere bürgerliche Gleichstellung eine solche nachhaltige moralische Kraft erlange, daß sie zur Höhe eines moralischen Zwanges reiche. Dies kann nur geschehen, wenn die Volksstimme, wenn die öffentliche Gesinnung immer lauter und lauter für sie wird. Allerdings bedarf es hierzu aber auch der Anstrengung der Juden selbst. Durch immer schönere und edlere Entwickelung, durch immer lebendigere Theitnahme am Leben des Volks und Staates, durch immer vollständigeres Versenken in das bürgerliche Leben wird allmälig unser Rechtsanspruch eine solche Stärke gewinnen, daß ihr Nichts widerstehen kann! Ungarn, (im März). Ein Wort zur Zeit von Moritz Feitel.*) In Ungarn, wo es sich noch fast in den meisten Gemeinden, um die Einführungen der Elemente eigentlicher Verbesserungen handelt; wo hier die Translokation des Atmemors, dort das Abschaffen des Haman- und Schulklopfens die großen Fragen des Tag6 — und die Zankäpfel der Parteien ausmachen; — wo die Bestgesiunten noch nicht einmal sich zu denken trauen an die eigentlichen Mängel die im Hause Gottes obwalten — und an die Verkehrtheit der bestehenden Erziehung — und an die beginnende religiöse Kälte der jüdischen Häuser; — wo man froh ist, und sich glücklich schätzt, wenn dem Anstande gegenüber, nur oas Verletzende weiche und die Brücke zum Bessern für kommende Geschlechter nur nicht abgeschnitten werde; hier in diesem Nachbarlande der Gallizianer, wo man von diesen im Allgemeinen nur in so ferne abweicht, daß man keine polnische Kleidung trägt — und keinem Talmudstudium obliegt — ist man's gewohnt, so oft von den Hemmnissen die Rede ist, welche dem Guten und Nützlichen sich vorlagern, über die orthodoxen Juden loszufahren, und diesen das Ganze dieser himwel- *) Der Inhalt dieses Wortes paßt auf viele Länder. R e d a k t. schreienden Schuld auf den Hals zu bürden. Ja, die Kritik der Kulturangelegenheiten der ungarischen Israeliten hat bisher fast ausschließlich ihre Geißel über die Stabilitätsgeisier geschwungen — und indem sie diesen mit vollem Rechte ihren bedeutenden Einfluß auf vernachlässigten Ritus, Unterdrückungen besserer Schulen u. s. w. vorwarf, vergessen, daß sehr oft in der Persönlichkeit der Beffersirebenden und in der Richtung ihres Strebens sehr viele der Ursachen begründet sind, daß es hier so schwer tage, und dem bestehenden Dunkel so mühevoll die schneidende, abstoßende Kälte genommen werden kann. Referent will es versuchen, hier in diesem, auf die bessern Geister Israels so energisch wirkendem Blatte, seine Ansichten, über einige der hervorragenden Mängel in der Art und Weise wie man das Gute zu bewerkstelligen ausgehet, darzustetten; hoffend daß in seinen bescheidenen Rügen nicht die beabsichtigten frommen Wünsche verkannt sein wögen. Die Männer Ungarns, welche aus eigentlich reellen Absichten es wünschen, daß in Israels Gottes- und Schulhäusern eine Sichtung und Läuterung vorgenommen werde, sind solche, die in ihrer frühen Jugend eine völlige jüdische Erziehung genossen, sich mit talmudischen Wissenschaften mehre Jahre befaßt, und später dann der Weltweisheit sich beflissen haben, oder auf dem Wege naturhistorischer Kenntnisse mit der wissenschaftlichen Forschung vertrauet wurden. Bibel und Talmudstudium, worüber dann die Leuchte wahrer Philosophie ihre Strahlen wirft die trockene Einsammlung talmudischer Dogmen und Sentenzen, worüber dann die echte Gluth einer geläuterten Moral sich ergießt — giebt jene Auserwählten Israels, in deren Herzen das jüdisch-nationeüe Element in seiner eigentlichen Bedeutung und ganzen Kraft wurzelt, und in deren Köpfen das Spreu vom Korn gesondert ist, das erstere nicht überschätzt wird, und letzteres nichts von seiner heiligen Bestimmung verlieren will. (Unter wahrhaft talmudisch Gelehrten, würde sich bei der größten Masse von Wissenschaftlichkeit kein Frankfurter Verein gebildet haben; und unter wahrhaft wissenschaftlichen Geistern, könnte — und wären sie auch voll der ganzen talmudischen Literatur — nicht jene Verwahrlosung und Starrheit eintreten, von denen noch heute ganze Provinzen voll sind). — Vor allen sind es also in Ungarn mehrere Aerzte jüdischen Glaubens, welche zu diesem Stande kamen, nachdem sie ihre erste Jugend auf mn^ verlebten, und nun bei ihrem wissenschaftlichen Beruft, mit dem neuem Aufleben der jüdisch-theologischen Litera-

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