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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-04-15 · Heft 16 (15.4.1844) · p. Seite 224

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 16 (15.4.1844)
Date
1844-04-15
Page
Seite 224 (sequence 8)
Language
German
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224 schluß sind bereits die meisten jüdischen Kaufleute beigetreten. —. Ein wackrer Beschluß, dem wir die kräftigste, nachhaltigste Festhaltung wünschen! Berlin, I. April. (Privatmitth.) Bei der am 25. März statt gefundenen Wahl eines dritten Rabbinen waren 7 Mitglieder des Vorstandes und ]9 der durch das Loos berufenen 32 Gemeindewähler zugegen, und von diesen 26 Stimmenden waren 21 Stimmen für den Herrn 0r. Sachs. — Hier ist die Nachricht verbreitet, daß den Herrn Dr. Mannheimer zu Wien eine Erblindung betroffen, daß er den Herrn vr. Sachs zu seinem Nachfolger gewünscht habe, und daß dieser wahrscheinlich vorziehe, nach Wien zu gehen. Rußland und Polen. St. Petersburg, l. April. Neuerdings M folgender Ukas erschienen: „Juden, die sich ohne gesetzliche Erlaubnißscheine oder mit abgelaufenen Urlaubspäffen über die Grenze entfernen, sollen zurück in'S Reich transportirt werden, von den Grenzchefs angenommen, dann aber den örtlichen Gouvernements übergeben werden, die mit ihnen nach den über Ausreißer und Landläufer bestehenden Gesetzen verfahren sollen, wenn auch ihre frühern Wohnorte und die Gemeinden, denen sie angehören, bekannt wären. Sie sollen dann ohne Rekrutenanrechnung für den Kriegsdienst verwendet werden, im Falle sie aber dazu untauglich sind, den Strafarbeitskompagnien anheimfallen, ohne Zustehung des Rechts der Wiederauslieferung an ihre Gemeinden, wenn diese sie verlangen sollten. Sind sie auch zu den öffentlichen Strafarbeiten unfähig, so sollen sie mit ihren Weibern zur Ansiedelung nach Sibirien geschickt werden." Moldau und Wallachei. Von der türkischen Grenze, 8. März. Die Augsb. Allg. Zeit, mthält Folgendes. Berichte aus Bucharest melden die Rückkunft des russischen Generalkonsuls v. Daschkoff aus Jassy. Es scheint daß derselbe wenig befriedigt von den Zuständen des moldauischen Volks so wie von der Haltung der moldauischeu Regierung aus Jassy geschieden sei. Herr von Daschkoff soll über die im Lande herrschende Käuflichkeit, überhaupt über die Sitten- und Charakterlosigkeit die sich daselbst zeige, sich offen ausdrücken. Die Nationalversammlung in Jassy fährt indessen in ihren Arbeiten rasch fort, und beabsichtigt nächstens ein Gesetz zur Diskussion zu bringen welches die Beschränkung der für das Land und für das Vermögen der Unterthanen gefährlichen Geschäfte der Juden zum Zweck hat. Man will in dieser Hinsicht vorzüglich der weitern Verbreitung der Juden auf dem Lande Schranken setzen, in der Stadt sie in einen eigenen Ghetto verweisen und andere Maßregeln treffen um den durch ihren verderblichen, die besten Säfte des Landes verschlingenden Wucher bedrohten Wohlstand des Volks so viel als möglich zu sichern. Wird dieß aber durch bloße Judenbeschränkungen und Verfolgungen zu erlangen sein? Was erreichte man damit früher in Deutschland? Personal- und Lokalnachrichteri. Prag, 22. März. Nachstehender, hier wenigstens noch unerhörter Vorfall verdient als Zeichen konfessioneller Eintracht allgemein bekannt zu werden. Am 10. März starb der Direktor der hiesigen israelitischen Hauptschule. Derselbe war Katholik. Dem am 12. Mär; stattgefundeoen feierlichen Leichenzuge schloffen sich nicht nur das gesammte Lehrpersonal mit den Schülern und Schülerinnen der Hauptschule, sondern auch die Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde sowie die Schulinspektoren an. Nachdem die Leiche auf dem Kirchhof angelangt und von dem katholischen Seelsorger feierlichst eingesegnet und der Sarg in's Grab gesenkt worden war, hielt der an der Seite des katholischen Geistlichen stehende israelitische Religionslehrer vr. Weffely am offenen Grabe eine Leichenrede, in welcher er mit wenigen aber trffeuden Worten das Leben und Wirke» des Hingeschiedenen sowie seine Verdienste um die Schule schilderte und die tiefste Rührung erweckte. Wenn man bedenkt, daß vielleicht noch vor fünfzig Jahren die Betretung eines katholischen Kirchhofs von einem Juden als eine Entweihung desselben wäre betrachtet worden, muß man den humanen Geist unserer politischen Behörden nur lobend anerkennen, die trotz des Ernstes, mit welchem sie sonst für die religiösen Interessen der herrschenden Kirche Sorg« tragen,

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